19.01.13

BER-Debakel

Flüge sollen von Tegel nach Schönefeld verlegt werden

Tegel bleibt der Hauptstadtflughafen - vielleicht für Jahre. Die Anwohner leiden unter dem Lärm. Politiker fordern Entlastungen.

Von Sabine Flatau und Viktoria Solms
Foto: dapd

Ein Flugzeug startet am Flughafen Tegel. Der Airport stößt an seine Kapazitätsgrenzen
Ein Flugzeug startet am Flughafen Tegel. Der Airport stößt an seine Kapazitätsgrenzen

Tegel wird auf unbestimmte Zeit der Hauptstadt-Flughafen bleiben. Politiker aller Parteien fordern daher die Airlines auf, die Lärmbelastung für die Anwohner so gering wie möglich zu halten. Nach Ansicht von Kai Wegner, Generalsekretär der Berliner CDU, sollen die Fluggesellschaften ihr Streckenangebot zumindest teilweise von Tegel nach Schönefeld verlagern.

Es sei wichtig, die Anwohner des Flughafens Tegel zu entlasten, sagte Wegner. Nachdem der Eröffnungstermin des neuen Flughafens BER erneut abgesagt worden war, gebe es am alten Flughafen in Schönefeld derzeit weniger als 100 Flugbewegungen pro Tag, in Tegel seien es dagegen mehr als 300.

Hier solle laut Wegner eine spürbare Entlastung erzielt werden, indem 50 Flugbewegungen nach Schönefeld verschoben werden. "Damit dies gelingen kann, sind für die Fluggesellschaften Anreize zu schaffen", sagte Wegner.

Auch Jörg Stroedter, SPD-Abgeordneter aus Reinickendorf, bezeichnet eine Entlastung der Bürger rund um Tegel als "absolut zwingend". Zwischen den beiden alten Berliner Flughäfen habe sich ein Ungleichgewicht aufgebaut. "Während Schönefeld gerade mal zu zwei Drittel ausgelastet ist, platzt Tegel aus allen Nähten", so Stroedter.

Die Flughafengesellschaft müsse daher dringend mit den Vertretern der Airlines sprechen, um eine Lösung zu finden. "Zumal sich die Eröffnung des BER nicht nur um ein paar Monate, sondern möglicherweise sogar mehrere Jahre verschiebt", sagt Stroedter.

Air Berlin will Drehkreuz aufbauen

Freiwillig werden sich die Airlines allerdings nicht bewegen. Sie haben ihr Streckenangebot in Erwartung des neuen Hauptstadtflughafens teils deutlich ausgeweitet. Die Nummer eins am Standort, Air Berlin, will hier ein Drehkreuz aufbauen, bei dem Passagiere innerhalb kurzer Zeit umsteigen und zu ihrem eigentlichen Endziel weiterbefördert werden.

Konkurrent Lufthansa fliegt nun von Berlin aus viermal so viele Ziele an wie zuvor und hat damit fast zur Air Berlin aufgeschlossen. All diese Strecken müssen nun von Tegel aus bedient werden.

"Die Flughafengesellschaft kann die Airlines nicht zwingen, von Tegel nach Schönefeld zu gehen", sagt Andreas Otto, der für die Grünen im Untersuchungsausschuss zur Aufklärung des BER-Debakels sitzt. "Obwohl der Platz in Tegel eng ist, ziehen ihn die meisten Passagiere gegenüber Schönefeld vor."

German Wings verlagert Flüge

Neben den Kosten war dies auch ein Grund für die Lufthansa, im Herbst vergangenen Jahres die Flüge ihrer Tochter Germanwings von Schönefeld nach Tegel zu verlagern. "Man muss daher mit den Airlines einen sinnvollen Dialog führen und sie gegebenenfalls mit wirtschaftlichen Argumenten locken", sagt Otto. So könnte man ihnen in Schönefeld beispielsweise deutlich niedrigere Start- und Landegebühren bieten.

Matthias Köhne (SPD), Bürgermeister von Pankow, fordert zudem, dass "das Nachtflugverbot für den Flughafen Tegel in dem Zeitraum von 23 Uhr bis sechs Uhr ausnahmslos eingehalten wird". Anwohner hatten sich schon mehrfach beschwert, dass auch außerhalb der Betriebszeiten noch Flieger in Tegel landen. "Verspätete oder Postflüge in dieser Zeit sind konsequent nach Schönefeld umzuleiten", sagt Köhne.

Kai Wegner betonte gleichzeitig die Bedeutung des BER für die Region: "Der BER ist das größte und wichtigste Infrastrukturprojekt der Hauptstadtregion und hat das Potenzial, Motor für Wirtschafts- und Beschäftigungswachstum zu werden."

Um die Fehler bei dem Projekt aufzuklären, will sich seine Partei für eine Sonderkommission BER einsetzen. "Diese soll in der Senatskanzlei angesiedelt sein und die fachlichen und personellen Kompetenzen der Senatsverwaltungen bündeln", so Wegner. Auf diese Weise könnte die Sonderkommission BER die durch das Land Berlin gestellten Mitglieder des Aufsichtsrats unterstützen.

Das Gremium soll von der Flughafengesellschaft alle 14 Tage über die Fortschritte beim Flughafenbau unterrichtet werden. Eine solche Gruppe gibt es schon im Haus von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU). Sie wurde nach Absage der für Juni 2012 geplanten BER-Eröffnung gegründet.

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