04.02.13

Pannenflughafen BER

Ex-Fraport-Chef Wilhelm Bender gibt Berlin einen Korb

Er kommt doch nicht. Wilhelm Bender wird nicht die Leitung des Berliner Flughafens übernehmen. Dennoch wird ihn der BER beschäftigen.

Von Gudrun Mallwitz und Viktoria Solms
Foto: dpa

Wilhelm Bender wird nicht BER-Chef, aber möglicherweise in beratender Funktion tätig sein
Wilhelm Bender wird nicht BER-Chef, aber möglicherweise in beratender Funktion tätig sein

Der ehemalige Fraport-Chef Wilhelm Bender wird nicht als Geschäftsführer für den Flughafen BER nach Berlin kommen. Das teilte Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) mit, der den Vorsitz des Aufsichtsrats inne hat. Bender stehe zwar laut Platzeck zur Verfügung, um das Projekt zu unterstützen. Allerdings nicht in der Funktion des Flughafenchefs.

Damit kommt eine mehrere Tage anhaltende Spekulation über einen möglicherweise bevorstehenden Wechsel Benders zu einem ernüchternden Ende.

Sowohl in Berlin als auch in Brandenburg wurde die Nachricht mit Enttäuschung aufgenommen. Die Berliner Grünen-Fraktionschefin Ramona Pop bezeichnete die Absage als einen "schweren Rückschlag". Für Jutta Matuschek, die für die Linken im BER-Untersuchungsausschuss sitzt, zeige die Entscheidung Benders, dass die Arbeit des Berliner Flughafenchefs keine Aufgabe sei, die man mal eben so mit links macht.

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Den CDU-Fraktionschef im Brandenburger Landtag, Dieter Dombrowski verwundert die Absage Benders nicht: "So verfahren, wie das Projekt ist, wird es schwer sein, jemanden zu finden, der ein solches Abenteuer eingeht", sagte er der Berliner Morgenpost. Es gehe "auch um den guten Ruf eines Managers".

Nach Ansicht des Brandenburger Grünen-Fraktionschefs Axel Vogel sei es bezeichnend für die Problemlage, "dass man sich eine Absage nach der anderen holt".

Schwierige Suche nach einem BER-Chef

Offenbar war Bender ursprünglich gar nicht als BER-Chef im Gespräch gewesen. Das erfuhr die Berliner Morgenpost aus Gesellschafterkreisen. Bei der ersten Kontaktaufnahme vor mehreren Wochen wollte man ihn für den Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft gewinnen. Dort hätte Bender möglicherweise den Vorsitz übernehmen sollen.

Dann kam die Absage der für Oktober 2013 geplanten BER-Eröffnung, in deren Folge Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) als Chef des Kontrollgremiums zurücktrat. Platzeck bot sich daraufhin an, sein "politisches Schicksal mit dem Flughafen zu verknüpfen", wie er selbst sagte. Seit der jüngsten Aufsichtsratsitzung vom 16. Januar 2013 hat er den Vorsitz des Gremiums inne. Diese Option gab es daher nicht mehr für Bender.

Bei der selben Sitzung wurde Flughafenchef Rainer Schwarz abgesetzt. Erst dann sollen die Gesellschafter erstmals ernsthaft erwogen haben, Bender möglicherweise die Gesamtführung der Flughafengesellschaft anzuvertrauen.

Dafür sprach einiges. Bender hat von 1993 bis 2009 die Frankfurter Flughafengesellschaft geleitet. In dieser Zeit wandelte er das Verlustgeschäft zu einem profitablen Betrieb mit etwa 27.000 Mitarbeitern um.

Zudem hat er in Frankfurt eng mit dem jetzigen Technikchef des BER, Horst Amann, zusammen gearbeitet. Die beiden haben die Erweiterung des größten deutschen Flughafens gemeinsam vorangetrieben und sind daher miteinander vertraut.

Vor drei Jahren ging Bender in den Ruhestand. Seither ist er unter anderem im Aufsichtsrat von Bombardier und bei Eintracht Frankfurt tätig.

Offenbar ist er damit auch ausreichend beschäftigt. Diese Tätigkeiten hätte er nämlich sehr wahrscheinlich aufgeben müssen, wenn er als Flughafenchef nach Berlin gekommen wäre. Denn nach der vierten Terminabsage für die Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens liegen die Nerven bei allen Beteiligten blank. Für diese Aufgabe braucht man jemand, der das Risiko nicht scheut und sich mit voller Kraft dafür einsetzt.

Bender als Berater für den Aufsichtsrat

Immerhin wird Bender das Projekt dennoch unterstützen. Laut einem Sprecher des Fußballclubs Eintracht Frankfurt, dessen Aufsichtsrat Bender führt, soll sich der 68-Jährige bereit erklärt haben, dem BER bei der Lösung der anstehenden Probleme zu helfen. "Wie die Unterstützung konkret aussehen wird, ist Gegenstand von Gesprächen mit dem Vorsitzenden des Aufsichtsrates und den Vertretern der anderen Gesellschafter", so der Sprecher.

Sehr wahrscheinlich wird Bender einem Expertengremium angehören, das den Aufsichtsrat künftig beraten soll. Vorübergehend hatte man überlegt, den Aufsichtsrat insgesamt zu erweitern. Davon ist man mittlerweile aber offenbar wieder abgekommen. Stattdessen soll ein Beratergremium zusammen gestellt werden.

Die Suche nach einem Geschäftsführer geht indes weiter. Platzecks Sprecher wies darauf hin, dass der Aufsichtsratsvorsitzender für die Suche nach einem neuen Flughafenchef Zeit eingefordert habe. Der Prozess vertrage keine Hektik. Zumal man man auch noch einen Geschäftsführer finden muss, der sich um die Finanzen der Flughafengesellschaft kümmern wird.

Allerdings gestaltet sich diese Suche offenbar als schwierig. Mehrere Kandidaten sollen bereits abgesagt haben. Der Aufsichtsrat sucht daher professionelle Unterstützung bei einer Personalberatung. Hier will man sich von mehreren Firmen Angebote einholen. Diese treffen dann eine Vorauswahl möglicher Kandidaten und präsentieren sie dem Aufsichtsrat.

Dabei beschränkt man sich nicht auf Deutschland, sonder schaut auch, ob es an Flughäfen in Österreich und der Schweiz Manager mit der entsprechenden Erfahrung gibt.

Ob sich viele Top-Manager für den Posten interessieren, ist fraglich. Der finanzielle Anreiz ist begrenzt. Rainer Schwarz verdiente 2011 knapp eine halbe Million Euro. Die Summe setzte sich laut dem jüngsten Geschäftsbericht aus einem festen Gehalt sowie erfolgsabhängigen Boni und Rücklagen für die Altersvorsorge zusammen. Im Vergleich zu anderen Großflughäfen ist diese Vergütung eher durchschnittlich. Doch recht viel mehr kann sich die Berliner Flughafengesellschaft eigentlich nicht leisten.

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