1. Juni
Drei Berliner sterben in Air-France-Maschine
Montag, 28. Dezember 2009 15:29Nach dem Absturz einer Air-France-Maschine vom 1. Juni haben Luftwaffen-Piloten Wrackteile des Unglücksflugzeugs im Atlantik gesichtet. Hoffnung auf Überlebende gibt es damit nicht mehr. Sechs der 228 Passagiere wollten nach Berlin weiterfliegen - darunter drei Berliner und ein Potsdamer.
Bei der abgestürzten Air-France-Maschine gibt es keine Hoffnung mehr auf Überlebende. Die brasilianische Luftwaffe hat am Dienstag auf der Route des Todesjets 650 Kilometer nordöstlich der zu Brasilien gehörenden Insel Fernando Wrackteile entdeckt. Und wenig später bestätigte die brasilianische Regierung, dass sie von dem bis dahin verschollenen Airbus stammen. Daran gebe es „keinen Zweifel“, erklärte der brasilianische Verteidigungsminister Nelson Jobim.
Vier Opfer stammen aus der Region Berlin-Brandenburg
Insgesamt 26 Deutsche sind vermutlich unter den Opfern. Sechs der 228 Passagiere wollten nach Berlin weiterfliegen. Unter ihnen befand sich mit großer Wahrscheinlichkeit der Potsdamer Architekt Moritz Kock. Der Experte hatte sich im Auftrag der Stadtwerke Potsdam mit seinem international renommierten brasilianischen Kollegen Oscar Niemeyer getroffen. Bei dem Gespräch ging es darum, die an Verfahrensfragen gescheiterten Pläne Niemeyers für ein Freizeitbad in Potsdam möglicherweise an einem anderen Standort in der Stadt umzusetzen. Stadtwerke-Geschäftsführer Peter Paffhausen sagte Morgenpost Online, dass der Kontakt zu Kock abgerissen sei. „Jetzt springt nur noch sofort seine Mailbox an“, so Paffhausen. Seines Wissens sei der Flug AF 447 der einzige gewesen, der für Kock in Frage kam.
An Bord war auch die Berliner Rechtswissenschaftlerin Júlia Chaves Miranda Schmid, die in verschiedenen Wirtschaftskanzleien in Deutschland und Brasilien gearbeitet hat.

Mit an Bord war zudem der 26 Jahre alte Alexander C. aus Zehlendorf, der offenbar eine Reise in dem Land unternommen hatte. Der frühere Absolvent der J.F.-Kennedy-Schule studierte Jura in Hamburg. Sein Vater wurde noch am Montagabend von Air-France benachrichtigt, dass der Sohn unter den Vermissten sei.
Acht Passagiere wollten nach München und Nürnberg
Sicher ist, dass zu den Opfern eine fünfköpfige Familie aus Fellbach in Baden-Württemberg zählt. Ein Ehepaar, seine zwei erwachsenen Töchter sowie eine Enkelin sind in der Maschine gewesen. Insgesamt hatten elf Passagiere Stuttgart als Ziel. Das bayerische Landeskriminalamt bestätigte, dass acht Passagiere einen Flug nach München und einer einen Flug nach Nürnberg gebucht haben. Auch nach Hamburg und Düsseldorf sollten Passagiere weiterreisen. Ein Vorstandsmitglied der ThyssenKrupp Steel AG, Erich Heine, befand sich im Flugzeug.
Passagiere aus 32 Ländern
Der Airbus 330 war in der Nacht zum Montag um 0.03 Uhr MEZ am internationalen Flughafen von Rio de Janeiro gestartet. Um 2.33 Uhr hatte die brasilianische Flugüberwachung den letzten planmäßigen Kontakt mit der Maschine. Um 2.48 Uhr verließ der Airbus den brasilianischen Luftraum und flog offenbar gegen drei Uhr in ein Unwettergebiet. Um 3.14 Uhr sandte die Maschine ein Dutzend automatischer Fehlerwarnungen. Seither fehlte von dem Flugzeug jede Spur.
Insgesamt waren an Bord des 2005 in Dienst gestellten Airbus' Passagiere aus 32 Ländern. Das brasilianische Luftfahrtministerium hatte am Dienstag damit begonnen, mit der Erlaubnis der Angehörigen die Namen einiger der Passagiere zu veröffentlichen. Eine komplette Liste wird es jedoch nicht geben. Demnach haben sich unter den Passagieren neben dem Südamerika-Chef des Reifenherstellers Michelin, Luiz Roberte Anastácio, und zwei weiteren Angestellten des Konzerns auch die seit sechs Jahren in Deutschland lebende Musicalsängerin Juliana de Aquino befunden. Aquino war 2001 nach Deutschland ausgewandert, dort sang sie zunächst im Hamburger Musical „Lion King“, zuletzt hatte sie ein Engagement beim Musical „Wicked“ in Stuttgart.
Brasilianischer Kronprinz an Bord
Auch Kronprinz Pedro Luiz der Kaiserlichen Familie Orleans e Bragança steht auf der Passagierliste. Pedro Luiz war ein direkter Nachfahre des zweiten brasilianischen Kaisers Dom Pedro II. Nach Angaben des Kaiserlichen Hauses studierte der Prinz in Europa Wirtschaftswissenschaften und befand sich auf der Heimreise nach Luxemburg.
Neben einem leitenden Ingenieur der brasilianischen Ölfirma Petrobras und dem ehemaligen Dirigenten des brasilianischen Sinfonieorchesters steht auch der Name des Kabinettchefs des amtierenden Bürgermeisters von Rio de Janeiro auf der Opferliste. Marcelo Parente Gomes de Oliveira arbeitet seit 16 Jahren für Bürgermeister Eduardo Paes. Der 38-Jährige hatte die Reise gemeinsam mit seiner Frau angetreten. Paes ordnete für die kommenden drei Tage Staatstrauer für Rio de Janeiro an.
Reisepass als Lebensretter
Besonders viel Glück hatte der 37-jährige João Marcelo Calaça. Nur Stunden vor dem Abflug stellte die Bodencrew fest, dass sein Reisepass seit zwei Monaten abgelaufen war und verweigerte ihm das Boarding. „Ich hätte darauf bestehen können und irgendwie versuchen können, mir den Weg ins Flugzeug zu erkämpfen. Aber irgendwie hatte ich so ein Gefühl, dass ich einfach die Reise zu diesem Zeitpunkt nicht antreten sollte“, sagte der Justizlaborant der Zeitung „O Globo“. Mit dieser Entscheidung rettete er nicht nur sein Leben, sondern auch das eines Freundes aus den USA, der spontan entschied, den Flug auch nicht anzutreten, wenn Calaça nicht mitreisen konnte.
BMO/WON/sei/apä/caro
Erschienen am 03.06.2009





















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