Flughafen BER

Erster Auftritt von BER-Chef Lütke Daldrup in Potsdam

Der neue Chef des Pannen-Flughafens BER stellt klar: "Jeder Monat kostet uns 13,5 Millionen Euro“.

BER-Chef Engelbert Lütke Daldrup (l) mit Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider

BER-Chef Engelbert Lütke Daldrup (l) mit Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider

Foto: Ralf Hirschberger / dpa

Kurze Sätze. Wohlüberlegte Antworten. Da saß einer, der sich nicht provozieren und schon gar nicht verunsichern lässt. Als der neue Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup am Montag das erste Mal mit den Abgeordneten des BER-Sonderausschusses des Brandenburger Landtags zusammentraf, war rasch klar: Dieser Flughafenchef kennt als bisheriger Staatssekretär in Berlin die parlamentarischen Gepflogenheiten. Im Gegensatz zu seinen drei Vorgängern. Der oppositionelle Grünen-Fraktionschef Axel Vogel sprach danach von einem "abgeklärten" Auftritt. Der Abgeordnete Christoph Schulze von den Freien Wählern bescheinigte dem "Neuen" an der Spitze der Flughafengesellschaft überraschend, er habe eine "gute Figur" gemacht.

Noch keine Übergabe durch Mühlenfeld

Der studierte 60-jährige Raumplaner und Städtebauer Lütke Daldrup ist erst wenige Tage im Amt. Auf Nachfrage eines Abgeordneten sagte er, es habe noch keine Übergabe durch seinen Vorgänger Karsten Mühlenfeld gegeben. Anfang März hatte der ehemalige Bombardier-Manager nach nur zwei Jahren im Amt auf Druck der Gesellschafter Berlin und dem Bund einen Aufhebungsvertrag geschlossen. Lütke Daldrup erhält nach einem Bericht von "Bild am Sonntag" rund 400.000 Euro Grundgehalt pro Jahr und damit rund 100.000 Euro weniger als sein Vorgänger.

Mit ihm wurde ein Dreijahresvertrag geschlossen. Die Gesellschaft arbeite weiter daran, einen realistisch belastbaren Zeitplan vorzulegen, stellte der neue Flughafenchef in Aussicht. Ziel sei es, die Inbetriebnahme des Airports BER in Schönefeld im Jahr 2018 zu erreichen. Der Bau ist nach Berechnungen der Flughafengesellschaft Ende Februar zu 87 Prozent vollendet gewesen. Im Januar habe die Quote noch bei 82 Prozent gelegen, sagte Lütke Daldrup. "Wir sind also ein bisschen vorangekommen." Voraussichtlich im Sommer werde ein weiterentwickelter Geschäftsplan vorgelegt.

Die Eröffnung des Hauptstadtflughafens war bereits fünf Mal verschoben worden

Die Frage nach den finanziellen Folgen der erneuten Verschiebung des zuletzt vorgesehenen Eröffnungstermins Ende dieses Jahres sei noch nicht zu beantworten. Lütke Daldrup betonte, dass die FBB liquide sei. Derzeit koste der BER die staatliche Flughafengesellschaft FBB jeden Monat 13,5 Millionen Euro. Die Kosten würden aber wieder sinken. "Wir erwarten, dass sich dieser Betrag bald auf unter 10 Millionen Euro vermindert", so der Flughafenchef. Bislang war über Kosten von bis zu einer Million Euro pro Tag spekuliert worden. Unklar blieb, ob in den jetzt genannten Zahlen etwa auch entgangene Gewinne mit berücksichtigt wurden. Die Eröffnung des Hauptstadtflughafens war bereits fünf Mal verschoben worden. Nach einem Gutachten wackelt auch das neue Ziel 2018.

Der frühere Flughafenchef Hartmut Mehdorn schockierte im März 2013 bei seinem ersten Auftritt vor dem BER-Sonderausschuss des Brandenburger Landtags damit, den Flughafen Tegel am liebsten offen halten zu wollen. Vier Jahre später ist die Diskussion um Tegel immer noch virulent. Beim Volksbegehren für die Offenhalt des Airports nach einer Eröffnung des BER sind bisher 198.000 Stimmen zusammengekommen, wie der Berliner FDP-Generalsekretär Sebastian Czaja am Montag bestätigte. Für einen Volksentscheid sind rund 174.000 gültige Unterschriften nötig.

Lütke Daldrup äußerte sich dazu zurückhaltend, aber dennoch deutlich. "Mir steht es nicht an, mich als Flughafengeschäftsführer zu Angelegenheiten eines Gesellschafters zu äußern", sagte der frühere Flughafenkoordinator des Berliner Senats. "Wenn man den Text des Volksbegehrens sieht, wird man sehen, welche Auswirkungen es haben wird." Er unterstrich, dass die Flughafengesellschaft ein "vitales Interesse an einem Single-Airport" habe. Darauf baue die gesamte Wirtschaftsplanung auf. Da der BER aufgrund der steigenden Passagierzahlen bei der Eröffnung zu klein sein werde, soll der Flughafen Schönefeld-Alt bis 2023 weiter betrieben werden.

Auch der neue Aufsichtsratsvorsitzende, Brandenburgs Flughafenkoordinator Rainer Bretschneider (SPD), machte deutlich, dass es zwei ablehnende Voten der Gesellschafter Berlin und Bund gegen einen Weiterbetrieb Tegels gebe. Der SPD-Abgeordnete Helmut Barthel hatte zuvor gefragt: "Haben sich die Gesellschafter mal Gedanken darüber gemacht, was passiert, wenn wir eine Situation wie am Wochenende in Paris haben – wie dann bei einem Single­-Airport die Hauptstadt aus der Luft erreichbar ist?" Der Schönefeld-Standort-Gegner Christoph Schulze von den Freien Wählern, regte an, zusammen mit Vertretern der übrigen Landtagsausschüsse bei der Neufassung des Landesentwicklungsplans darüber nachzudenken, "ob man wirklich bei einem Single-Airport bleiben wolle".

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