28.02.13

Pannenflughafen

Bauarbeiten am BER werden im Herbst fortgesetzt

Technikchef Amann gibt ein wenig davon preis, wie es beim BER weiter gehen soll. Und es gibt erneut Ärger um den designierten Chefberater.

Von Gudrun Mallwitz und Viktoria Solms
Foto: dpa

Technikchef Horst Amann warnt vor einer ausgeweiteten Nachtruhe am BER
Technikchef Horst Amann warnt vor einer ausgeweiteten Nachtruhe am BER

Der Eröffnungstermin für den neuen Flughafen BER soll voraussichtlich bis Ende September feststehen. Spätestens dann sollen auch die Bauarbeiten mit voller Kraft weitergehen. Das kündigte Technikchef Horst Amann am Mittwoch bei einer Veranstaltung des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) an.

"Im Sommer werden wir es genauer eingrenzen können, bis wann wir einen neuen Eröffnungstermin benennen", sagte Amann. Er gehe davon aus, dass es noch in diesem Jahr Klarheit über den Starttermin geben werde. "Möglicherweise werden wir den Termin im dritten Quartal verkünden", so Amann. Das wären die Monate Juli bis September.

Bis spätestens Juli soll auch die noch immer laufende Bestandsaufnahme abgeschlossen sein. Derzeit sind maximal 300 Arbeiter auf der Baustelle im Südosten Berlins tätig. Sie sind unter anderem mit der Sanierung der Kabeltrassen und dem Fertigbau der beiden Pavillons beschäftigt. "Eines ist Fakt: Das Projekt ist havariert", sagte Technikchef Amann. Im Spätsommer sollen die Arbeiten wieder Fahrt aufnehmen.

Bis dahin will Amann die Verhandlungen mit den beteiligten Baufirmen über die noch zu beseitigenden Mängel und über weitere Arbeiten abgeschlossen haben. "Dann werden wieder richtig Leute auf die Baustelle kommen", so der technische Geschäftsführer des BER.

Erneut Wirbel um Bender

Unterdessen gab es Wirbel um den designierten Chefberater des BER, Wilhelm Bender. Eigentlich hätte der ehemalige Chef des Frankfurter Flughafens am Mittwoch seinen Dienst am BER aufnehmen sollen. Doch eine Pressekonferenz wurde kurzfristig abgesagt. Offiziell hieß es: aus Termingründen. Nach Informationen der Berliner Morgenpost sind sich die Gesellschafter aber über den Arbeitsvertrag von Bender und dessen Honorierung nicht einig. Berlin blockiere den Vertrag, hieß es am Mittwoch.

Auch der Umgang mit dem Nachtflugverbot am BER sorgt für weiteren Ärger. Amann warnte davor, das Nachtflugverbot auszuweiten. "Der Flughafen braucht die Randzeiten, um den Verkehr abwickeln zu können", sagte er. Sie seien "exorbitant wichtig und für einen global operierenden Flughafen ein Muss". Derzeit ist für den BER ein Nachtflugverbot zwischen 0 Uhr und 5 Uhr morgens vorgesehen.

Zwischen 22 und 24 Uhr sowie zwischen 5 und 6 Uhr morgens ist der Flugverkehr unter Einschränkungen erlaubt. So ist unter anderem die Zahl der Starts und Landungen begrenzt. Anwohner halten das nicht für ausreichend.

Wirtschaft reagiert verärgert auf Platzeck

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) hatte vergangene Woche überraschend angekündigt, auf die Forderungen des Volksbegehrens für mehr Nachtruhe am BER eingehen zu wollen. Damit sorgte er vor allem bei Unternehmen und Wirtschaftsverbänden für Empörung. "Es gibt bestimmte Eisen, die sind zu heiß, um damit zu spielen, und dazu zählt mit Sicherheit die Erweiterung des Nachtflugverbots", sagte VBKI-Chef Markus Voigt am Mittwoch.

Brandenburgs SPD griff jedoch Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) scharf an. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Ralf Holzschuher sagte am Mittwoch: "Berlin ist sehr gut beraten, wenn es seine derzeit etwas bockige Verweigerungshaltung aufgibt." Die Hauptstadt müsse sich im Interesse der gesamten Region dafür einsetzen, dass Probleme gelöst werden. Außerdem wünschte sich Holzschuher, "dass man in Berlin das Denken auch ein bisschen, wie sich das für eine nicht provinzielle Stadt gehört, über die Stadtgrenzen hinaus richtet".

Platzeck für Kompromiss

In der Debatte im Brandenburger Landtag verteidigte Platzeck am Mittwoch seine Kehrtwende: "Wenn wir das Volksbegehren ablehnen, folgt eine monatelange Kampagne gegen den Flughafen. Wir haben schon genug Schwierigkeiten mit dem Ruf des Projektes." Er werde sich auch von "manchen Äußerungen aus Berlin nicht davon abbringen lassen", einen Kompromiss zu suchen.

Ein Kompromiss sei keine Sünde, sondern eine Tugend, sagte Platzeck. "Ich werde alles tun, damit dieser Flughafen erfolgreich wird." Er denke dabei immer an Berlin-Brandenburg als eine Region.

Der Brandenburger Landtag nahm das Volksbegehren dann mehrheitlich an. Einer Beschlussvorlage des Infrastrukturausschusses stimmten 62 Parlamentarier zu, es gab fünf Nein-Stimmen und 14 Enthaltungen. Die drei Oppositionsfraktionen CDU, Bündnisgrüne und FDP kritisierten die Kehrtwende Platzecks als unglaubwürdig.

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