Sex mit dem Supermarkt-Kassierer
Dienstag, 10. Juni 2008 07:26 - Von Oda Albers und Matthias HeineHimmelbett und Geld. Liebe und Schönheit. Wir träumen von einem Leben, das uns glücklich macht - immer.
Sie
Himmelbett und Geld. Liebe und Schönheit. Wir träumen von einem Leben, das uns glücklich macht - immer. Und deshalb träumen wir auch von Männern, die uns glücklich machen wollen - irgendwie. Wie das geht? Fangen wir mal mit den kleinen, leichten Sachen an: Wir alle wollen Komplimente und Geschenke kriegen. Für meine Freundin Anne dürfen es selbst geschriebene Lieder sein, gespielt auf dem Rücksitz eines schwarzen 1967er Chevrolet. Männer, die das nicht können oder neue Autos fahren, fallen durch. Beim Friseur lernte ich neulich eine kennen, Nicole, und sie steht ernsthaft auf Baccara-Rosen, sagte sie. Dazu einen Douglas-Duft "und eine SMS mit: HASE, ICH LIEBE DICH!, das wäre was." Und ich? Ja, ich will morgens kleine Briefchen vorfinden. Botschaften über Einzigartigkeit, hübsch geschrieben und ehrlich und schön.
Natürlich träumen wir auch alle von Sex und natürlich wollen Männern immer wissen: Wovon denn so genau? Ich glaube, es wird euch gar nichts bringen. Von meinen Freundinnen weiß ich nämlich, daß sie meistens von Dingen träumen, die sie gar nicht wirklich wollen. Fremdgehen zum Beispiel. Pia träumt beim Sex mit ihrem Freund Marc, daß sie mit dem Kassierer vom EDEKA schläft. Marie sagt, im Traum hat sie Sex mit mehreren Männern, im Leben würde sie das nicht wollen. Nur Anne weiß, was sie will: immer oben liegen, aber sie sagt es nicht. "Muß er merken", sagt sie, tut er aber nicht. Deshalb bleibt es auch Annes Traum, aber nur Annes. Nicole vom Friseur habe ich zwar nicht danach gefragt, aber ich vermute, solche Frauen liegen ganz gern unten ... Und wir träumen - wie alle - von den Dingen, die wir gerade nicht haben. Im Sommer will Pia einen kleinen Po im Bikini, im Herbst einen runden Po für die Jeans, im Winter einen ovalen Po fürs Abendkleid und im Frühjahr am liebsten gar keinen Po, "weil der ja wohl sooo riesig ist, seit Weihnachten!"
Manchmal träumt sogar die gleiche Frau von absolut gegensätzlichen Dingen innerhalb von drei Tagen: Ich wollte eines Dienstags nie wieder arbeiten müssen, nur noch Gardinen aussuchen, Nägel feilen und baden. Und dann, am Freitag, spürte ich, was ich wirklich will: Erfolg, Ruhm, Macht - das ist Glück, ganz einfach! Und Pia hat mir neulich erklärt, sie träume von der großen Veränderung - einem neuen Job in einer neuen Stadt, vielleicht noch einmal studieren ... Als wir eine Woche später telefonierten, fragte ich, was die Pläne machen - sie hatte diesen großen Traum tatsächlich schon vergessen!
Unsere Träume sind wie unser Humor, wie unsere Haut oder die Haare - sehr verschieden. Nur eins wollen wir alle: Daß ihr Männer uns diese Träume von den Lippen ablest, unsere Gefühle ahnt, aber keinesfalls wollen wir einen, der immer alles versteht!
Ja, es ist kompliziert, aber bitte gebt niemals auf - wir träumen schließlich davon, daß ihr uns liebt! Und davon, ein Geheimnis für euch zu sein. Unergründlich, voller Tiefen, undurchschaubar, unfaßbar begehrenswert - möglichst immer, irgendwie.
Er
Wovon träumen Männer? Träumen richtige Männer überhaupt? "Träumen" klingt ja schon ein bißchen weichlich, so als würde man sich demnächst ein Prinzessinnenkleid anziehen. Na klar träumen sie. Aber sie träumen nicht soviel von Frauen, wie alle Medienlügen, egal ob eher sexistisch oder eher romantisch, euch weismachen wollen. Ich jedenfalls tagträume weitaus häufiger davon, das entscheidende Endspieltor gegen Brasilien zu erzielen als vom Gruppensex oder so. Zugegeben: Die allerschönsten Träume sind die vom Siegtor gegen Brasilien, das mit endlosem Gruppensex belohnt wird.
Vor allem aber träumt jeder Mann, genau wie jede Frau, etwas ganz anderes. Mit 15 träumen sie von älteren Frauen, mit 55 eher von jüngeren. Mit 20 träumen sie davon, siebenmal pro Nacht zu können. Mit 40 eher davon, eine Frau zu treffen, die auch nach sieben Jahren noch begehrenswert ist. Und manchmal sind sie auch überrascht von ihren Träumen. Ich hatte mal eine Kollegin, die mir tagsüber auf den Wecker ging. Um so erschrockener war ich, als ich eines Tages davon träumte, mit ihr zu schlafen. Es war kein netter Sex, sondern eher ein aggressives Demütigungsritual, nach dem Motto "Da hast du's, Schlampe!" Es machte aber einen Heidenspaß, und gerade deshalb habe ich mich nach dem Aufwachen ungefähr so geschämt, als hätte ich es mit meiner Mutter oder mit Marcel Reich-Ranicki getrieben.
Generell wünschen sich Männer vor allem, daß Sex ein bißchen unkomplizierter sein könnte. Nicht so ganz ohne Geheimnis wie sich das irgendwelche sexualkommunistischen Reformer im letzten Jahrhundert vorgestellt haben, die von der "Gemeinschaft der Weiber" faselten. Aber manchmal wäre es doch sehr schön, wenn nicht immer so viele außersexuelle Gründe dagegen sprechen würden, mit einer Frau, die man mag, einfach so mal ins Bett zu gehen. Apropos "mit einer Frau": Darf's auch etwas mehr sein? Aber gern. Eine der populärsten Männerträume ist nach wie vor die ménage à trois. Mit nichts kann man sein gesellschaftliches Ansehen mehr steigern, als mit der scheinbescheidenen Andeutung, man hätte mal, aber es sei totaler Streß gewesen.
Aber wenn die letzte Pornoheftphantasie wahr geworden ist, dann träumen wir natürlich alle vom unfaßbaren Glück, die Liebe durch den Alltag retten zu können. Dann wünschen wir uns Frauen, die nicht meckern, wenn während der WM mal Freunde zum Fernsehen kommen, die sie nicht mögen. Frauen, die nicht jedesmal das Gesicht verziehen, wenn wir unsere Grateful-Dead-Platte aus dem Jahre 1971 (oder irgendein anderes schrulliges Männermusikding) laut hören, obwohl sie gerade in der Nähe ist. Frauen, die nicht erwarten, daß wir ihre SMSen beantworten. Und Frauen, die uns nicht dauernd sagen, was wir für häßliche Lampen haben. Also solche, die sich weise damit abfinden, daß Männer Käuze sind und uns trotzdem lieben.






















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