Pannenflughafen

1000 Tage Stillstand - Nichts als Probleme am BER

Am 3. Juni 2012 sollte der Hauptstadtflughafen BER eröffnet werden, am Freitag sind es 1000 Tage nach dem geplatzten Flughafenstart. Nun peilen die Verantwortlichen das zweite Quartal 2017 an.

Foto: David Heerde

Eigentlich sollte der Hauptstadtflughafen BER am 3. Juni 2012 eröffnet werden. Doch gut zwei Wochen vor der geplanten Eröffnungsfeier am 24. Mai 2012 muss der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) als damaliger Aufsichtsratsvorsitzender das Fest absagen.

Damals, am 8. Mai, klang er aber noch zuversichtlich. Drei Monate noch, dann werde der neue Berliner Großflughafen doch sicher öffnen, nach den Sommerferien – vertröstete Klaus Wowereit die Bürger. Brandenburgs Regierungschef Matthias Platzeck (SPD) war "echt sauer", empfahl aber: "Nerven behalten." Der damalige Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) nannte die Verschiebung "höchst bedauerlich".

Dass das Debakel BER sich über Jahre hinziehen wird, das ahnte damals keiner der Verantwortlichen. Inzwischen sind sie, die damaligen Manager und Politiker, alle auf anderen Posten oder im Ruhestand. Am morgigen Freitag sind es 1000 Tage nach dem geplatzten Flughafenstart am 3. Juni 2012. Und noch immer ist kein Eröffnungstermin bekannt.

Der scheidende Flughafenchef Hartmut Mehdorn hat dem Aufsichtsrat einen Zeitraum für die Eröffnung vorgeschlagen. Danach soll der Flughafen im zweiten Quartal 2017 eröffnet werden. Sechs Jahre später als ursprünglich geplant. Denn schon der 3. Juni 2012 war nicht der erste Termin. Eigentlich sollte der Flughafen schon sieben Monate früher in Betrieb gehen, Ende Oktober 2011.

Sechs Jahre später, im zweiten Halbjahr 2017, soll es nun endlich so weit sein, hat Mehdorn im Dezember vorigen Jahres versprochen. "Es wird keine Pleiten mehr geben", versichert der frühere Bahn-Chef – auch wenn jetzt schon wieder ein warnender Brief beteiligter Firmen aufgetaucht ist. Sein Nachfolger Karsten Mühlenfeld, der das Amt im März antreten soll, setzt auf ein Team, das Mehdorn in seiner zweijährigen Amtszeit komplett erneuert hat.

Unüberschaubare Lage

Bislang läuft die Brandschutzanlage aber nicht. Auch die kilometerlangen Kabel in den Schächten sind nicht neu verlegt. Als in den Monaten vor der Terminabsage der Druck stieg, hatten bis zu 7000 Arbeiter gleichzeitig auf der Baustelle kreuz und quer gebaut. Angeblich kamen die Probleme auch für die drei Gesellschafter, Berlin, Brandenburg und den Bund überraschend. Die Eröffnung platzte, weil das Bauordnungsamt des Kreises Dahme-Spreewald, die Genehmigung für die Brandschutzanlage verweigerte.

Das Ausmaß wurde erst nach und nach deutlich: eine Geschäftsführung, die weder dem Druck der Politik gewachsen war noch dem unüberschaubaren Gewirr von Firmen auf der Baustelle, Generalplaner, die sich selbst kontrollierten. Zudem Aufsichtsräte, die die wenigen, aber deutlichen Warnsignale nicht wahrhaben wollten.

Doch auch danach häuften sich die Probleme: der übereilte Rauswurf der Generalplaner, eine Schockstarre auf der Baustelle, ein politisches Hickhack um Verantwortlichkeiten und Posten am Flughafen, Prozesse um den mickrigen Schallschutz für die Anwohner. Millionen von Euro mussten inzwischen in den überlasteten Flughafen Tegel gesteckt werden.

Ein Untersuchungsausschuss im Berliner Abgeordnetenhaus hat sich bislang in etwa 40 Sitzungen mit dem BER-Debakel befasst. Nach Berechnungen des Grünen-Abgeordneten Andreas Otto kostet der Flughafen bereits mehr als sechs Milliarden Euro. Offiziell wird noch die Summe von 5,4 Milliarden Euro genannt – beim ersten Spatenstich 2006 waren es zwei Milliarden. Der Bau war da aber noch kleiner geplant. Die Kosten steigen täglich.

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