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Verborgener Arbeitsmarkt

Die Arbeitsstelle, die zu mir passt - wie finde ich sie? Nicht, in dem ich nur Stellenanzeigen lese oder auf das Angebot vom Arbeitsamt warte - viel eher dadurch, dass ich meine eigenen Fähigkeiten genau kennenlerne.

Die Arbeitsstelle, die zu mir passt - wie finde ich sie? Nicht, in dem ich nur Stellenanzeigen lese oder auf das Angebot vom Arbeitsamt warte - viel eher dadurch, dass ich meine eigenen Fähigkeiten genau kennenlerne. Wer sich klar gemacht hat, welchen Reichtum er als Persönlichkeit in eine Arbeit einbringt, der kann Chancen anders wahrnehmen und neue Wege finden, um einen Job zu bekommen.

Von dieser Annahme geht eine amerikanische Trainingsmethode aus. Sie heißt Life/Work-Planning. Nicht der Arbeitgeber, der Arbeitsmarkt oder die Beschäftigungsprognosen stehen im Mittelpunkt, sondern der arbeitsuchende Mensch. Eine weitere Annahme: Es sind viel mehr Arbeitsplätze zu haben, als es den meisten Menschen bewusst ist, denn die Mehrheit aller freien Stellen wird nicht ausgeschrieben. Das Training Life/Work-Planning soll helfen, dieses Potenzial anzuzapfen. "Wege in den verborgenen Arbeitsmarkt" heißt denn auch der Untertitel des mehrwöchigen Seminars, das Bewerbungstrainer John Webb von der Uni Münster im Februar an der Freien Universität Berlin anbietet. Seit 1990 leitet er Kurse für Life/Work-Planning in Deutschland, Frankreich, der Schweiz und den USA. Seit 2000 auch an der FU in Dahlem.

Dort ist Georg Schumacher Mitarbeiter im Weiterbildungszentrum. Von den Kursen berichtet er: "Wer teilnimmt, muss raus in einen Betrieb, und zwar ohne Voranmeldung, nur mit Bleistift und Papier ausgerüstet." Auch wenn kein Termin mit dem Personalchef oder Geschäftsführer vereinbart wurde: "Es ist erstaunlich, wie weit die Leute kommen und auf wie viel Interesse sie stoßen."

Unter den Teilnehmern seien Menschen, die einen Job haben, aber einen interessanteren Beruf suchen, sagt Schumacher. Aber auch Arbeitssuchende und Studenten, die vor dem Abschluss stehen, sind dabei. Jeder entwickelt im Training eine Art Marketingkampagne für die eigene Person. Anhand ausführlicher biografischer Bögen analysiert man das eigene berufliche Können. Dabei geht es nicht so sehr darum, was man besser kann als andere, sondern mehr um die Frage: "Welche Art von Leistungen erbringe ich gern?" Zu welchen Ergebnissen das Verfahren führen kann, darüber berichten Kursteilnehmer des Life/Work-Planning auf der Internetseite www.learn-line.nrw.de.

Ein Lehrer aus Oldenburg erzählt, er habe von konventionellen Bewerbungsverfahren "die Nase voll" gehabt. Life/Work-Planning habe ihn gelehrt, selbst aktiv zu werden und Gespräche zu initiieren, statt auf die Einladung zum Vorstellungsgespräch zu warten. "Das Entscheidende, was ich aus dem Seminar gezogen habe, war die Energie, wirklich zu den Arbeitgebern hin zu gehen", sagt ein Psychologe. "Bevor ein "echtes' Vorstellungsgespräch stattfindet." Das hätte er vorher nie gemacht.



Erschienen am 30.01.2007

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