Pannenflughafen

BER-Gesellschafter suchen nach Ausweg aus der Führungskrise

Staatssekretär Lütke Daldrup könnte Flughafenchef werden. In diesem Fall würde Michael Müller seinen Aufsichtsratposten aufgeben.

Michael Müller (SPD) ist auch Aufsichtsratsvorsitzender der  Flughafengesellschaft

Michael Müller (SPD) ist auch Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafengesellschaft

Foto: dpa Picture-Alliance / Maurizio Gambarini / picture alliance / Maurizio Gamb

Vor der Fortsetzung der Flughafen-Aufsichtsratssitzung am Montag suchen die BER-Gesellschafter Berlin, Bund und Brandenburg fieberhaft nach einem Ausweg aus der Führungskrise. Nach Informationen der Morgenpost trafen sich am Freitag der Regierende Bürgermeister Michael Müller, Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (beide SPD) und Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). Die Frage war, wie es nach dem für Montag erwarteten Rauswurf des Flughafenchefs Karsten Mühlenfeld weitergehen soll.

Die Vertreter Brandenburgs hatten es bei der ohne Ergebnis unterbrochenen Aufsichtsratssitzung vom Mittwoch abgelehnt, der von Berlin vorgeschlagenen Variante zu folgen. Müller wollte seinen Flughafen-Staatssekretär Engelbert Lütke Daldrup kommissarisch zum Geschäftsführer machen. Der bisherige Aufsichtsrat sollte den von Mühlenfeld entlassenen Bauleiter Jörg Marks zurückholen und damit vor allem dessen Ingenieurteam auf der Baustelle halten.

In diesem Zusammenhang wurden auch die Folgen einer solchen Rochade erörtert. Müller machte klar, dass er nicht Vorsitzender des Aufsichtsrates bleiben wolle, wenn sein Vertrauter Lütke Daldrup Geschäftsführer würde. Weil er als Regierungschef aber auch unter dem Vorsitz eines Staatssekretärs nicht einfaches Mitglied sein könne, müsste er das Kontrollgremium dann wohl verlassen. Das Gleiche würde auch für die gerade bestellten Senatoren Klaus Lederer (Linke) und Dirk Behrendt (Grüne) gelten.

Dass es sich bei diesen Gedankenspielen um Rücktrittsdrohungen Müllers und Lederers gehandelt habe, wie verschiedentlich berichtet, wurde bestritten. "Das ist Quatsch", sagte ein Aufsichtsrat. Es hätte auch eines solchen Druckmittels nicht bedurft, um Mühlenfeld rauszuwerfen. Im Gremium gibt es dafür eine 16:4-Mehrheit gegen Brandenburg, weil auch die Arbeitnehmervertreter nicht mehr an Mühlenfeld glauben. In Berlin geht man nach juristischer Prüfung davon aus, dass Mühlenfeld seine Kompetenzen als Geschäftsführer überschritten habe, als er den Berater Christoph Bretschneider als Marks-Ersatz holte.

Ebenfalls wurden die unwahrscheinlichen Szenarien erörtert, in denen Mühlenfeld doch bliebe. Für diesen Fall müssten wiederum einige Aufsichtsräte ihren Platz räumen, die das Vertrauen in den Noch-Flughafenchef nach dem eigenmächtigen und unabgesprochenen Rauswurf des Bauleiters Marks komplett verloren haben.

Berlin will nun am Montag mit einer ordentlichen Lösung für die Spitze der Flughafengesellschaft in die Verlängerung der Krisensitzung gehen. Nachdem die Brandenburger lange genug ihre Opferrolle kultiviert hätten, müssten sie diese entweder mittragen oder sie würden überstimmt, hieß es. Wobei erste Signale aus Potsdam dann doch darauf hindeuten, dass man mit Lütke Daldrup als Interimschef leben könne.

Von dem Erfolg der Suche nach einem externen neuen Geschäftsführer hängt es ab, für wie lange und zu welchen Konditionen der Staatssekretär sich ins operative Geschäft einmischen solle. Da die Flughafengesellschaft jetzt mehr als 2000 Mitarbeiter hat, wird die Geschäftsführung ohnehin durch einen Arbeitsdirektor ergänzt. Diese Person könnte schon früher den Dienst aufnehmen und mit Finanzchefin Heike Fölster die Firma formal leiten.

Den Namen eines neuen Flughafenchefs könnte man aber auch erst bei der regulären Aufsichtsratssitzung am 17. März nennen. Im Gespräch für den Job sind Michael Garvens, derzeit Flughafenchef in Köln/Bonn, und auch – wie 2015 – der frühere Bombardier-Chef Michael Clausecker sowie der Finanz-Geschäftsführer am Münchener Flughafen, Thomas Weyer.

Mehr zum Thema:

Im Blindflug: So lief die Debatte um den BER-Chef

Ein Rauswurf von BER-Chef Mühlenfeld ist keine Lösung

Warum Mühlenfeld vorerst BER-Chef bleibt

Zur Startseite
© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.