Pannen-Airport BER-Kosten - Mehdorn verspricht "preiswerten Flughafen"

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Der scheidende BER-Chef ist sich sicher, dass die geplanten 5,4 Milliarden Euro für den Flughafen reichen werden. Und auch der Zeitplan soll gehalten werden: Ende 2017 bleibe der Termin.

Berlins Flughafenchef Hartmut Mehdorn scheint noch immer voller Tatendrang zu sein. Eigentlich hatte der 72-Jährige erst kurz vor Weihnachten – sichtlich zermürbt von den Querelen um seine Person – seinen Rücktritt von der Geschäftsführung erklärt. Lediglich bis ein Nachfolger für ihn gefunden sei, wolle er noch im Amt bleiben, erklärte er damals.

Doch bei seinem ersten öffentlichen Auftritt im neuen Jahr sprühte der Manager geradezu vor Ideen und vor Gestaltungswillen. Vehement versuchte er am Mittwoch bei einer Anhörung im Verkehrsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses, alle zwischenzeitlich wieder aufgeflammten Zweifel am Zeit- und Kostenplan für den neuen Hauptstadtflughafen in Schönefeld zu entkräften. Dieser soll, so das aktuelle Konzept der Flughafengesellschaft, in der zweiten Jahreshälfte 2017 in Betrieb gehen. "Wir sind uns sehr sicher, dass wir diesen Termin halten werden", versicherte Mehdorn, der bei der BER-Inbetriebnahme bestenfalls als Gast dabei sein wird.

Im Kostenrahmen

Auch teurer soll der künftige Hauptstadt-Airport auf keinen Fall werden. "Wir sind uns sicher, dass es uns gelingt, den Flughafen für 5,4 Milliarden Euro fertigzustellen", sagte Mehdorn im Preußischen Landtag. Diese Summe hatte der Flughafen-Aufsichtsrat Mitte 2014 als neuen Kostenrahmen genehmigt und damit den vorherigen Betrag nochmals um 1,1 Milliarden Euro erhöht. Der BER sei damit immer noch "ein preiswerter Flughafen", fügte Mehdorn mit Hinweis auf vergleichbare europäische Projekte hinzu.

Erst zu Jahresbeginn waren erhebliche Zweifel am Zeit- und Kostenplan für das von zahllosen Pannen begleitete Großprojekt laut geworden. Für die jüngste Prognose, den Flugbetrieb am BER in einem "Terminband" zwischen Juni und September 2017 aufzunehmen, würde er seine Hand nicht ins Feuer legen, hatte etwa der Vorsitzende des Verkehrsausschusses, Martin Burkert (SPD), gesagt. Zur Gefahr einer nochmaligen Verzögerung der BER-Inbetriebnahme sagte Flughafen-Technikchef Jörg Marks: "Wir wissen exakt, was wir wo bauen wollen." Er sei davon überzeugt, "dass wir das von den Risiken her exakt eingegrenzt haben".

"BER-Erweiterung dringend notwendig"

Mehdorns Blick ging derweil schon längst über die BER-Eröffnung hinaus. Noch im März werde er dem Aufsichtsrat ein Konzept zur Erweiterung des neuen Hauptstadtflughafens vorlegen, kündigte er an. Wenn schon nicht für den Bau eines Satelliten-Terminals, so doch für dessen Planung wolle er ein Okay von den Flughafeneignern bekommen. "Eine Erweiterung des BER ist dringend notwendig, wir sind schon viel zu spät dran", sagte Mehdorn.

Die nicht unbedingt neue Erkenntnis dahinter ist, dass der Großflughafen, der die beiden bestehenden Berliner Aiports in Tegel und Schönefeld ersetzen soll, bereits 2017 zu klein sein wird. Konzipiert ist der BER für 27 Millionen Passagiere im Jahr. Doch in Tegel und Schönefeld sind bereits 2014 knapp unter 28 Millionen Fluggäste gestartet oder gelandet. "Berlin wächst deutlich schneller als der Durchschnitt der deutschen Flughäfen", so Mehdorn. Und das Wachstum halte unvermindert an. Laut einer aktuellen Prognose sieht die Flughafengesellschaft für 2020 einen Abfertigungsbedarf für 40 Millionen, für 2030 gar von 50 Millionen Passagieren.

Anfragen von sieben bis acht Airlines

Entwicklungschancen gebe es vor allem bei Langstreckenflügen nach Nord- und Südamerika sowie nach Asien. Es gebe schon jetzt Anfragen von sieben bis acht Airlines, die von Berlin aus diese Verbindungen anbieten wollten. "Um solche Flüge nicht ablehnen zu müssen, brauchen wir einen möglichst schnellen Zugang zu zusätzlichen Kapazitäten", sagte Mehdorn. Ein Satelliten-Terminal könnte insbesondere für den bei Transatlantikflügen stark steigenden Umsteigeverkehr wichtig sein. Der Flughafenchef will prüfen lassen, wie das Zusatzterminal erreicht werden kann. Dazu gehöre die Option für den vorgezogenen Bau eines Tunnels, den erst kürzlich der Lufthansa-Konzernbevollmächtigte Thomas Kropp ins Gespräch gebracht hatte.

Mehdorn warnte erneut vor einer weiteren Einschränkung der Flugbetriebszeiten am BER, wie sie von Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) zu Jahresbeginn wieder ins Gespräch gebracht worden war. "Kein Hauptstadtflughafen in der Welt hat Nachtflugbeschränkungen. Das gibt es nur in Berlin", sagte Mehdorn. Werde das bestehende Nachtflugverbot ausgeweitet, sei der BER nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben.

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