Hauptstadtflughafen

Rauchzeichen vom BER - Der Brandschutz ist weiter ungelöst

Schornsteine könnten das Problem mit der Entrauchungsanlage lösen. Doch bis zur Entscheidung gibt es keinen Fortschritt. Der Brandschutz als zentrales Hindernis für die Eröffnung bleibt ungelöst.

Foto: DPA; Getty Images/Montage BM

Ein Jahr nach dem Start des Beschleunigungsprogramms "Sprint" am BER in Schönefeld kann das zentrale Hindernis für eine Eröffnung – der Brandschutz – offenbar bislang nicht gelöst werden. Nach Informationen der Berliner Morgenpost gibt es stattdessen erhebliche Probleme zwischen der Flughafengesellschaft und Siemens.

Offenbar bestehen deutliche Unterschiede zwischen den jeweiligen Interpretationen des Stands der Entwicklung im Terminalgebäude. Während Flughafenchef Hartmut Mehdorn vorige Woche im Verkehrsausschuss des Abgeordnetenhauses davon sprach, es würden derzeit Kabel verlegt, um die Öffnungsklappen zu vernetzen, wollte Siemens das so nicht bestätigen.

Die ursprüngliche Idee der Planer, die Shopping- und Restaurantzone hinter dem Sicherheitscheck im Hauptterminal gegen die Gesetze der Physik nach unten zu entrauchen, hat der Flughafenchef aufgegeben. Gleichzeitig wird ein alter Plan weiterverfolgt. Aus den höher gelegenen Räumen soll Rauch durch zusätzliche Schornsteine durch das Terminaldach entweichen, wie der technische "Sprint"-Leiter Jochen Großmann am Dienstag in Schönefeld sagte. Die Umbaupläne für die komplizierte Brandschutzanlage will Großmann am Freitag dem Aufsichtsrat vorstellen.

Siemens fehlen Unterlagen

Weil diese Entscheidungen wesentlich sind, um die Frischluftklappen zu steuern, kommt Siemens nach Informationen der Berliner Morgenpost bisher nicht weiter. Für die drei Segmente in diesem Teil der Anlage hat das Unternehmen nach eigener Aussage noch gar keine Unterlagen. Und so gibt die Firma nach wie vor nur eine zurückhaltende Einschätzung der Fortschritte an den Arbeiten für die Entrauchungsanlage ab.

Die Fachleute der "Building Technology Division" des Konzerns sollen die Nachsteuerung der Frischluftzufuhr für die neu zu konzipierende Anlage übernehmen. "Für die ersten Segmente haben wir entsprechende Planungsunterlagen erhalten und können sie jetzt für unsere Arbeit nutzen", sagte ein Siemens-Sprecher am Dienstag. Es folgte der Hinweis, dass das Unternehmen für einen fristgerechten Abschluss von "Arbeiten Dritter" abhängig bleibe.

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Für zweieinhalb der inzwischen sieben Segmente der Brandschutzanlage – ein Drittel des Gesamtsystems – habe Siemens mittlerweile Unterlagen erhalten, mit denen man etwas anfangen könne, heißt es von dem Unternehmen. Diese seien aber noch nicht so konkret, dass man mit der Verkabelung beginnen könnte. Noch sei keine Wand für neue Leitungen aufgestemmt und keine Deckenverschalung abgeschraubt, so Siemens. Dabei geht es um die weniger komplexen Gebäudeteile des Nord- und des Main-Piers.

Brandschutzanlage ist "ein Monster"

Sechs Planungspakete für die Brandschutzanlage und die Behebung der anderen Probleme sind ausgeschrieben worden. Wenn die Ausführungspläne fertig sind, müssten 92 Kilometer Kabel im Terminal verlegt werden, durch die Siemens seine Steuerungssignale zwischen Entlüftungsschächten und Belüftungsklappen senden kann. Mehdorns Prognose, im dritten Quartal 2014 sagen zu können, wann die Entrauchung fertig sein könne, will Siemens lieber nicht kommentieren. "Wir haben jetzt ein Verständnis für die Anlage und wir haben die Planer an Bord", umriss Sprint"-Technikleiter Jochen Großmann die Fortschritte der vergangenen Monate.

"Es ist beherrschbar, das Ganze ist kein Zauber Manitus", versicherte er. Dennoch bleibe der Abschnitt 14 im Terminal die große Herausforderung. Technik-Experte Großmann nannte den kritischen Abschnitt der Brandschutzanlage "ein Monster". Um sie zu bändigen, wird die Anlage derzeit zerlegt. "Die zentrale Anlage in der Empfangshalle war von Anfang an eine Fehlplanung", sagte Großmann. "Sie hätte so nie funktionieren können." Dies stehe seit rund sieben Wochen fest. Planungs- und Strategieleiter Uwe Hörmann kündigte an, die bestehende Klage gegen die Planungsgemeinschaft PG BBI wegen des geplatzten Eröffnungstermins am 3. Juni 2012 zu erweitern.

Mehdorn benötigt ein weiteres Rettungspaket

Wie aus Gesellschafterkreisen zu vernehmen war, soll Flughafenchef Mehdorn den zusätzlichen Finanzbedarf auf 1,1 Milliarden Euro beziffert haben. Sie seien nötig, um den Bau abzuschließen, die verschiebungsbedingten Mehrkosten zu deckeln und das Schallschutzprogramm zu sichern. Die Finanzspritze wird voraussichtlich Thema bei der Aussichtsratssitzung am Freitag sein. Das Budget für die Fertigstellung des neuen Flughafens reicht laut Mehdorn noch bis Ende des Jahres. Derzeit liegt die Gesamtprognose für das Projekt bei rund 4,7 Milliarden Euro, wovon bisher 4,6 Milliarden Euro abgesichert sind. Mit weiteren 1,1 Milliarden Euro gehen die Planer von rund 5,7 Milliarden Euro Ausgaben aus.

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