Deutschland braucht jetzt ...
Thomas Straubhaar will ein Superministerium
In einer neuen täglichen Morgenpost-Online-Rubrik erklären Prominente, was Deutschland nach der Wahl unbedingt benötigt. Thomas Straubhaar hegt den Wunsch nach einem neuen Superministerium, dem Bundesministerium für Zukunftsfragen. Dieses solle bei allen Entscheidungen der übrigen Ministerien konsultiert werden.
Noch mehr als alles andere – also mehr als eine große Steuerreform, mehr noch als eine Grundsanierung der Sozialsysteme und mehr als eine Mindestsicherung für alle statt eines Mindestlohns – erhoffe ich mir von der künftigen schwarz-gelben Bundesregierung die Schaffung eines neuen Superministeriums. Das Bundesministerium für Zukunftsfragen (BfZ) wäre ein Querschnittministerium. Wie beim Finanzierungsvorbehalt des Finanzministeriums müsste es bei allen Entscheidungen der übrigen Ministerien konsultiert werden. Nur wenn das BfZ attestiert, dass Beschlüsse der anderen Ressorts die Zukunftsfähigkeit Deutschlands nicht gefährden, dürfen sie umgesetzt werden.
Das BfZ sollte weit über das heutige Bundesministerium für Bildung und Forschung hinausgehen. Es dürfte auch nicht nur die großen und allen bekannten traditionellen Zukunftsthemen wie Klimawandel, erneuerbare Energien oder grüne Technologien bündeln. Das BfZ müsste vor allem die großen gesellschaftlichen Fragestellungen ins Bewusstsein der Öffentlichkeit bringen und langfristige Lösungskonzepte aufzeigen. Dazu gehören Herausforderungen einer schrumpfenden und alternden Gesellschaft. Dazu gehört die zunehmende Heterogenität, also die wachsende Vielfalt unterschiedlicher Verhaltensweisen, Lebensformen und Erwerbstätigkeiten.
Vor allem aber gehören die Themen Familien, Frauen, Jugend, Senioren, Migration und Integration dazu. Mit einem BfZ könnte verdeutlicht werden, dass es bei der Frage, wie sehr junge oder alte Menschen, Frauen oder Menschen mit einem Migrationshintergrund gleichberechtigte, gleichgestellte und gleich anerkannte Teile der Gesellschaft sind, nicht so sehr um soziale Fragen und auch nicht um individuelle Probleme der Betroffenen geht, die mit milden Gaben guten Willens zu überwinden sind.
Vielmehr würde klar werden, dass es bei einer besseren Nutzung brachliegender Potenziale von Senioren, Frauen und Einwanderern um die Zukunftsfähigkeit Deutschlands geht.
Thomas Straubhaar (52) ist Schweizer Staatsbürger und lebt seit 1992 in Deutschland. Er ist Professor der Universität Hamburg und Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI).
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