05.03.13

Flughafen

Bender bezweifelt, dass man am BER erfolgreich sein kann

Der Ex-Chef des Frankfurter Flughafens gibt Berlin einen zweiten Korb. Bei seiner Absage geht er hart mit BER-Gesellschaftern ins Gericht.

Foto: dpa

BER-Berater Wilhelm Bender: Zunächst waren 2500 Euro als Honorar geplant
BER-Berater Wilhelm Bender: Zunächst waren 2500 Euro als Honorar geplant

Der frühere Chef des Frankfurter Flughafens, Wilhelm Bender, will nach Querelen um seinen Vertrag nun doch nicht Berater am neuen Hauptstadtflughafen BER werden. Er sehe "keine ausreichende Gewähr dafür, dass seine Tätigkeit für den BER erfolgreich sein kann", teilte er am Montag mit.

In der Erklärung ging der 68-Jährige hart ins Gericht mit den Flughafen-Gesellschaftern Berlin, Brandenburg und dem Bund: Vertraulichkeit sei mehrfach gebrochen worden, Verabredungen nicht eingehalten worden.

"Ich muss diese Entscheidung akzeptieren", sagte Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD), der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafengesellschaft ist, am Montag zu dem Rückzug. Bender galt lange Zeit als Hoffnungsträger für das Pannenprojekt BER.

Chef der Berliner Flughafengesellschaft wollte Bender zwar nicht werden, aber als Berater zwei Tage pro Woche dem Technikchef Horst Amann zur Seite stehen. In den vergangenen Tagen war jedoch unter den Gesellschaftern Streit über Benders Honorar ausgebrochen, seine Vorstellung als Chefberater wurde kurzfristig abgesagt.

4000 Euro Tagessatz

Öffentlich wurde bekannt, dass Bender einen Tagessatz von 4000 Euro inklusive Spesen und Reisekosten mit der Flughafengesellschaft ausgehandelt hatte. Nach der Absage Benders gab der Bund Fehler beim Umgang mit der Personalie zu. "Ein Mitglied des Aufsichtsrats hat sich nicht entsprechend informiert gefühlt", sagte der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Rainer Bomba(CDU).

"Da greife ich mir auch an meine eigene Nase." Er spielte damit auf den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit(SPD) an, der die Vorstellung Benders in der vorigen Woche blockiert hatte. Wowereit wollte im Aufsichtsrat erst noch über den hoch dotierten Beratervertrag reden.

Bender begründete seine Absage damit, dass in der öffentlichen Debatte über seine Honorar der Eindruck erweckt worden sei, er habe sich "eine goldene Nase" verdienen wollen. "Das ist nicht der Fall", sagte er in der RBB-Abendschau. Zudem sei in den vergangenen Tagen sichtbar geworden sei, dass sich die BER-Gesellschafter in wesentlichen Betriebsfragen des Flughafens uneins sind. Damit dürfte Bender vor allem Platzecks Kurswechsel beim Nachtflugverbot meinen, das am BER nach bisheriger Rechtslage von 0 bis 5 Uhr gelten soll.

Nachtruhe bleibt Streitpunkt

Platzecks rot-rote Koalition setzt sich jedoch inzwischen – unter dem Druck eines Volksbegehrens – für eine längere Nachtruhe von 22 bis 6 Uhr ein. Am Montag berieten auch die SPD-Fraktionen aus beiden Ländern über diesen Konflikt, ohne jedoch zu einer Einigung zu gelangen. Berlin lehnt ebenso wie der Bund eine Ausweitung der Nachtruhe am BER ab, weil dies der Wirtschaflichkeit schadet.

Wowereit (SPD) nannte Benders Entscheidung bedauerlich. Auf die Frage, ob Berlin die Vorstellung des Ex-Fraport-Chefs verhinderte, weil Brandenburg nun ein ausgeweitetes Nachtflugverbot fordere, antwortete Wowereit mit "Nein". Er sei auch davon ausgegangen, dass der Präsidialausschuss dem Engagement Benders zugestimmt hätte.

Beim Hauptstadtflughafen BER besteht noch immer kein Überblick über das Ausmaß der Technikprobleme, Planungsfehler und die Mängel auf der Baustelle. Auch ein neuer Eröffnungstermin ist nicht benannt. "Nichts geht mehr am Flughafen BER", sagte die Berliner Grünen-Fraktionschefin Ramona Pop zur Absage Benders. Der Streit zwischen Wowereit und Platzeck lähme den Flughafen. "Jetzt hat Bender schon genug, bevor er überhaupt angefangen hat", sagte Pop.

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