27.02.13

Kommentar

Am Flughafen BER gibt es keinen Fortschritt

Ein Neuanfang sollte es werden, als Platzeck die Geschäfte im BER-Aufsichtsrat übernahm. Die Realität ist anders: Blockade statt Neustart.

Foto: dpa
Das Planungschaos rund um den BER zwingt dazu, die Bauarbeiten bis in den Herbst zu vertagen
Das Planungschaos rund um den BER zwingt dazu, die Bauarbeiten bis in den Herbst zu vertagen

Schön wär's. "BER – Europe's most modern Airport" : Dieses Versprechen prangte dieser Tage in großen Buchstaben an der Außenhaut eines Air-Berlin-Langstreckenjets, als er zum Flug von New York nach Berlin startete. Noch so eine Anekdote mit tieferer Bedeutung, die vom Desaster eines Flughafens kündet, der eigentlich längst ein auf Hochtouren laufender Wachstumsmotor für die Hauptstadtregion sein sollte.

Noch eine Posse gefällig? Der "Scheinflughafen" in Schönefeld erstrahlt derzeit Tag und Nacht in Festbeleuchtung, weil niemand den Ausschalter findet. Aber die Lage da draußen im Süden der Stadt ist zu ernst, um sich über sie lustig zu machen.

Am Mittwoch waren es weitere zwei Hiobsbotschaften, die die Serie von Pleiten, Pech und Unvermögen verlängerten. Das Planungschaos rund um und im Rumpfbau BER zwingt dazu, die Wiederaufnahme der vollen Bautätigkeit bis in den Herbst zu vertagen. Wer will angesichts dieses Zeitverlusts jetzt noch glauben oder auch nur hoffen, dass man tatsächlich "schon" im nächsten Jahr auf "Europas modernstem Flughafen" wird landen können? Das zweite Menetekel ist ein personelles.

Dass BER-Aufsichtsratschef Matthias Platzeck den früheren Frankfurter Flughafenchef Wilhelm Bender doch nicht als offiziellen Berater vorstellen konnte, ist mehr als eine Peinlichkeit. Wenn es stimmt, dass Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) aus Verärgerung über seinen Parteifreund und Nachfolger im Vorsitz des BER-Aufsichtsrats Benders Nominierung vorerst verhindert hat, dann belastet das die ohnehin schwierige Suche nach Kandidaten für die vakanten BER-Vorstandsposten weiter. Und ob Bender nach dieser Brüskierung überhaupt noch bereit ist, als Nothelfer einzuspringen, dürfte fraglich geworden sein.

Ein Neuanfang sollte es werden, als Platzeck Anfang des Jahres die Geschäfte im Aufsichtsrat übernahm. Die Realität sieht leider anders aus: Blockade statt Neustart. Zu den technischen und baulichen Mängeln kommt der schwere Vertrauensbruch zwischen den drei Flughafengesellschaftern Berlin, Brandenburg und Bund hinzu, seit Platzeck von der einvernehmlich beschlossenen Nachtflugregelung nichts mehr wissen will. Am Mittwoch nun hat sich auch der Landtag in Potsdam dem Opportunitätsprinzip gebeugt und für eine längere Nachtruhe am BER gestimmt.

Glaubt Matthias Platzeck wirklich, er könne als Krisenmanager den BER an den Start bringen, wenn er populistisch einknickt, statt zu führen und Überzeugungsarbeit bei seinen Brandenburgern zu leisten? Wann sieht er endlich ein, dass Krisenmanagement nicht zu seinen Stärken zählt?

Die Erfahrungen am Ende seiner Zeit als Potsdams Oberbürgermeister oder als SPD-Bundesvorsitzender sollten es ihm leichter machen, den Aufsichtsratsvorsitz aufzugeben. Er ist nicht mehr glaubwürdig. Und was fast übersehen wird: Platzecks Populismus verzögert auch die Schließung Tegels und damit die Umwandlung Tegels in einen Technologiepark der Zukunft. Er handelt damit gleich zweifach gegen wichtige Berliner Interessen.

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