24.01.13

Kommentar

Endlich gemeinsam Lösungen suchen

Die Verzögerung des BER-Starttermins bietet auch Chancen, meint Viktoria Solms.

Der neue Hauptstadtflughafen BER ist finanziell und planerisch am Nullpunkt angelangt. Bis das erste Flugzeug abhebt, vergeht mindestens ein Jahr, vielleicht sogar zwei. Und genau darin steckt eine Chance. Die Politiker sollten die Zeit nutzen und auf die Anwohner zugehen. Denn die Region braucht einen neuen und eleganten Flughafen, der von den Bürgern akzeptiert wird. Auch wenn sich daran momentan keiner mehr erinnern mag.

An der Entscheidung des Berliner Oberverwaltungsgerichts über die Wannseeroute zeigt sich das Grundproblem des BER. Kaum einer in der Bevölkerung will ihn dort haben, wo er nun einmal laut Beschluss von 1996 steht. Sollten sich die Bürgerinitiativen am Ende tatsächlich durchsetzen, hätten sie das Problem nur verlagert, nicht gelöst. Dann wären eben andere Anwohner vom Lärm am Himmel betroffen. Die könnten dann natürlich auch wieder klagen und würden vielleicht eine Tankstelle oder ein Einkaufszentrum finden, bei dem es extrem ungünstig wäre, wenn ein Flugzeug hineinstürzt.

Es ist schwierig geworden, überhaupt noch einen Berliner zu finden, der sich offen auf den neuen Hauptstadtflughafen freut. Wie soll es auch anders sein, wenn jede neue Nachricht automatisch eine schlechte ist? Im Rest von Deutschland macht man sich genüsslich über Berlin lustig. Im Ausland fragt man sich, wieso die Deutschen in ihrem eigenen Land keinen Flughafen bauen können, wenn sie es überall sonst auf der Welt hinbekommen. Doch alle Beteiligten müssen nun endlich einmal eine Wahrheit erkennen, die in Form eines rechteckigen Betonklotzes mit Glas und Säulen in Schönefeld steht: Der BER wird nicht mehr verschwinden. Man kann sich nur mit ihm arrangieren. Und da hilft es nichts, wenn sich die Bürger gegenseitig ausspielen.

Am BER entlädt sich derzeit jede aufgestaute Wut, jede Frustration, die man als Berliner gegenüber seiner Stadt hat. Den ganzen Flughafen abzureißen und in die brandenburgische Wildnis nach Sperenberg zu verlegen erscheint immer mehr Leuten als die einzig sinnvolle Alternative. Wenn sie über den BER sprechen, dann nur noch voller Zynismus. Doch das Hauptproblem des BER ist nicht das zu kleine Terminal. Auch nicht die kaputte Brandschutzanlage. Und selbst wenn es angesichts der jüngsten Gerichtsentscheidung anders aussieht: Der Streit über die Flugrouten wird sich ebenso lösen lassen wie der Schallschutz. Das Hauptproblem des BER ist sein desaströses Image.

Für den BER gute Stimmung zu machen ist daher für die Verantwortlichen die größte Herausforderung. Sie müssen es schaffen, die Bevölkerung für einen Flughafen zu begeistern, der Berlin in der ganzen Welt blamiert hat. Der doppelt so teuer wird wie ursprünglich angenommen. Dessen Eröffnung vier Mal verschoben wurde. Der viele Menschen auch belasten wird, auch wenn er der Stadt was bringt. Sie sollten sich daher trauen, den Anwohnern wieder direkt ins Gesicht zu schauen. Auf Bürgerversammlungen zu gehen und sich dort die Bedenken der Leute anhören, um Lösungen zu suchen. Flugrouten festlegen, mit denen alle halbwegs leben können. Auf diese Weise werden die Berliner den BER vielleicht nicht gleich lieben, aber annehmen.

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