Pannen-Flughafen

Die Mängelliste am BER wird immer länger

Experten haben inzwischen 40.000 einzelne Probleme auf der Baustelle in Schönefeld ermittelt. Ein Fünftel davon gilt als betriebsgefährdend. Eine Eröffnung vor 2015 wird immer unwahrscheinlicher.

Foto: Patrick Pleul / dpa

Die Liste der Probleme am Pannen-Airport BER wird von Tag zu Tag länger. Wie das Nachrichtenmagazin "Focus" jetzt berichtet, haben Experten in einem Sachstandsbericht an den Flughafen-Aufsichtsrat bereits 40.000 Einzelmängel aufgeführt. Das sind doppelt so viele Schäden und Fehlfunktionen am neuen Hauptstadtflughafen wie noch in dem Bericht vor einem Monat. Rund 8000 Mängel, das entspricht einem Anteil von 20 Prozent, sind laut "Focus" so gravierend, dass sie die Eröffnung und die Betriebserlaubnis des neuen Airports im Südosten von Berlin gefährden können.

Sie werden in die Kategorie eins der vierstufigen Mängelliste eingestuft. Als betriebsgefährdend werden dabei insbesondere Probleme und Fehlfunktionen beim Brandschutz, den Türen, der Belüftung, der Beschilderung und der IT-Technik angesehen. Bis zu 20.000 Mängel, also fast die Hälfte der aufgelisteten Probleme, sollen dagegen leichte Bauschäden wie kaputte Fensterscheiben oder Setzrisse in den Wänden sein. Sie werden in der Kategorie vier eingestuft.

Ein Sprecher der Flughafengesellschaft sagte dazu, ihm sei der Bericht nicht bekannt. Die genannte Zahl sei zudem irreführend. "Das entscheidende Problem am BER ist und bleibt der Brandschutz", sagte er der Berliner Morgenpost.

"Datenblatt für jede fehlende Schraube"

Für den Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Rainer Bomba, ist die inzwischen immer detaillierter ausfallende Mängelliste der 'Experten ein sehr wichtiges Arbeitsinstrument. "Mit diesem Instrument erreichen wir eine gnadenlose Transparenz. Für jede fehlende Schraube gibt es ein Datenblatt", sagte er dem "Focus". Darauf seien Termine, Kosten, Maßnahmen und die für die Mängelbeseitigung zuständigen Firmen und Personen vermerkt. Geschönte Berichte an den Aufsichtsrat seien jetzt nicht möglich.

Insbesondere vor der kurzfristige Absage der für den 3. Juni 2012 geplanten BER-Eröffnung soll es Sachstandsberichte der Geschäftsführung an das Kontrollgremium gegeben haben, aus denen das wahre Ausmaß der Probleme auf der Baustelle nicht hervorging. Noch Mitte April war der Aufsichtsrat in dem Glauben, dass die Inbetriebnahme des BER noch termingerecht erfolgen kann.

Eröffnung wohl nicht vor 2015

Inzwischen verdichten sich immer mehr die Anzeichen, dass der neue Großflughafen, der die bestehende Airports in Tegel und Schönefeld ersetzen soll, frühestens zum Flugplanwechsel im Frühjahr 2015 erfolgen kann. Dafür spricht auch die Personalie Hartmut Mehdorn. Der bereits 70 Jahre alte Manager war erst am Freitag vom Aufsichtsrat zum neuen Flughafen-Chef berufen worden. Mit dem ausdrücklichen Auftrag, den BER an den Start zu bringen, erhielt er einen Drei-Jahres-Vertrag. Seine Amtszeit würde somit Anfang 2016 enden.

Mit einem dann endlich eröffneten Flughafen und bereits überwundenen Kinderkrankheiten in der Anfangsphase des Betriebs könnte die Flughafen-Gesellschafter leichter einen jüngeren Manager für den BER gewinnen. Für dieses Zeitszenario spricht auch, dass das Dienstverhältnis von Brandenburgs Flughafen-Koordinator Rainer Bretschneider erst jüngst vorsorglich bis Ende 2015 verlängert wurde. Zu diesem Zeitpunkt sollte der frühere Verkehrs-Staatssekretär längst in Pension sein.

Zustandsanalyse frühestens im Sommer abgeschlossen

Seit August 2012 sind die Arbeiten am BER weitgehend zum Erliegen gekommen. Gerade einmal 300 Bauleute sollen derzeit vor Ort sein. Ursache dafür sind fehlende Pläne vor allem zur Lösung der vielen Funktionsprobleme, insbesondere für die lebenswichtige Brandschutztechnik. Gegenwärtig erfolgt eine umfassende Analyse des Bauzustands, die frühestens im Juni 2013 abgeschlossen sein soll.

Laut Technik-Chef Horst Amann kommt die Bestandsaufnahme gut voran. Erst danach könne seriös gesagt werden, bis wann der BER fertiggestellt werden kann. Experten gehen davon aus, dass für alle Arbeiten und behördlichen abnahmen noch ein Jahr benötigt wird, ein weiteres halbes Jahr werde für den Probebetrieb gebraucht. Auch nach diese Rechnung ist eine Inbetriebnahme vor 2015 kaum möglich.

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