Stephan Loge

Dieser Mann entscheidet über das Schicksal des BER

Stephan Loge, Leiter des Landratsamtes Dahme-Spreewald, ist bei aller Härte ein absoluter Befürworter des Flughafens

Foto: Amin Akhtar

Stephan Loge, Leiter des Landratsamtes Dahme-Spreewald, ist bei aller Härte ein absoluter Befürworter des Flughafens

Landrat Stephan Loge hat den Brandschutz für den Flughafen BER 2012 nicht genehmigt. Er wird auch beim nächsten Versuch entscheiden.

Schönefeld/Lübben.  Er hat sie kommen und gehen sehen, die Flughafen-Geschäftsführer. Den zu viel versprechenden Rainer Schwarz, den viel sprechenden Hartmut Mehdorn. Und auch die Technik-Chefs. Der Landrat des Kreises Dahme-Spreewald aber ist noch derselbe: Stephan Loge, der Mann, der im Frühjahr 2012 mit seiner Bauaufsichtsbehörde den Start des Hauptstadtflughafens BER in Schönefeld untersagte. Er wird auch beim nächsten Versuch die Entscheidung treffen, ob der Airport in Betrieb gehen kann. Geplant ist der Start für das zweite Halbjahr 2017.

>> Interaktive Übersicht: Ist der BER schon fertig?

Vor einigen Wochen wurde der 56-Jährige als Landrat wiedergewählt, für acht weitere Jahre. Einige hätten ihn wohl lieber abdanken sehen.

Bundespolitiker wie der frühere Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) machten in den vergangenen Jahren keinen Hehl daraus, dass sie einer "Provinz"-Behörde nicht so recht zutrauen, das Flughafenprojekt der beiden Länder Berlin und Brandenburg sowie des Bundes zu beurteilen.

Loge wurde als "Landkreisfeuerwehrmeister" betitelt

Als eine Radio-Journalistin Ramsauer einige Tage nach der geplatzten Eröffnung im Juni 2012 darauf ansprach, wehrte dieser sie genervt ab: "Gehen Sie zu dem Landkreisfeuerwehrmeister in dem Landkreis Dahme- Sonstwie. Wiedersehen." Kurz zuvor hatte Landrat Loge angedeutet, dass auch der damals sofort neu ausgerufene Eröffnungstermin am 17. März 2013 wackeln könnte. Kommunalpolitiker forderten damals empört eine öffentliche Entschuldigung von Ramsauer. Die blieb aus. Loge sagt heute: "Mich hat das eher amüsiert."

Auch Hartmut Mehdorn soll mehrfach Zweifel daran geäußert haben, ob Loge und sein Bauaufsichtsteam ihre Aufgabe schultern. "Die haben vorher Häuser und Supermärkte zugelassen", sagte der Flughafenchef im Abschieds-interview mit der Berliner Morgenpost, "aber noch nie einen internationalen Airport".- Der Landrat hingegen verweist gerne darauf, dass "unsere Behörde nicht nur das A-10-Center in Wildau abgenommen hat, sondern auch Tropical Island" – das künstliche Tropenparadies im Spreewald.

Ein Hörsturz war eine Mahnung, auch mal abzuschalten

Kleinkarierte Wichtigtuer. Solche harten Worte fielen häufiger, wenn im Zusammenhang mit dem BER über Loges Bauaufsichtsbehörde gesprochen wurde. Es ist nicht so, dass Stephan Loge solche Einschätzungen kaltlassen. Er ist ein sensibler Mann. Der erst lernen musste, in seiner wenigen Freizeit abzuschalten. Ein Hörsturz war genug Warnung für ihn.

"Manche haben versucht, mich wegen der geplatzten Eröffnung des Flughafens als Buhmann hinzustellen", sagt Loge. "Doch ich habe mir diesen Schuh nicht angezogen. Meine Leute und auch ich, wir machen hier nur unseren Job." Er ließ sich nicht beeinflussen, der für den 3. Juni 2012 vorgesehenen Eröffnung des Willy-Brandt-Flughafens trotz unzureichenden Brandschutzes zuzustimmen. "Sie dürfen auch in der Nähe der Kanzlerin sitzen", hatte ihm ein führender Flughafenmann in Aussicht gestellt. Am 24. Mai sollte die Feier stattfinden. Mit Angela Merkel und etwa 40.000 weiteren Gästen.

Gutachter sollten ein genehmigungsfähiges Brandschutzkonzept vorlegen

Mitte März drängte Loge per Email darauf, dass die Gutachter ein genehmigungsfähiges Brandschutzkonzept vorlegen. Am 7. Mai pochte Loge bei einer Sitzung erneut auf die Prüfpläne des Flughafens. Er setzte ein Ultimatum. Bis 12 Uhr am Folgetag wollte er die geforderten Antworten. Das überzeugende Konzept blieb aus, dafür beriefen Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und sein Stellvertreter im Aufsichtsrat, der Brandenburger Ministerpräsident Matthias Platzeck (beide SPD) eine Pressekonferenz ein. Jetzt war das Scheitern öffentlich.

"Ich hätte gerne darauf verzichtet, bundesweit wegen der Nichteröffnung des BER bekannt zu werden" sagt Loge. "Aber die gesetzlichen Vorschriften mussten eingehalten werden." Er hat es nicht bereut, damals hart geblieben zu sein. Jeder der mehr als 1300 Tage seit der geplatzten Inbetriebnahme bestätigt, dass seine Entscheidung richtig war. "Beim Brandschutz darf es keine Kompromisse geben", sagt Loge.

"Ich habe damals oft an die Brandkatastrophe im April 1996 am Düsseldorfer Flughafen gedacht", erinnert er sich. Dabei starben sieben Menschen, mehrere Hundert wurden verletzt, viele zum Teil schwer.

Sechs Mitarbeiter allein für den Flughafen

Auch den mitunter laut geworden Vorwurf, seine Behörde arbeite nicht mit Hochdruck an den Genehmigungen für den Flughafen, weist Loge zurück. "Es waren und sind bis zu sechs Kollegen damit beschäftigt." Er habe immer gesagt: "Wir könnten sofort verdreifachen oder vervierfachen. Das war aber nicht nötig", meint Loge. "Weil der Flughafen ja kaum was lieferte."

Unter dem derzeitigen Flughafenchef Karsten Mühlenfeld erscheint Loge so optimistisch wie noch nie, dass der BER in absehbarer Zeit eröffnet werden kann. Mit funktionierendem Brandschutz. Der Flughafen vermeldete jüngst Fortschritte an der Entrauchungsanlage.

Stephan Loge erscheint heute selbstbewusster denn je. Er hat sich nicht unterkriegen lassen im Pokern um die Flughafeneröffnung, er ist als Landrat wiedergewählt. Der Landkreis steht in fast allen Wirtschaftsdaten ganz vorne in Brandenburg. Die Arbeitslosigkeit liegt nur noch bei 5,6 Prozent, die Jugendarbeitslosigkeit bei 2,3 Prozent. Doch spurlos sind die vergangenen Jahre nicht an ihm vorübergegangen.

Loge war leitender Mitarbeiter beim Reichsbahnamt Bautzen

"Was mir hilft: Ich bin Verantwortung und Stress gewöhnt", meint Loge. Der gebürtige Görlitzer arbeitete zu DDR-Zeiten nach seiner Ausbildung zum Facharbeiter für Eisenbahntransport-Technik als Fahrdienstleiter. Nach einem Fernstudium an der Ingenieurschule für Transportbetriebstechnologie war er acht Jahre lang leitender Mitarbeiter beim Reichsbahnamt Bautzen. Nach dem Mauerfall war er in Görlitz als Beigeordneter für kommunale Betriebe zuständig und später als zweiter Bürgermeister für das Bauwesen und die Wirtschaftsförderung in Freital. 2002 wechselte er nach Brandenburg in den Landkreis Dahme-Spreewald als 1. Beigeordneter für Planung, Bauwesen und Umwelt. Seit 2008 ist der Sozialdemokrat Landrat.

Auch in der Politik Seele zeigen

Am glücklichsten erscheint Stephan Loge, wenn er Ehrenamtspreise verleiht. Wenn er mit den Bürgern zu tun hat. "Bei aller Durchsetzungsfähigkeit bin ich harmoniebedürftig", verrät er. "Und schäme mich nicht, auch in der Politik ein bisschen Seele zu zeigen." Er freut sich, dass die Bürger seine Standhaftigkeit und das Sensible an ihm würdigen. Indem sie ihn kürzlich wiedergewählt haben.

Wenn Stephan Loge Glück hat, wird der Flughafen noch während seiner Amtszeit eröffnet. Es wäre auch für ihn eine Erleichterung. "Was viele gar nicht so wissen: Ich bin ein absoluter Befürworter dieses Flughafens." Nur beim Brand- und beim Lärmschutz, sagt er, da kenne er kein Pardon.

Bleiben Sie informiert:
Die Berliner Morgenpost in sozialen Netzwerken.
Folgen Sie uns auf Twitter