"Ich hoffe, dass die Kunst die Politik verändern kann"
Dienstag, 10. Juni 2008 02:02Berliner Illustrirte Zeitung: Sie porträtieren normale Menschen: Taxifahrer, Lehrer, Priester.
Berliner Illustrirte Zeitung: Sie porträtieren normale Menschen: Taxifahrer, Lehrer, Priester. Was wollen Sie mit den Bildern sagen?
JR: Ich möchte einfach nur Gesichter zeigen. Zeigen, dass es schwer zu sehen ist, wer eigentlich Israli ist und wer Palästinenser.
Können Sie erzählen, wie Sie auf die Idee kamen?
Nein. Ich kann mich nicht daran erinnern. Ich saß mit Freunden beim Abendessen. Wir sprachen über Kunst, Mauern und Konflikte. Auf der anderen Seite des Tisches saß ein Freund und sprach über den Nahost-Konflikt und Lösungsstrategien. Ich weiß nicht, wie wir dann genau auf die Idee kamen, aber um zwei Uhr nachts planten wir schon die größte illegale Ausstellung aller Zeiten.
Sie hatten keine eine Erlaubnis?
Nein. Wir dachten, dass öffentliche Unterstützung mehr wert ist, als jedes offizielle Dokument.
Wie lief es mit den israelischen Behörden? Haben sie sich in den Weg gestellt?
Sie nahmen uns natürlich fest. Das ist ihr Job. Aber sie sind auch Menschen. Sie haben uns verstanden.
Wo haben Sie die Menschen, die Sie fotografiert haben, eigentlich aufgetrieben?
Überall. Wenn wir einen Koch brauchten, gingen wir in ein Restaurant, wenn dir einen Lehrer brauchten, suchten wir in Schulen.
Wie überzeugten Sie die Models? Waren die nicht skeptisch?
Die meisten sagten zunächst "Nein". Aber sobald sie verstanden hatten, dass wir sie brauchen, dass es um etwas geht, akzeptierten sie das Risiko, überlebensgroß an eine Wand plakatiert zu werden.
Erzählen Sie eine lustige Anekdote von den Shootings.
Jerusalem. Ein israelischer Taxifahrer spricht hebräisch. Wir verstehen ihn nicht. Er stoppt einen israelischen Araber, der seine Worte ins Arabische übersetzt, für Mars, unseren palästinensischen Freund, der uns dann in Englisch erklärt, was der Taxifahrer sagt. Die palästinensische Form von "Stille Post"...
Haben die Modelle Geld bekommen?
Wir haben niemanden bezahlt. Alle Modelle haben umsonst posiert und unsere Freunde haben ihre Ferien auf einer Leiter verbracht, und Plakate geklebt - alle wollten ein Teil dieses Abenteuers sein. Danke an David, Youssef, Ouriel, Wattan, Prune...
Warum eigentlich Grimassen? Reicht nicht ein Lächeln?
Nein. Ein Lächeln ist falsch. Wir arbeiten nicht für das Touristenbüro. Wir wollten, dass die Menschen ihre Ängste, ihre Freude, ihren Ärger zeigen. Ein Lächeln sagt nur: Da steht ein Fotograf vor mir.
Gibt es Unterschiede im Humor der beiden Kulturen?
Der Humor ist schon unterschiedlich. Aber auf beiden Seiten fanden wir eine überraschende Mischung aus "Tränen und Lachen".
Kann Kunst die Welt verändern?
Kunst kann unsere Art ändern, die Dinge zu sehen. "Unsere" Palästinenser sahen "unsere" Israelis und sie haben für einen Moment etwas geteilt: ein Spiel. Oder einen Traum. Ein kleiner Schritt zu beiderseitigem Verständnis. Ich hoffe, dass die Kunst die Politik verändern kann. Als wir unser Projekt Kennern des Nahost-Konflikts vorgestellt haben, sagten alle, dass es unmöglich ist, dass die israelische Armee uns verhaften wird, dass Terroristen uns entführen werden. Nichts davon passierte. Ganz im Gegenteil: Es gab eine Diskussion über den Frieden.
Stimmt es, dass Sie Ihre erste Kamera in der U-Bahn gefunden haben? Haben Sie nicht überlegt, sie zum Fundbüro zu bringen?
Nein. Der Mann, der seine Kamera verloren hat, hat sich nicht um seine Kamera gekümmert. Ich würde nie meine Kamera verlieren.
Warum stellen Sie jetzt in Berlin aus?
Berlin und Jerusalem. Zwei Städte mit Ost und West. Zwei Orte, an denen Brüder getrennt hinten Mauern leben oder lebten. Zwei Städte, die das Schlimmste und das Beste erlebt haben. Und Berlin ist inzwischen eine wichtige Stadt in der europäischen Kunstszene, der perfekte Ort, um über die Bedeutung von Kunst nachzudenken.
Sie mögen Berlin, nicht wahr?
Ich liebe Berlin. Berlin ist keine normale Stadt. Manche Menschen haben die Nazis und die Kommunisten erlebt. Berlin ist was Besonderes.






















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