Technische Mängel

Problem-Flughafen BER eröffnet möglicherweise erst 2018

Foto: pa/ZGBZGH

Und wieder rückt der Eröffnungstermin für den BER weiter in die Ferne. Nach einem Medienbericht soll der Flughafen nun erst 2018 in Betrieb gehen - doch schon 2016 läuft die Baugenehmigung aus.

Immer neue Probleme lassen die Eröffnung des Hauptstadtflughafens BER offenbar in immer weitere Ferne rücken. Internen Unterlagen zufolge kann der neue Airport in Schönfeld frühestens im Jahr 2017 eröffnen, möglicherweise wird es sogar 2018. Das berichtet die "Bild am Sonntag".

Im Herbst 2016 läuft wie mehrfach berichtet zudem auch noch die Baugenehmigung für das Terminalgebäude ab. Muss Flughafenchef Hartmut Mehdorn eine neue Erlaubnis beantragen, hätte dies aufwändige und teure Nachrüstungen zur Folge. Nach Ansicht von Experten müsste das Terminal dann alle Bauvorschriften und Standards erfüllen, die zwischenzeitlich in Kraft getreten sind. Darauf hatte der Landrat von Dahme-Spreewald, Stephan Loge (SPD), bereits vor einiger Zeit hingewiesen.

Änderung der Bauordnung im Gespräch

Flughafen-Geschäftsführer Mehdorn hofft indes, die Baugenehmigung für das Herzstück des Flughafens verlängert zu bekommen. Dafür sollen im Laufe des nächsten Jahres die notwendigen Unterlagen bei der Bauordnungsbehörde eingereicht werden. Falls dies nicht funktionieren sollte, ist gar eine Änderung der brandenburgischen Bauordnung als "Lex BER" im Gespräch.

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Oppositionspolitiker aus Berlin und Brandenburg fordern nun gravierende Konsequenzen. "Es kann doch keine Generationsaufgabe sein, einen Flughafen zu bauen", sagte am Sonntag der Verkehrsexperte der CDU im Brandenburger Landtag, Rainer Genilke. "Der Punkt ist erreicht, an dem es keinen Sinn mehr macht, weiter am Terminal herumzubasteln. Das Hauptgebäude sollte innen komplett entkernt und die Brandschutzanlage neu eingebaut werden."

Die bislang nicht funktionsfähige Anlage wird derzeit von Experten in drei Teile zerlegt. Ein kompletter Umbau des Terminals wäre nach Ansicht von Genilke auch deshalb erforderlich, um die Kapazitäten am BER zu erweitern. Denn der Flughafen ist für 27 Millionen Passagiere im Jahr konzipiert, diese Grenze wird aber an den Altflughäfen Tegel und Schönefeld bereits 2014 übertroffen. "Seit bald zwei Jahren gilt Mehdorns Sprint-Programm. Das einzige aber, das sprintet, sind die Kosten", stellt Genilke fest.

"Das Vertrauen ist zerstört"

Auch der Brandenburger Grünen-Fraktionschef Axel Vogel sieht dringenden Handlungsbedarf. "Das Vertrauen in die Flughafengesellschaft ist zerstört", sagte er am Sonntag der Berliner Morgenpost. Daher müsse man offen sein "für radikale Lösungen". So sollte eine "tabufreie Diskussion" darüber geführt werden, das Terminal zu entkernen und von innen neu aufzubauen.

"Die Probleme waren aufgetaucht, als dort eine Zwischenebene eingezogen wurde, um die Bruttogeschossfläche vor allem für Geschäfte zu vergrößern", sagte Vogel. Ein so massiver Umbau wäre zwar "kein billiges Vergnügen", im Interesse des Gesamtvorhabens werde die Flughafengesellschaft aber nicht um gravierende Schritte umhin kommen, so der Politiker.

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Der Vorsitzende des Berliner BER-Untersuchungsausschusses, Martin Delius (Piraten), sieht in einem Komplett-Umbau des Terminals nicht die Lösung. Aber auch er fordert "endlich Konsequenzen". Das Projekt gehöre neu bewertet. "Es müssen neue strukturelle Voraussetzungen geschaffen werden", sagte Delius. Er fordert, die Flughafengesellschaft zu zerschlagen. "Die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg sollte weiterhin für die Bestandsflughäfen Tegel und Schönefeld zuständig sein, für den BER soll aber eine Projektgesellschaft mit einem eigenen Aufsichtsrat gegründet werden", so Delius. Auch er warnt vor einem "Weiter so".

BER-Chef Mehdorn will "Terminband" bekanntgeben

In knapp drei Wochen – am 12. Dezember – kommt der Aufsichtsrat erneut zusammen. Dann will Flughafenchef Mehdorn zumindest ein "Terminband" – also eine Zeitspanne – für die Inbetriebnahme des BER bekanntgeben. Gleichzeitig steht die Wahl eines neuen Vorsitzenden an, weil der aktuelle Chef des Aufsichtsgremiums, Klaus Wowereit (SPD), am Tag davor sein Amt als Regierender Bürgermeister aufgibt.

Sein designierter Nachfolger Michael Müller (SPD) hat bereits angekündigt, er wolle Mitglied im Aufsichtsrat werden, allerdings nicht dessen Vorsitz übernehmen. In einem Interview mit der "Märkischen Allgemeinen" sagte Michael Müller, er könne sich einen externen Vorsitzenden "gut vorstellen". Im Berliner Senat gibt es offenbar Überlegungen, zwei der derzeitigen Mitglieder, Finanzstaatssekretärin Margaretha Sudhof und den Unternehmer Michael Zehden zu ersetzen. Innensenator Frank Henkel (CDU) soll derweil im Aufsichtsrat bleiben.

Zu den neuesten Spekulationen über eine Eröffnung des Flughafens erst 2018 sagte der Sprecher der Flughafengesellschaft, Ralf Kunkel: "Wir kommentieren nicht jede wirre Spekulation. Es bleibt bei dem verabredeten Zeitplan, dass wir im Dezember im Aufsichtsrat den Status quo und die nächsten Schritte besprechen."

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