9. Juni
Karstadt-Mutter Arcandor meldet Insolvenz an
Der Handelskonzern Arcandor hat einen Insolvenzantrag gestellt. Dieser gilt damit auch für Karstadt, Primondo und Quelle. Betoffen ist davon auch das Berliner KaDeWe. Bundeskanzlerin Merkel sieht die Insolvenz als Chance – und will den Beschäftigten helfen.
Das Essener Handels- und Touristikunternehmen Arcandor hat Insolvenzantrag gestellt. Wie das Unternehmen mitteilte, sind beim Amtsgericht Essen Anträge auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens wegen drohender Zahlungsunfähigkeit für die Arcandor AG sowie drei Tochterunternehmen gestellt worden.
Bei den Töchtern handele es sich um die Karstadt Warenhaus GmbH, die Primondo GmbH und die Quelle GmbH. "Vom Insolvenzverfahren werden die Thomas Cook Group plc, die Primondo- Specialty Group GmbH mit ihren Tochter- und Beteiligungsgesellschaften sowie der Homeshopping-Sender HSE24 unberührt bleiben", heißt es in einer Mitteilung.
Vorläufiger Insolvenzverwalter soll nach Informationen von Morgenpost Online der Kölner Anwalt Klaus Hubert Görg werden. Offenbar ist auch geplant, dass mit dem Düsseldorfer Insolvenz-Profi Horst Piepenburg ein erfahrener Sanierungsexperte in den Vorstand von Arcandor einzieht. Das würde darauf hinauslaufen, dass Arcandor eine Insolvenz in Eigenverwaltung anpeilt, wie dies schon bei Babcock Borsig oder bei der Pin AG erfolgte.
Görg beriet angeschlagene Industrieunternehmen und war maßgeblich an der außergerichtliche Sanierung der Kölner Klöckner-Humboldt-Deutz-AG beteiligt. Er machte sich bei der Insolvenz von Philipp Holzmann einen Namen. 1999 rückte er in den Vorstand des angeschlagenen Baukonzerns auf.
Görg wird die Insolvenz aber nicht alleine stemmen. Experten gehen davon aus, dass bis zu 20 Anwälte der Kanzlei involviert sein werden. Die Kanzlei Görgs beschäftigt 150 Anwälte an den fünf Standorten Berlin, Essen, Frankfurt am Main, Köln und München.
Betroffen sind von der Insolvenz laut Unternehmen insgesamt rund 43.000 Mitarbeiter. Alle Geschäftsbetriebe liefen weiter. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte den Beschäftigten Unterstützung zu.Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) werde sich schnell mit den Personalvertretungen an einen Tisch setzen, kündigte Merkel an. Sie sah in dem Antrag von Arcandor auch eine Chance, dass in dem Unternehmen durch ein Zusammengehen mit dem Metro-Konzern Beschäftigung erhalten werden könne.
Zuvor waren Anträge auf eine Staatsbürgschaft sowie auf eine staatliche Rettungsbeihilfe ohne Erfolg geblieben. Auch ein in der Nacht zum Dienstag unternommener letzter Anlauf, Eigentümer, Banken und Vermieter zu einem größeren Rettungsbeitrag zu überreden, war gescheitert.
Die Verhandlungen zwischen dem Metro-Konzern und Arcandor über eine Zusammenführung der Warenhäuser Karstadt und Kaufhof werden wohl weitergeführt. Der Metro-Konzern hatte bereits am Montagabend Gesprächsbereitschaft auch im Falle einer Insolvenz erklärt. Das Konzept funktioniere auch mit einer insolventen Karstadt-Kette, hieß es aus Unternehmenskreisen. Metro hatte bisher vorgeschlagen, 60 der 90 Karstadt-Häuser zu erhalten.
Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick droht weiterer Ärger: Die Staatsanwaltschaft Essen hat Ermittlungen gegen ihn eingeleitet. Der Vorwurf laute Insolvenzverschleppung, sagte Oberstaatsanwältin Angelika Matthiesen. Grundlage sei die Strafanzeige eines Privatmannes. Dieser stütze seinen Vorwurf auf Zeitungsberichte.
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