Hauptstadtflughafen

Bundesverkehrsminister war noch nie auf der BER-Baustelle

Beim Krisenprojekt neuer Hauptstadtflughafen BER drängt sich Verkehrsminister Dobrindt nicht in die erste Reihe. Er fordert aber einen Eröffnungstermin. Der Aufsichtsrat hat indes auch andere Sorgen.

Foto: Nigel Treblin / Getty Images

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hat nach einem Vierteljahr im Amt die Baustelle des neuen Hauptstadtflughafens noch nicht besucht. "Ich war noch nicht am BER", bekannte der CSU-Politiker in der Zeitung "Die Welt" (Donnerstag). Dobrindt kündigte auch keinen Besuchstermin an. "Ich werde den BER spätestens besuchen, wenn das erste Flugzeug abhebt." Jetzt müssten Planer und Projektmanager dort etwas voranbringen.

Wann der Flughafen in Betrieb geht, ist wegen Planungsfehlern, Baumängeln und Technikproblemen seit langem unklar. Klar wird indes immer mehr, dass der Bau trotz häufiger Ausweitungen zu klein geraten wird. Der Projektausschuss des Aufsichtsrats will deshalb an diesem Freitag in Berlin darüber beraten, ob der benachbarte Flughafen Schönefeld weiter genutzt werden kann. Er sollte eigentlich mit Eröffnung des Neubaus schließen.

Schönefeld-Alt und der Flughafen Tegel zählten schon 2013 insgesamt mehr als 26 Millionen Passagiere, der Neubau ist für 27 Millionen bis 30 Millionen gebaut. Flughafenchef Hartmut Mehdorn erwartet aber schon 2016 mehr als 30 Millionen Fluggäste und 2020 rund 35 Millionen.

Dobrindt fordert Klarheit über weiteren Zeit- und Kostenplan

Mehr Aufschluss über die Probleme auf der Baustelle erhofft sich der Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses an diesem Freitag von Hans-Joachim Paap aus dem Achitekturbüro Meinhard von Gerkans. Paap hatte den Flughafen federführend entworfen. Nach dem geplatzten Start 2012 setzten die Betreiber die Gerkan-Architekten vor die Tür, Mehdorn holte Paap ein Jahr später jedoch zurück.

Dobrindt forderte von Mehdorn, im Aufsichtsrat Klarheit über den weiteren Zeit- und Kostenplan zu schaffen. Das Gremium tagt am 11. April. Dobrindt schränkte jedoch ein: "Ich mache keinen Zeitdruck. Ich erwarte aber, dass mir keine weiteren Ideen übermittelt werden, die wenige Monate später Makulatur sind."

In der Debatte über das Nachtflugverbot bestätigte Dobrindt die vertraute Position seines Hauses, das Änderungen ablehnt. "Es gibt bereits Gerichtsentscheide, die klar sagen, dass es zwischen Mitternacht und 5.00 Uhr morgens keine Flugbewegungen gibt. Das ist so entschieden."

Der Minister hatte erst kürzlich deutlich gemacht, dass er bei dem Krisenprojekt nicht die Federführung übernehmen wolle. Der Bund ist als Minderheitseigner zu einem Viertel an der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH beteiligt, die übrigen Anteile teilen sich die Länder Berlin und Brandenburg.

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