Testbetrieb

BER-Chef Hartmut Mehdorn kommt in Erklärungsnot

In der Sitzung des brandenburgischen Sonderausschusses zum Pannenflughafen BER blieb Hartmut Mehdorn Antworten schuldig – und wurde sogar laut.

Foto: Bernd Settnik / dpa

Helmuth Markov hat es an diesem Tag wohl am schwierigsten: Erst kippt sein noch leeres Wasserglas um, dann fällt sein Namensschild vom Tisch herunter und sein Sitznachbar, der Noch-Ministerpräsident Matthias Platzeck, hebt es für ihn wieder auf.

Markov (Linke) ist Finanzminister von Brandenburg und soll am Montag im engen, schwülen und vollen Saal 306 im Potsdamer Landtag dazu Stellung nehmen, wie es denn jetzt aussehe mit der "Teilöffnung" des Flughafens, über die gerade so viele sprechen. Der Minister fährt seine Stimme hoch und sagt: "Ich habe in meinem Berufsleben viele Großprojekte in der ganzen Welt in Betrieb genommen."

Er zählt auf, wie bei einer Großanlage zuerst die Antriebe, dann die Elektronik und schließlich die Arbeitsplattformen angestellt werden. "Man probiert die einzelnen Teile erst aus und macht erst am Ende eine Schmelze, denn das ist das Übergabekriterium: Klappt die Schmelze in der Zeit und der Qualität." Demzufolge sei es für ihn vollkommen logisch, dass Flughafenchef Hartmut Mehdorn einzelne Teile in Betrieb nehmen will.

Das ist eines der Hauptthemen in dieser Sitzung des Sonderausschusses zum Flughafen BER. Der Ausschuss will noch einmal nähere Details über den geplanten Vorgang der Teilinbetriebnahme erfahren. Demnach soll der Nordflügel umgebaut werden, doch das nur als Zwischennutzung. Laut Mehdorn handelt es sich eher eine "Ummöblierung" als ein Umbau. Die Sitzung des Sonderausschusses wird später damit enden, dass ein möglicher Testbetrieb am Hauptstadtflughafen frühestens im Herbst verabschiedet werden soll. In einigen Wochen wolle sich der Aufsichtsrat mit dem Plan noch einmal befassen, vorausgesetzt, dass das Bauordnungsamt das Vorhaben auch genehmigt.

German Wings oder Germania

Im Laufe des Tages hatte sich die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Renate Künast, gemeldet und Mehdorn und den Regierenden Bürgermeister Berlins, Klaus Wowereit (SPD), aufgefordert, "den Bürgerinnen und Bürgern, insbesondere den vom massiven Fluglärm betroffenen Anwohnern des Flughafens Tegel, endlich reinen Wein einzuschenken". Die Menschen hätten "immer wieder neue Ankündigungstermine und unsinnige Teileröffnungskonzepte (...) gründlich satt". Es werde immer deutlicher, dass der als Feuerwehrmann engagierte Mehdorn nichts als Schall und Rauch erzeuge.

Das große Special und die Timeline zum BER

Mehdorn wurde in der Sitzung tatsächlich unsicher, als er noch einmal ausführt, dass er mit "Germania" und "Condor" zwei Firmen gefunden habe, die Interesse an einer früheren Inbetriebnahme im neu gebauten Nordpier haben – obwohl das noch für einen Betrieb vorbereitet werden müsse. Erst sagte er jedoch statt Germania zunächst "German Wings" und verwirrte damit die Ausschussmitglieder.

Doch als es darum ging, genauer zu beschreiben, wie diese frühere Teilinbetriebnahme aussehen soll, kam er ins Stocken: "99,9 Prozent der Fluggäste dieser Chartermaschinen kommen mit dem Auto oder dem Taxi zum Flughafen", sagte er und wollte so die Frage beantworten, wie denn die Fluggäste zum Nordpier gelangen sollten. Sogar Matthias Platzeck, der bis dahin nur still auf seinem Platz gesessen hatte, musste da lachen. Dann betonte er noch einmal, dass es ohnehin nur vier bis acht Flüge am Tag sein werden und diese nicht ins Gewicht fallen. Dafür hätten die Mitarbeiter des Flughafens Tegel bereits eine Möglichkeit, in Schönefeld "ihre neue Welt" kennenzulernen.

Gewinn ja, nur wann?

Vage blieb der Finanzminister bei der Frage, wie genau die Finanzplanung des BER aussehe. "Der Airport wird Gewinn machen", sagte Finanzminister Helmuth Markov, doch er könne nicht erklären, für wann er mit diesem operativen Gewinn des Flughafens rechne. Markov fügt lediglich das Wort "langfristig" ein. Auch Hartmut Mehdorn hielt sich zurück, was Prognosen für den Flughafen angeht. Er rechne laut einer Studie bis zum Jahr 2020 mit einem Anstieg auf 31 Millionen Fluggäste und bis zum Jahr 2030 auf 40 Millionen Passagiere. "Unsere Kapazität könnte diesen Anstieg bis rund 2025 ohne Umbau-Maßnahmen schaffen", sagte Mehdorn. Er wolle aber sehr zeitnah noch einmal eine Prognose anstoßen. "Welche Drehkreuz-Funktion sich am BER entwickelt, dass muss man abwarten."

Genau wie Markov beschwörte auch Mehdorn seine Erfahrungen aus dem früheren Arbeitsleben als Airberlin-Chef – und sagte, dass er noch aus dieser Zeit wisse, dass solche Studien unsicher seien. Als ein Ausschussmitglied eine weniger optimistischere Studie zitierte, wurde Mehdorn sogar laut und sagte: "Ich schicke Ihnen gern den Stapel Papier zu, aber verspreche Ihnen, Sie werden nicht schlauer sein."

Abschließend trat Mehdorn noch Berichten entgegen, er habe mit seinem Rücktritt gedroht, sollte sein Plan des Testbetriebs im Aufsichtsrat scheitern. Das sei "Quatsch". "Ich bin hier nicht angetreten, um zurückzutreten." Auch Berichte, der Flughafen werde erst im Sommer 2016 fertig werden, nannte ein Flughafensprecher "Spekulation".

Matthias Platzeck trat in dieser Sitzung zurückhaltend auf und verließ genau um 16.38 Uhr, mitten in der Sitzung, mit schnellen Schritten den Saal 306 des Brandenburger Landtags in Potsdam. Er hatte in diesem Saal erst vor rund drei Wochen seinen Rücktritt angekündigt. Am Montag sagte er zum Schluss nur noch: "Vielen Dank, dass ich hier sein durfte, und ich wünsche Ihnen auf Ihrem weiteren Weg alles Gute."

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