Pannen-Flughafen

Müller liefert nur vage Zeitangaben zum BER-Start

Der Regierende Bürgermeister spricht von vier bis sechs Monaten Verzögerung auf der BER-Baustelle, obwohl es keinen Terminplan gibt.

 Geben Auskunft: Staatssekretär Engelbert Lütke Daldrup, der Regierende Bürgermeister Michael Müller und Flughafenchef Karsten Mühlenfeld (v.l.)

Geben Auskunft: Staatssekretär Engelbert Lütke Daldrup, der Regierende Bürgermeister Michael Müller und Flughafenchef Karsten Mühlenfeld (v.l.)

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

So ganz genau weiß nach den ungelösten neuen Problemen mit Türen und Sprinkleranlage immer noch niemand, wann denn der neue Hauptstadtflughafen BER öffnen wird. Der Regierende Bürgermeister und Flughafen-Aufsichtsratschef Michael Müller (SPD) umriss die Verzögerung am Mittwoch im Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses vage mit "vier bis sechs Monaten". Das wäre dann im Sommer 2018, wenn man den noch bis vor einigen Wochen von Müller angepeilten Starttermin Ende 2017 als Ausgangspunkt nimmt.

Aber, so versicherte der Sozialdemokrat auch den Abgeordneten, seriös könne man den Eröffnungstermin noch nicht vorhersagen. Man verlange so bald wie möglich einen belastbaren Terminplan von der Flughafen-Geschäftsführung.

Seine eigene Einschätzung basiere eher auf "seinem Gefühl" beziehungsweise auf der Interpretation einiger Aussagen der Baufirmen beim Gespräch am Montag, wie er auf Nachfrage der Morgenpost in einer Sitzungspause sagte. Zuvor hatte Müller den Abgeordneten erklärt, auch die Unternehmensvertreter hätten sich nicht konkret geäußert, bis wann sie die im Dezember entdeckten neuen Probleme lösen können.

Müller: "Es gibt eine Kette von Ärgernissen"

Mit seiner ungenauen Terminangabe wollte Müller sich vor allem gegen Kritik aus der Opposition rechtfertigen. Er habe schon 2016 gesagt, dass es mit der Eröffnung auch 2018 werden könne, so der Regierende Bürgermeister. Seinerzeit sei es aus seiner Sicht aber um geringe Verzögerungen von vier bis sechs Wochen gegangen, die den BER-Start in den Jahresbeginn 2018 hätten rutschen lassen können. Nun sei die Lage ernster. "Es gibt eine Kette von Ärgernissen", sagte der SPD-Politiker.

Warum Müller der Glaubensgemeinschaft BER beitreten sollte

Bei den noch ausstehenden Arbeiten geht es laut Flughafenchef Karsten Mühlenfeld um zwei Kilometer Wasserleitungen zu den Sprinkleranlagen im Hauptterminal, die auszutauschen seien. Als die Planer das Gebäude im Laufe der Bauphase immer größer werden ließen, waren diese Rohre nicht angepasst worden. Bei den 1500 Spezialtüren, die je nach Brandschutzszenario und Wegeführung bis zu 100 unterschiedliche Funktionen erfüllen müssen, arbeitet die elektronische Steuerung vielfach nicht. Während vor der geplatzten Eröffnung 2012 aber noch Kabel gefehlt hätten, gehe es jetzt um die Ansteuerung oder den Ersatz kaputter Elektromotoren. "Es sind nicht die gleichen Probleme wie 2011", sagte Mühlenfeld. Dennoch werde sich das Projekt verzögern. "Das dauert Monate, weil man jede einzelne Tür ausprobieren muss."

Keine private Firma würde übernehmen und fertigbauen

Auch Aufsichtsratschef Müller versuchte, den Eindruck eines Déjà-vu am BER zu zerstreuen und gar keinen Gedanken an eine noch weitere Verschiebung bis über 2018 hinaus zuzulassen. Man habe das erste Mal einen genehmigten Flughafen, betonte der Regierende Bürgermeister: "Wir befinden uns in der Schlussphase."

Diese Fortschritte rechnete Müller dem Wirken Mühlenfelds zu. Die beiden Jahre zwischen 2012 und 2014, als noch Rainer Schwarz und Hartmut Mehdorn Flughafenchefs waren, seien für das Projekt "verschenkte Jahre" gewesen. Der Rauswurf der Generalplaner nach der geplatzten Eröffnung war wohl ein Fehler gewesen. FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja zog aus dieser Aussage den Schluss, dann sei ja wohl Müllers Vorgänger Klaus Wowereit und somit die Berliner SPD schuld an dem Desaster. So weit wollte Müller dann jedoch nicht gehen. Hinterher sei man immer schlauer, sagte er.

Dem Lob für Mühlenfeld folgte aber auch Kritik. Der BER-Chef habe die Probleme lange als kurzfristig lösbar dargestellt. "Da gibt es schon noch ein Erkenntnisproblem der Geschäftsführung", so der am Dienstag wiedergewählte Vorsitzende des Aufsichtsrates. Jetzt soll es am 17. März einen neuen Finanzplan geben, bis Mai wird ein Bericht zu Sprinklern und Türen erwartet. Wann ein Eröffnungstermin genannt wird, blieb offen.

Für die CDU kritisierte Heiko Melzer, dass sich Müller weiterhin nicht als "Teil der Lösung" der Probleme am BER erweise. Das Problembewusstsein sei zwar da, aber bei den Lösungsstrategien hapere es. Mit dem Verweis auf die verlorenen Jahre wolle er von seiner Verantwortung seit 2015 ablenken.

AfD-Vertreterin Kristin Brinker fragte, warum man den BER nicht noch einem Generalunternehmer übertrage, der den Flughafen dann fertigstelle. Mühlenfeld sagte, angesichts des Bauzustandes des Gebäudes würde sich dafür kein Privater finden, es sei denn man bezahle einen hohen "Risikozuschlag".

Mehr zum Thema:

Abgeordnetenhaus berät doch über Verzögerung am BER

Wieder Verzögerungen am Hauptstadt-Airport BER

"Sehr ernste Situation" - Neue Verzögerung am BER befürchtet

Berichte: BER-Eröffnung wird wieder verschoben

Auch Fertigstellung des Regierungsairports verzögert sich

Zur Startseite
© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.