27.02.13

Mängelliste

Am Flughafen BER brennt Tag und Nacht das Licht

Noch immer fehlt ein kompletter Überblick über die Mängel am Hauptstadtflughafen. Doch eine Frage wurde nun beantwortet.

Foto: pure rendering GmbH

Am 3. Juni 2012 sollte der Flughafen Berlin Brandenburg International in Schönefeld eröffnet werden. Vier Wochen vor dem großen Tag wurde die Eröffnung verschoben. Zum zweiten Mal. Denn ursprünglich sollte der BER am 30. Oktober 2011 an den Start gehen.

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Die Bauarbeiten am künftigen Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld sollen im Spätsommer 2013 wieder Fahrt aufnehmen. Bis zum Juni oder Juli laufe eine Bestandsaufnahme, sagte Technikchef Horst Amann am Mittwoch auf einer Veranstaltung des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller in Berlin.

Im dritten Vierteljahr werde mit den beteiligten Firmen über Restarbeiten und Mängelbeseitigung verhandelt. "Dann werden wieder richtig Leute auf die Baustelle kommen." Auch einen neuen Eröffnungstermin werde er frühestens dann nennen, sagte Amann.

Es sei an der Zeit, dass vor dem Bau wieder geplant werde, begründete Amann die umfangreiche Bestandsaufnahme. Teils fehlten noch immer Pläne, in anderen Fällen müsse umgeplant werden.

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Die Inbetriebnahme des BER war wegen Technikproblemen, Baumängeln und Fehlplanungen bereits vier Mal abgesagt worden.

Amann kritisierte den Rauswurf der Generalplaner im vergangenen Jahr. Möglicherweise sei das richtig gewesen, sagte Amann, fügte aber hinzu: "Es wäre besser gewesen, sich vorher zu überlegen, wie ich etwas kompensiere, wenn ich es nicht mehr habe."

Momentan sind nach Amanns Worten täglich 200 bis 300 Arbeiter auf der Baustelle, tätig seien sie in Pavillons neben dem Abfertigungsgebäude und in Treppenhäusern. Wegen Technikproblemen, Baumängeln und Fehlplanungen gibt es derzeit keinen Eröffnungstermin für den Flughafen.

Auch Lichtschalter am Hauptstadtflughafen außer Kontrolle

Amann gab vor den Wirtschaftsvertretern auch Auskunft darüber, warum das Licht Tag und Nacht am BER brennt.

Der nächtliche Anblick des hell erleuchteten neuen Hauptstadtflughafens ist imposant – aber muss auf den 300.000 Quadratmetern Geschossfläche unbedingt das Licht an sein? Wo doch nicht geflogen wird? Bislang lautete die Antwort, Sicherheitspersonal und Reinigungskräfte benötigten das Licht.

"Es brennt Tag und Nacht das Licht da draußen", gab auch Technikchef Horst Amann am Mittwoch zu. Unter Gelächter der versammelten Kaufleute und Industriellen nannte er aber einen ganz anderen Grund: "Auch das hat damit zu tun, dass wir mit der Leittechnik nicht so weit sind, dass wir es steuern können."

"Es trifft zu, dass sich Mängel in der Leittechnik derzeit auch auf die Steuerung der Terminal-Innenbeleuchtung auswirken", sagte ein Sprecher der Flughafengesellschaft. Aber unabhängig davon sei die Beleuchtung in der Nacht auch aus Sicherheitsgründen notwendig.

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Der Technikchef des Hauptstadtflughafens warnte davor, das geplante Nachtflugverbot auszuweiten. An den sogenannten Randzeiten von 22 Uhr bis 0 Uhr und von 5 Uhr bis 6 Uhr dürfe nicht gerüttelt werden, sagte Amann. "Sie sind exorbitant wichtig, sie sind für einen global operierenden Flughafen ein Muss", sagte Amann.

Stagnation im Berliner Luftverkehr erwartet

Die Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld stehen nach Jahren starken Wachstums vor einer Stagnation. "Wir erwarten eine Stabilisierung auf gut 25 Millionen Passagieren", sagte der Technikchef. 2012 hatte Berlin mit 25,1 Millionen Passagieren einen weiteren Rekord erzielt. Zuletzt hätten aber nicht zusätzliche Flüge, sondern nur noch größere Maschinen für Wachstum gesorgt, so Amann.

Der neue Hauptstadtflughafen werde bei seiner Eröffnung die Grenze seiner Kapazität erreichen. Er ist für 27 Millionen Passagiere geplant, der Bau zusätzlicher Abfertigungskapazitäten im neuen Terminal werde aber geprüft.

BER-Chefberater Bender tritt seinen Job an

Der neue Chefberater Wilhelm Bender hat währenddessen am heutigen Mittwoch seinen ersten Arbeitstag am Hauptstadtflughafen. Der frühere Chef des größten deutschen Flughafens in Frankfurt am Main sollte am Nachmittag in Schönefeld seinen Vertrag unterschreiben – im Beisein des Verkehrsstaatssekretärs des Bundes, Rainer Bomba (CDU), und des Brandenburger Flughafenkoordinators Rainer Bretschneider (SPD).

Ein Pressetermin mit Bender wurde allerdings von der Flughafengesellschaft aufgrund "kurzfristiger terminlicher Änderungen" am Mittwochmittag abgesagt.

Mit dem Aufsichtsrat hatte sich der 68-jährige Bender darauf geeinigt, mindestens zwei Tage pro Woche in Berlin zu sein, um Geschäftsführer Horst Amann zu beraten. Den vakanten Chefposten am Hauptstadtflughafen wollte der Manager, der seit 2009 im Ruhestand war, nicht übernehmen. In Schönefeld arbeitet Bender künftig mit einem früheren Kollegen zusammen: Gemeinsam mit Amann hatte er den Ausbau des Frankfurter Flughafens vorangetrieben.

Der Brandenburger Landtag stimmt unterdessen darüber ab, ob das Volksbegehren für mehr Nachtruhe am neuen Flughafen angenommen wird. Die Koalitionäre von SPD und Linkspartei hatten sich überraschend dafür ausgesprochen. Sie wollen nun mit Berlin und dem Bund verhandeln. Die Initiatoren des Volksbegehrens hatten ein Flugverbot von 22 Uhr bis 6 Uhr gefordert, bislang geplant ist 0 Uhr bis 5 Uhr.

Umweltbundesamt gegen generelles Nachtflugverbot

Auch das Umweltbundesamt lehnt ein generelles Nachtflugverbot ab. "Ich glaube, dass ein Industrieland wie Deutschland nicht vollständig auf Nachtflüge verzichten kann, weder für Passagiere noch für Cargo", sagte der Präsident der Behörde, Jochen Flasbarth, in Berlin. "Die Frage ist aber, ob man Nachtflüge überall braucht." Flasbarth forderte ein bundesweites Nachtflugkonzept. Sein Amt arbeite an Kriterien dafür.

Für stadtnahe Standorte wie den neuen Hauptstadtflughafen fordert das Umweltbundesamt ein Flugverbot von 22 Uhr bis 6 Uhr, um die Gesundheit der Anwohner zu schützen. Dafür hat sich unter dem Druck eines Volksbegehrens auch die rot-rote Koalition in Brandenburg unter Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) ausgesprochen.

"Es freut mich, dass der brandenburgische Ministerpräsident das jetzt für richtig hält", sagte Flasbarth. "Ich glaube, dass sich auch mit dieser Nachtflugstruktur ein guter Hauptstadtflughafen organisieren lässt."

Flasbarth zerstreute die Hoffnung, durch andere Flugrouten bedeutend mehr Lärmschutz zu erreichen. "Man kann die Routen drehen wie man will – eine richtige Entlastung bekommt man nicht." Die Eigentümer Bund, Berlin und Brandenburg hätten die Lärmfrage nicht beachtet, als sie den Standort Schönefeld auswählten.

Im Bundesrat konkurrieren am Freitag drei Anträge um besseren Lärmschutz für Flughafenanwohner. Zwei der Initiativen kommen aus den SPD-geführten Ländern Rheinland-Pfalz und Brandenburg, einen Antrag hat das schwarz-gelb regierte Hessen eingebracht.

Alle drei Vorstöße haben zum Ziel, dem Schutz der Bevölkerung vor Fluglärm stärkeres Gewicht zu verleihen. Lärmschutz soll – hinter der Sicherheit – nach dem Willen aller Antragsteller künftig Vorrang vor der Wirtschaftlichkeit bekommen.

Quelle: dpa/sei
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