Dresdner Bahn

BER braucht Direktanbindung - Brandbrief an den Verkehrsminister

Foto: Reto Klar

Die CDU-Bundestagsabgeordneten Berlins und der Ost-Bundesländer fordern die schnelle Wiederbelebung der Dresdner Bahn. Ohne die Verbindung erreichen Hunderttausende Menschen nur über Umwege den BER.

In den Streit um eine schnelle Bahnverbindung zum künftigen Hauptstadtflughafen BER kommt Bewegung. Berlins CDU-Bundestagsabgeordnete haben jetzt gemeinsam mit ihren Kollegen aus den östlichen Bundesländern eine Initiative für eine möglichst schnelle Wiederbelebung der Dresdner Bahn gestartet.

In einem Brief an Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) fordern die Vorsitzenden der CDU-Landesgruppen von Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern den Bund dazu auf, sich für die Tunnellösung zu entscheiden und sie auch gegenüber der Deutschen Bahn zu vertreten. "Diese Strecke dient nicht nur der schnellen Anbindung des zukünftigen Flughafens Berlin-Brandenburg", über diese Trasse "soll auch eine schnelle Schienenverbindung zwischen Berlin und Dresden sowie im weiteren Verlauf nach Prag und Wien sichergestellt werden", heißt es in dem Schreiben, das der Berliner Morgenpost vorliegt.

Es bestehe zwischen allen Beteiligten Einvernehmen, dass der Bau der Dresdner Bahn unverzichtbar sei und schnell realisiert werden müsse. "Es ist daher aus unserer Sicht absolut unbefriedigend, dass seit über 15 Jahren über deren Streckenführung durch den Berliner Ortsteil Lichtenrade ohne konkretes Ergebnis diskutiert wird."

In nur 20 Minuten vom Berliner Hauptbahnhof zum BER

Über die Dresdner Bahn könnten Züge in nur 20 Minuten vom Berliner Hauptbahnhof zum Bahnhof unter dem BER-Terminal fahren. Weil die Strecke nach dem Mauerbau stillgelegt wurde, sieht das Verkehrskonzept für die Flughafen-Anbindung bislang Verbindungen vor, für die Reisende mindestens 30 Minuten Fahrzeit einplanen müssen. Wie berichtet, steht auch die Alternativroute zur Dresdner Bahn, die sogenannte Anhalter Bahn, wegen ihrer hohen Belegung durch Fernzüge dem Airport-Express zur derzeit angekündigten BER-Eröffnung 2017 nicht mehr zur Verfügung.

Alternativ werden von Senat und Bahn nun andere Strecken, etwa über Gesundbrunnen und Lichtenberg oder über die Stadtbahn geprüft. Allen Varianten ist gemeinsam, dass Hunderttausende Menschen im Süden und Südwesten der Stadt keine schnelle Direktverbindung zum BER haben werden.

Hauptstreitpunkt bei der Dresdner Bahn ist die Bauausführung des Schienenwegs durch Lichtenrade. Die Bahn favorisiert eine ebenerdige Lösung, weil diese schneller und kostengünstiger zu realisieren sei. Die Lichtenrader wehren sich gegen diese Lösung. Meterhohe Lärmschutzwände würden den Ortsteil spalten, Erschütterungen und Lärm die Lebensqualität nachhaltig verschlechtern. Mehr als 16.000 Unterschriften hat die Bürgerinitiative Dresdner Bahn e.V. gegen die ebenerdige Lösung bereits gesammelt.

Suche nach alternativen Lösungen

Inzwischen setzt sich auch die Berliner Regierungskoalition aus SPD und CDU für eine alternative Lösung ein. "Das Land steht zum Tunnel und zu seiner Verpflichtung, sich finanziell an den Mehrkosten zu beteiligen", heißt es im 2011 geschlossenen Koalitionsvertrag. Im laufenden Planfeststellungsverfahren, dass das Eisenbahn-Bundesamt in diesem Jahr abschließen will, wird jedoch weiter von einem ebenerdigen Ausbau ausgegangen.

Für den Tempelhof-Schöneberger CDU-Bundestagsabgeordneten Jan-Marco Luczak ist es daher höchste Zeit, dass eine politische Entscheidung pro Tunnel getroffen wird. "Die Interessen von mehr als 50.000 Menschen in Lichtenrade kann man nicht einfach übergehen", sagte er der Berliner Morgenpost. Die Zusatzkosten für eine Tunnellösung schätzt er auf etwa 120 Millionen Euro. "Wir reden hier aber von einer Investition, die für die nächsten 50 bis 70 Jahre Bestand haben wird", so Luczak.

Im Interesse der Lebensqualität der Menschen seien die Mehrkosten gerechtfertigt. Luczak weist auch darauf hin, dass die BI Lichtenrade gegen eine ebenerdige Trasse mit allen Mitteln juristisch vorgehen werde. Die sich aus einer Klage ergebenden Verzögerungen wären erheblich, der Ausgang des Verfahrens ungewiss. Auch mit einer Umplanung sei das Ziel, die Dresdner Bahn 2023 in Betrieb zu nehmen, noch zu schaffen.

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