Berlin

Milliarden für Integration und bessere Bildung

Bundesregierung will Flüchtlingskinder unterstützen. Noch immer entscheidet Herkunft über Zukunft

Berlin.  Für die Ausbildung der im vergangenen Jahr nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge veranschlagen Regierungsexperten Ausgaben von bis zu drei Milliarden Euro pro Jahr. Damit sollen die Perspektiven vor allem von Flüchtlingskindern, die überdurchschnittlich häufig zu den Verlierern im Schulwesen zählen, verbessert werden.

Sollten 60 Prozent der Flüchtlinge dauerhaft bleiben, würden 2,2 Milliarden Euro für Kindergärten, Schulen und Berufsausbildung fällig, sagte der Pädagoge Kai Maaz, Sprecher der für den Bericht verantwortlichen Autorengruppe, am Donnerstag bei der Vorstellung des Bildungsberichts 2016 der Bundesregierung. Sollten 80 Prozent in Deutschland bleiben, würden sich die Kosten auf drei Milliarden Euro erhöhen. 2015 waren rund 1,1 Millionen Asylbewerber nach Deutschland gekommen. Die meisten von ihnen sind jünger als 25 Jahre.

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) verwies darauf, dass laut Bildungsbericht der Abstand zwischen Schülern mit und ohne Migrationshintergrund in den vergangenen Jahren abgenommen habe. Mit Blick auf die Flüchtlinge kündigte sie an, die Maßnahmen zur Integration würden ausgebaut. "Das Thema Integration erhält durch die Zuwanderung nach Deutschland eine neue Dimension. Sie kann und wird unsere Gesellschaft bereichern, wenn es uns gelingt, diejenigen, die zu uns kommen und bleiben werden, rasch zu integrieren."

Ökonomen sind sich uneins, welche Wirkung die Investitionen haben. Manche Volkswirte verweisen darauf, dass die Ausgaben eine Art Konjunkturprogramm seien, weil die zugezogenen Menschen ebenso konsumierten und als Arbeitskräfte auch Steuern zahlten. Andere Experten sehen dies skeptisch und erwarten, dass eine Mehrheit der Immigranten nur gering ausgebildet werde und in der Arbeitslosigkeit lande.

Der Studie zufolge erlangen ausländische Jugendliche mehr als doppelt so häufig wie ihre deutschen Mitschüler keinen Hauptschulabschluss. Dreimal seltener als Deutsche schaffen sie die Hochschulreife. Auch in der Berufsausbildung ist die Abbrecherquote 50 Prozent größer als die der Deutschen.

Fakten, die Aydan Özoguz, Bundesbeauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration, beunruhigen: "Das zeigt uns: Es gelingt im deutschen Bildungssystem weiterhin zu wenig, die Verknüpfung zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg zu überwinden." Sie forderte drei Maßnahmen zur Verbesserung der Situation: Einen höheren Anteil von Lehrern mit Migrationshintergrund, eine Überprüfung der bisherigen Maßnahmen und eine gezielte Sprachförderung. Letztere sehen auch die Autoren des Bildungsberichts als Schlüsselqualifikation für eine erfolgreiche Schulkarriere. Deswegen spiele Sprachunterricht in der frühkindlichen Bildung eine zentrale Rolle.

Positiv sei, dass immer mehr Kinder mit Migrationshintergrund eine Kindertagesstätte besuchen. Der Pädagoge und Autor des Berichts, Kai Maaz, warnte jedoch vor anhaltenden Strukturproblemen durch soziale Ungleichheit: "Der Zugang zu Bildung erfolgt nach wie vor unter sehr unterschiedlichen Voraussetzungen."

Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) sagte der Berliner Morgenpost: "Mit den Qualitätsverbesserungen in der Kita, mit der Kita-Beitragsfreiheit oder mit der Ausweitung des Bonusprogramms für Brennpunktschulen haben wir wichtige Schritte zu mehr Chancengerechtigkeit gemacht."

Die Wissenschaftler vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung stellen in ihrem Bericht fest, dass der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund an der Gesamtbevölkerung in den Jahren 2005 bis 2013 relativ konstant bei rund 20 Prozent geblieben ist. Bei unter Zehnjährigen beträgt ihr Anteil 35 Prozent, bei den 10- bis 20-Jährigen 30 Prozent. Seiten 2 und 3

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