Zwölf Stunden

Ein Stück Italien in Berlin

Schloss Glienicke wurde großzügig mit mediterranem Flair gestaltet. Ein großes Team hält die historischen Gebäude und blühenden Lenné-Gärten in Schuss

Schlossherrin Susanne Fontaine ist die Vertreterin der Stiftung vor Ort und für den gesamten Schlossbetrieb zuständig

Schlossherrin Susanne Fontaine ist die Vertreterin der Stiftung vor Ort und für den gesamten Schlossbetrieb zuständig

Foto: Massimo Rodari

06:00 Wachmann Jürg Neitzel löst seinen Kollegen von der Nachtschicht im Schloss Glienicke ab. Seine vordringliche Aufgabe ist der Objektschutz. Aber Neitzel unterstützt auch alle anderen Mitarbeiter im Haus. Etwa eine der beiden Schlossführerinnen. "Wenn deren Gruppen bei einer Führung zu groß sind, laufe ich mit", sagt er. Er sorgt dann dafür, dass keiner der historischen Schätze durch eine Unachtsamkeit von Besuchern zu Schaden kommt. Nennenswerte Vorkommnisse hat der Wachmann noch nicht erlebt. "Manchmal klettern Pärchen oder Abenteuerlustige nachts über die Mauer, um im Pleasureground spazieren zu gehen oder am Casino zu picknicken", erzählt er. Verhaftet wird dann allerdings niemand. Lediglich zurechtgewiesen. Fälle von Vandalismus hat Neitzel glücklicherweise noch nicht erlebt.

08:40 Auch in einem Schloss muss die Heizungsanlage gewartet werden. Deshalb ist Hausmeister Thomas Paschke heute immer wieder in den Kellerräumen anzutreffen, um die Fortschritte der Arbeiten zu überprüfen. Alles, was in den Bereich Ordnung und Sauberkeit, Wartung und Instandhaltung fällt, ist sein Ressort. Im Schloss, dem Casino und in der Orangerie. Wenn etwas defekt ist, kennt Paschke die Lösung. Darüber hinaus kontrolliert er regelmäßig die Klimageräte in den Ausstellungsräumen oder kümmert sich um die Bestuhlung bei den hochkarätigen Klassik-Konzerten im Schloss.

10:20 Orangeriegärtner Dennis Weiß hat wie jeden Tag zuallererst die Blumen in den Kübeln gegossen. Zuständig für alles Blühende gehört die Aufmerksamkeit des gelernten Zierpflanzengärtners dieser Tage Frühblühern wie Vergissmeinnicht, Stiefmütterchen und Gemswurz. Gemeinsam bepflanzt er nun mit seinen Kollegen die Beete im Park. "Ihre Muster sind durch eingelassene Metallbänder vorgegeben", erklärt er die wunderschönen Blumenornamente. Die Bepflanzung einer solchen Rabatte kann schon mal einen ganzen Tag dauern. Kein Wunder bei 1060 Pflanzen am Rand und 400 in der Mitte. Falls die Pflanzen Schaden nehmen, etwa durch Nachtfrost oder Pilzbefall, ist für Ersatz gesorgt. In Beeten neben der Orangerie ziehen die Gärtner alle Zierpflanzen selbst. In bester Qualität.

12:10 Auf der anderen Seite der Orangerie ist Grit Onnen auf Stippvisite im Park. Sie arbeitet für die Marketing-Abteilung der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten und organisiert die Vermietung und Durchführung von Veranstaltungen wie Hochzeiten, Tagungen und Feiern in den nicht-musealen Bereichen. Neben den Eintrittsgeldern eine wichtige Einnahmequelle für die Stiftung. Schloss Glienicke, mit dem sich Prinz Carl von Preußen seinen Traum von Italien in Berlin verwirklichte, ist dafür eine Top-Adresse. Das Schloss wurde ab 1822 vom Architekten Karl Friedrich Schinkel komplett mit mediterranem Flair neu gestaltet und um eigene Entwürfe ergänzt. Heute steht eine Event-Probe an und Grit Onnen überprüft den Aufbau für ein Edel-Picknick auf der idyllischen Wiese. "Wir haben eine ganze Bandbreite von Veranstaltungen vom gemütlichen Kaffeeumtrunk über die gediegene kleine Hochzeitsgesellschaft bis zu High-Class-Feiern", sagt sie.

13:50 Annette und Jürgen Holtmann flanieren durch den Pleasureground des gut 90 Hektar großen Glienicker Parks und genießen dabei nicht nur das zarte Frühlingsgrün der Bäume. Der ab 1816 vom preußischen Gartenbaukünstler Peter Josef Lenné geschaffene Pleasureground ist ein Meisterwerk mit Wasserspielen, plastischen Kunstwerke und atemberaubenden Beeten. Seit 1990 gehören Schloss und Park als harmonisches Gesamtkunstwerk als Teil der Berlin-Potsdamer Kulturlandschaft zum Weltkulturerbe der Unesco.

14:15 Hoch oben auf der Hebebühne beschneidet Kerstin Knodel die Bäume. Die Landschaftsgärtnerin hat keine Angst vor schwerem Gerät wie Kettensägen. "Langeweile kommt bei diesem Park nicht auf", sagt sie. Mit ihren zwei Kollegen pflegt sie nicht nur die aufwendigen Blumenbeete und den Baumbestand, sondern auch die riesigen Rasenflächen sowie die Wege, die sorgsam mechanisch gereinigt werden. Natürlich versteht sich Kerstin Knodel aber auch bestens auf die filigrane Kunst ihres Handwerks. Zum Jubiläum "Peter Joseph Lenné 2016 – 200 Jahre Schlosspark Glienicke" hat sie einen Lorbeerkranz für die Lenné-Büste im Hofgärtnermuseum des Schlosses geflochten. Jedes der 58 sorgsam verdrahteten vergoldeten Blätter steht für einen der Gärten, die Lenné gestaltet hat.

15:45 Barbara Feldt, eine der beiden Schlossführerinnen, lädt die Besucher bis zu fünf mal am Tag zu einem Rundgang durch das Schloss Glienicke ein. Ihre Führung beginnt im Gartenhof an der Rückseite des hufeisenförmigen Schlosses. Der strahlt mit seiner Pergola, den dekorativen Antiken an den Wänden, Brunnen und dem benachbarten Kavalierflügel mit Turm eine südländische Atmosphäre aus. Schwerpunkt des Rundgangs sind die von Schinkel edel möblierten Wohnräumen von Prinz Carl. "Der war eine schillernde Persönlichkeit, der wildeste unter seinen Brüdern. Seine Mutter Königin Luise fand, er sei der schönste ihrer Söhne", erzählt Barbara Feldt.

16:30 Egal, ob das Telefon klingelt und die Besucher neben Eintrittskarten auch noch eine kurze Auskunft benötigen, Marlies Reißig bleibt auch am späteren Nachmittag stets ruhig und freundlich. Die Kassiererin für das Schloss und die Parkführungen ist zudem für den kleinen Museumsshop verantwortlich. "Unser Schwerpunkt liegt natürlich auf Lenné und Schinkel", sagt sie. Mittlerweile hat sie sich selbst Fachwissen angelesen, damit sie versiert auf Fragen der Besucher antworten kann.

18:10 Bei Schlossbereichsleiterin Susanne Fontaine laufen alle Fäden zusammen. Als Vertreterin der Stiftung vor Ort ist sie für den gesamten Schlossbetrieb zuständig, arbeitet unter anderem mit der Baudenkmalpflege, der Gartenabteilung und dem Marketing eng zusammen. Das Lenné-Jahr hat sie vor eine ganz besondere Herausforderung gestellt: Da das Gemäldeporträt des Gartenarchitekten momentan an seine Geburtsstadt Bonn ausgeliehen ist, musste sich Susanne Fontaine nach einem adäquaten Ersatz umschauen. Fündig wurde sie in der Skulpturensammlung der Schlösserstiftung mit der jetzt würdig bekränzten Büste. Es bleibt aber noch viel zu organisieren, denn Lenné wird mit vielen speziellen Führungen gewürdigt sowie dem Film "Glienicke, mein Augapfel", der am 7. Juni im Schloss Premiere feiert. Kein Wunder also, dass Susanne Fontaine 2016 nur selten pünktlich um 18 Uhr Feierabend machen kann. Ein Ausgleich dafür ist einer der schönsten Arbeitsorte der Stadt.

Schloss & Park Glienicke Königstraße 36, Wannsee, Tel. 0331-969 42 00. Öffnungszeiten Schloss April-Oktober, Di.-So. 10-18 Uhr, Infos im Internet www.spsg.de/schloesser-gaerten/objekt/park-glienicke/

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