Pannenflughafen

Beim BER liegt schon wieder was in der Luft

Flughafenchef Karsten Mühlenfeld will sich nicht zur Festlegung eines Eröffnungstermins drängen lassen

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert / dpa

Flughafenchef Karsten Mühlenfeld will sich nicht zur Festlegung eines Eröffnungstermins drängen lassen

Die Bauaufsicht bemängelt erneut die Entrauchungsanlage am Flughafen BER. Nun droht die fünfte Verschiebung des Eröffnungstermins.

Schönefeld.  Keine leichte Übung für den Chef der Berliner Flughäfen, Werbung in eigener Sache zu machen. Jüngst wollte Karsten Mühlenfeld den Facebook-Gründer Mark Zuckerberg in Berlin begrüßen. Doch die publikumswirksamen Bilder scheiterten unglücklicherweise an dessen Weigerung. Zuckerberg ließ Mühlenfeld mit Frau, Pressesprecher und Begrüßungsschild in der Nacht am Vorfeld des Flughafens abblitzen – und blieb dazu so lange im Flieger sitzen, bis das lästige Begrüßungskomitee weg war.

An diesem Mittwoch nun versuchte sich Mühlenfeld erneut als Öffentlichkeitsarbeiter auf der Internationalen Tourismus-Börse. Das erste Mal ist der Flughafen mit einem eigenen Stand auf der ITB vertreten. Mühlenfeld traf dort auf ein besorgtes Fachpublikum. Ausgerechnet an diesem Tag lauteten die Schlagzeilen: "Hauptstadtflughafen BER wird wohl erst 2018 eröffnet."

>>> Ist der BER schon fertig? Die interaktive Checkliste bis 2017 <<<

Das mit der erfolgreichen Werbung ist also nicht so einfach. Auch wenn die beiden bestehenden Flughäfen Tegel und Schönefeld boomen und deren Passagierzahlen allein im Februar 2016 um 16,1 Prozent gestiegen sind. 2.205.795 Fluggäste starteten und landeten in den beiden Monaten in Berlin. Wenn die Wörter Berlin und Flughafen fallen, kommt einem aber nur der Geisterflughafen BER draußen in Schönefeld in den Sinn. Das auch nachts beleuchtete Versagen.

Eröffnung 2017 hatte noch Hartmut Mehdorn festgelegt

Der neue Airport für Berlin und Brandenburg sollte nun endlich im zweiten Halbjahr 2017 eröffnet werden. Festgelegt hatte den Termin noch Mühlenfelds Vorgänger Hartmut Mehdorn, in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat. Am 16. März wird es ein Jahr, dass der frühere Rolls-Royce-Manager und Ingenieur die Flughafengesellschaft FBB leitet. Er ist der dritte Flughafenchef seit Baubeginn des BER.

Droht nun die fünfte Verschiebung? Ein Dementi ist von Mühlenfeld nicht zu hören. "Wir werden uns mit dem Bauordnungsamt zusammensetzen und versuchen, die Probleme zu lösen", sagte der Flughafenchef am Mittwoch. "Ziel ist es, das baubegleitend hinzukriegen." Er fügte hinzu: "Landrat Loge ist sehr kooperativ." Mühlenfeld betonte aber auch, dass die Auswirkungen auf den Zeitplan noch ungewiss seien.

Flughafensprecher Daniel Abbou hatte der Berliner Morgenpost am Dienstag auf Anfrage bestätigt, dass das zuständige Bauordnungsamt des Landkreises Dahme-Spreewald im laufenden Genehmigungsverfahren von der FBB weitere Nachbesserungen bei der Brandschutzanlage fordere. Das gehe aus einem Schreiben von FBB-Technikchef Jörg Marks an Mitarbeiter hervor.

Im Eingangsschreiben des Bauordnungsamtes sei die Flughafengesellschaft aufgefordert worden, weitere Bauunterlagen nachzureichen, "um die Genehmigungs- und vor allem baurechtliche Abnahmefähigkeit nachzuweisen". Einige der Brand- und Entrauchungsszenarien entsprächen nicht den gestellten Forderungen für einen funktionierenden Brandschutz.

"Wir müssen die Anforderungen des Bauordnungsamts einbeziehen und sehen, wie wir die Nachbesserungen umsetzen können", kündigte Abbou an. Die Flughafengesellschaft wolle jetzt in Gesprächen mit dem Bauordnungsamt klären, welche der neuen Auflagen zwingend vor der Inbetriebnahme erfüllt sein müssen und welche Bestandteil der Betriebsgenehmigung sein können. Davon werde abhängen, ob der Eröffnungstermin im Herbst 2017 einzuhalten ist.

Landrat: Entrauchungsprobleme bei Terminal und Bahntunnel

Der Landrat von Dahme-Spreewald, Stephan Loge, dessen Behörde für die Genehmigung zuständig ist, sagte der Berliner Morgenpost: "Es stimmt, dass einige Szenarien noch nicht mit der von uns erwarteten Sicherheit funktionieren." Probleme gibt es nach Auskunft von Loge vor allem beim Entrauchungssystem zwischen Fahrgastterminal und Eisenbahntunnel. "Die Systeme müssen besser korrespondieren", sagte Loge.

"Ich wünsche dem Flughafen, dass es ihm gelingt, die Anpassung mit der DG Netz über das Eisenbahnbundesamt entsprechend abzustimmen", so der Landrat. Er sieht die Eröffnung 2017 noch nicht als unmöglich an. "Ich denke, dass der Flughafen bislang noch genug Zeitpuffer hat", sagte er. Laut Flughafensprecher Abbou sind noch zwei Monate eingerechneter Puffer vorhanden, vier bereits aber aufgebraucht.

Die neue Lage wird neben dem Streit um den künftigen Regierungsflughafen Thema beim Treffen des BER-Aufsichtsrates am Freitag sein. Der Vizevorsitzende der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Stefan Evers, forderte: "Am Freitag müssen alle Fakten auf den Tisch. Es muss dann Klarheit darüber herrschen, ob der Eröffnungstermin in 2017 noch zu halten ist."

Die Grünen-Fraktionschefin Ramona Pop verlangte: "Als Aufsichtsratschef muss der Regierende Bürgermeister Michael Müller klären, wann der Flughafen fertig wird." Der Regierungschef will das auch von Flughafenchef Mühlenfeld wissen – und das möglichst bald. Denn es soll verhindert werden, dass eine erneute Verschiebung erst kurz vor den Berliner Wahlen im Herbst bekannt gegeben werden muss. Karsten Mühlenfeld aber will offenbar auf Nummer sicher gehen – und lässt sich von den Politikern nicht treiben.

Auch in diesem Fall ist Werbung nicht sein Metier. Den Optimismus verbreiten derzeit dafür noch andere. Die Brandenburger Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD) zum Beispiel. Sie sagte am Mittwoch: "Ich denke, dass die Zeitplanung Ende 2017 nach wie vor machbar ist."

Bleiben Sie informiert:
Die Berliner Morgenpost in sozialen Netzwerken.
Folgen Sie uns auf Twitter