13. Juni
Erste Berlinerin mit Schweinegrippe infiziert
In Berlin taucht Mitte Juni ein erster wahrscheinlicher Fall von Schweinegrippe auf. Es handelte sich um eine 23-jährige Frau aus Treptow-Köpenick. Der Schnelltest und der erste Test auf Neue Grippe, der anschließend im Landeslabor Berlin-Brandenburg (LLBB) durchgeführt wurde, waren positiv.
In Berlin ist der erste Fall von Schweinegrippe aufgetreten. Eine 23-jährige Frau hatte sich am Freitag mit grippeähnlichen Symptomen in einer Rettungsstelle gemeldet. Der Schnelltest und der erste Test auf das H1N1-Virus, der anschließend im Landeslabor Berlin-Brandenburg (LLBB) vorgenommen wurde, verliefen positiv. Nach Informationen der Berliner Morgenpost handelt es sich bei der Patientin um eine Auszubildende aus Treptow-Köpenick. Da die Symptome nicht schwer seien, befinde sich die Frau zu Hause, wo sie mit antiviralen Mitteln behandelt werde, wie die Senatsverwaltung für Gesundheit mitteilte. Das zuständige Gesundheitsamt kümmere sich darum, dass die Frau keinen Kontakt zu anderen Personen habe. Außerdem würden zurzeit die Kontaktpersonen der Frau ermittelt.
Erst vor drei Tagen hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die höchste Warnstufe ausgerufen und die Schweinegrippe damit zur weltweiten Epidemie erklärt, die ihren Ursprung in Mexiko hatte. Die erkrankte Berlinerin sei jedoch zuvor in keinem Risikogebiet gewesen und habe auch keinen unmittelbaren Kontakt mit Reisenden gehabt, hieß es gestern. Allerdings war sie am Dienstagabend von einem eintägigen Besuch in Düsseldorf zurückgekehrt. Dort sind inzwischen 75 Menschen mit dem H1N1-Virus infiziert. Bis gestern Abend wurden acht weitere Kinder positiv getestet. Es handele sich dabei um Klassenkameraden und Geschwister von bereits infizierten Schülern der Japanischen Schule. Damit sei bei insgesamt 60 japanischen Kindern die Schweinegrippe nachgewiesen.
In Berlin stimmt nun die Senatsgesundheitsverwaltung mit dem Robert-Koch-Institut und den Bezirken die weiteren Schutzmaßnahmen ab. Es bestehe allerdings für die Bevölkerung kein Grund zur Beunruhigung.
Bereits zuvor war bekannt geworden, dass es in Brandenburg einen dritten Infektionsfall gibt. Dort waren bei einem 33-jährigen Mann aus Cottbus nach einer USA-Reise grippeähnliche Symptome aufgetreten. Laut Gesundheitsministerin Dagmar Ziegler (SPD) sei der Mann ambulant vom Hausarzt behandelt worden, der den Fall dem Gesundheitsamt meldete. Der Patient und auch seine Freundin seien zu Hause isoliert und mit Medikamenten versorgt worden.
Deutschlandweit gab es gestern 168 bestätigte Fälle von Schweinegrippe. In der Regel seien die Erkrankungen bislang mild verlaufen, berichtete das Robert-Koch-Institut (RKI) . Die WHO hat weltweitknapp 30.000 Fälle in 74 Ländern registriert. 145 dieser Patienten sind mittlerweile an der Infektion gestorben.
Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) warnt angesichts der Pandemie vor Panik. "Mit der Warnstufe sechs der WHO wächst die Sorge vieler Menschen vor dieser neuen Grippe", sagte Schmidt der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Auch sie mache sich Sorgen. "Aber zu übereilten oder panischen Reaktionen besteht kein Anlass", fügte die SPD-Ministerin hinzu. Sie zeigte sich zuversichtlich, dass man schnell ein Grippemittel entwickeln werde und ab Herbst falls erforderlich mit Impfungen gegen die Influenza A/H1N1 begonnen werden könne. Der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) warnte unterdessen vor der Selbstversorgung mit Grippemedikamenten über das Internet. Diese seien oft gefälscht. "Wer auf eigene Faust Selbstmedikation betreibt, schadet sich", sagte er.
Es sei nur eine Frage der Zeit, bis auch in Berlin der erste Fall von Schweinegrippe auftrete, hatte die Berliner Infektionsschutzbeauftragte Marlen Suckau noch am Freitag in einem Pressegespräch gesagt. Die Prognose scheint sich schneller zu erfüllen als erwartet. Nur 24 Stunden später meldete die Senatsgesundheitsverwaltung gestern einen "ersten wahrscheinlichen Fall".
Die zurückhaltende Formulierung hat ihre Gründe. Ein erster Schnelltest und eine weitere Untersuchung bei der 23-jährigen Frau seien positiv gewesen, vor einer endgültigen Diagnose müssten aber noch der Test aus dem nationalen Referenzzentrum des Robert-Koch-Instituts abgewartet werden, sagte Regina Kneiding, die Sprecherin von Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher. In der Gesundheitsverwaltung ging man gestern allerdings davon aus, dass auch der noch laufende Bestätigungstest ein positives Ergebnis zeigen und den Verdacht damit bestätigen wird.
Die zuständigen Behörden des Landes und der Bezirke hatten sich in den vergangenen Tagen intensiv auf den Moment vorbereitet, in dem das Virus, in offizieller Lesart des Senats als "Neue Grippe" bezeichnet, die Hauptstadt erreicht. Die Gesundheitsverwaltung hat in kürzester Zeit für den Fall, dass im Handel keine Medikamente mehr erhältlich sind, eine Notreserve angelegt, die etwa 680.000 Therapie-Einheiten entspricht. Auch die Krankenhäuser haben Vorkehrungen zur Bewältigung eines eventuellen Ansturms behandlungsbedürftiger Patienten getroffen.
Darüber hinaus wurde Unternehmen und Verwaltungen dringend geraten, für ihre Angestellten Antigrippemittel einzukaufen, weiterhin erhielten sie die Empfehlung, ihre Klimaanlagen mit Antivirenfilter auszustatten. An die Adresse der Bevölkerung gerichtet, empfiehlt Marlen Suckau dringend die Anschaffung eines Mundschutzes. "Jeder sollte einen Zuhause haben, bevor es zu spät ist", sagte die Senatsbeauftragte am Freitag.
Grundlage für alle Anordnungen und Empfehlungen ist der "Rahmenplan Influenza Pandemie" der Gesundheitsverwaltung. Er entstand 2008 als Reaktion auf die damals grassierende Vogelgrippe. Sollte es weitere Fälle geben, sieht der Plan zusätzliche Maßnahmen vor. Dazu gehören die Schließung von Schulen und Kindertagesstätten, Beschränkungen oder gänzliche Verbote öffentlicher Großveranstaltungen sowie die Durchführung von Kontrollen im Reiseverkehr, um das Einschleppen von Viren zu verhindern.
Detailliert hält der Rahmenplan auch die ermittelten Auswirkungen auf das Gesundheitswesen der Stadt fest. So muss bei einer Erkrankungsrate von 15 Prozent der Bevölkerung mit 268.000 zusätzlichen Arztbesuchen, 7700 Klinikeinweisungen und 2100 Todesfällen gerechnet werden. Stiege die Rate auf 50 Prozent, könnte es gar zu 895.000 Arztbesuchen, 25.600 Klinikeinweisungen und 7050 Todesfällen kommen.
Auch die in Berlin tätigen niedergelassenen Ärzte sind in die Planung eingebunden. Würden sie ihre Patienten rechtzeitig mit geeigneten Mitteln wie Tamiflu versorgen, könnte die Zahl der notwendigen Klinikeinweisungen um bis zu 60 Prozent gesenkt werden. Zudem enthält der Plan eine Vielzahl von Empfehlungen für die Bevölkerung. Eine lautet: Vermeiden Sie, anderen Menschen die Hand zu geben.
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