17.01.13

Geschäftsführer

Münchner Flughafenchef will nicht zum BER

Thomas Weyer will nicht als Geschäftsführer zum BER wechseln. Aufsichtsratschef Platzeck stellt sich auf eine lange Suche ein.

Von Joachim Fahrun, Viktoria Solms
Foto: dapd

Ausschussarbeit: Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD), Flughafen-Technikchef Horst Amann und Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU, v.l.)
Ausschussarbeit: Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD), Flughafen-Technikchef Horst Amann und Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU, v.l.)

Am Tag eins nach seiner Wahl als Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafengesellschaft erhielt Matthias Platzeck (SPD) eine Absage. Thomas Weyer, der Geschäftsführer des Flughafens München, stehe "für einen Wechsel nach Berlin definitiv nicht zur Verfügung", sagte ein Sprecher des Münchner Flughafens.

Große Hoffnungen, rasch ein neues Gesicht an der Spitze der Berlin-Brandenburger Flughafengesellschaft präsentieren zu können, hat Matthias Platzeck nicht. Das werde einige Wochen dauern, sagte der neue Aufsichtsratsvorsitzende des Flughafens am Donnerstag den Abgeordneten im Verkehrsausschuss des Bundestages und bekräftigte damit seine Einschätzung, die er tags zuvor am Rande der Flughafen-Aufsichtsratssitzung abgegeben hatte.

Kandidaten brauchen "fast maximale Managementfähigkeiten"

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) lieferte schon mal die Stellenbeschreibung für potenzielle Bewerber. Absolut erstklassig brauchen diese offenbar gar nicht zu sein. Ramsauer zufolge muss ein möglicher Kandidat nur "fast maximale Managementfähigkeiten" mitbringen. Der Posten ist seit Mittwoch vakant, nachdem Vorgänger Rainer Schwarz als Geschäftsführer gefeuert wurde.

Um das Flughafendebakel endlich zu beenden, brauche man jemand "der das Luftverkehrsgeschäft kennt, der den Betrieb eines Flughafens kennt", sagte Ramsauer am Donnerstag im ARD-Morgenmagazin. Außerdem müsse der neue Flughafenchef darauf brennen, "eine solche Aufgabe und Herausforderung von fast nationaler Bedeutung auch bei den Hörner zu packen". Für soviel Leistungsbereitschaft winken ein Jahresbruttogehalt von mindestens 350.000 Euro plus Boni.

350.000 Euro brutto plus Boni

Gemeinsam mit Ramsauer und dem Baugeschäftsführer der Flughafengesellschaft, Horst Amann, berichtete Platzeck im Ausschuss über die Lage in Schönefeld. Nach der Bestandsaufnahme müsse noch mit den Behörden die Genehmigungsfähigkeit geklärt werden. "Und dann kann man seriös einen neuen Eröffnungstermin benennen", sagte Platzeck. "Alles, was vorher genannt wird, hat keine Grundlage und wäre deshalb nicht seriös." Sicher sei nur, dass es noch mehrere Monate dauern werde, ehe man einen neuen Termin anpeilen könne. Die Bestandaufnahme und nötigen Umplanungen würden voraussichtlich bis zum Sommer dauern.

Platzeck betonte, dass es nur eine Chance gebe, dass Projekt erfolgreich zu Ende zu führen, wenn Berlin, Brandenburg und der Bund als Anteilseigner zusammenarbeiten. "Und ich gehe davon aus, dass das auch passieren wird." Auch Ramsauer sagte, dass jetzt alles dafür getan werden müsse, damit der Flughafen fertig gebaut werde und in Betrieb gehen könne.

Klaus Wowereit, Berlins als Aufsichtsratsvorsitzender abgelöster Regierender Bürgermeister, äußerte sich ähnlich. "Es wird nicht leicht in den nächsten Wochen und Monaten", sagte Wowereit. Nur mit mehr Kooperation könne man das Projekt zum Erfolg führen. "Es sollten lieber mehr Bauarbeiter auf der Baustelle sein als Juristen", sagte Wowereit und spielte auf die Rechtsstreitigkeiten zwischen Flughafen und den gekündigten Generalplanern an.

Vertreter des Planungsbüros berichteten im Verkehrsausschuss, der Flughafen sei zu 96 Prozent fertig. Es habe in ihrer Zeit rund 500 Änderungswünsche des Bauherrn gegeben.

Einer der wichtigsten Kunden der Berliner Flughäfen, die Deutsche Lufthansa, warnt am BER jetzt vor zu großer Eile.

"Jetzt ist eine sorgfältige Bestandsaufnahme der BER-Baustelle wichtig, denn der nächste Aufschlag muss sitzen", sagte Lufthansa-Vorstandschef Christoph Franz am Donnerstag bei einem Unternehmerfrühstück der Berliner Industrie- und Handelskammer. Zugleich mahnte er an, dringend notwendige Investitionen an dem alten Berliner Flughafen vorzunehmen. "Tegel wird nun auf unabsehbare Zeit der Hauptstadtflughafen und damit die Visitenkarte Berlins bleiben", sagte Franz. Daher müssten insbesondere die Gepäckbänder besser gewartet und gegebenenfalls erneuert werden. Tegel war ursprünglich für sechs Millionen Passagiere ausgelegt und fertigt nun die dreifache Menge ab. Das führt zu einer Überlastung der vorhandenen Einrichtungen.

Im Ausland werde das BER-Debakel weniger schlimm genommen als in Deutschland selbst, sagte Franz. "Wir müssen hier zur Sachlichkeit zurückkehren", sagte Franz. Auch andere große Infrastrukturprojekte seien schon verspätet fertig geworden.

Die Airline hatte ihr Streckenangebot in Erwartung des neuen Hauptstadtflughafens deutlich ausgeweitet und in den vergangenen Jahren 60 Millionen Euro in den Standort investiert.

Franz gab ein klares Bekenntnis zum Engagement in der Hauptstadt ab. "Berlin ist ein ganz besonderer Standort für die Lufthansa", sagte Franz. Hier wurde die Airline 1926 gegründet. Während der Teilung durfte die deutsche Fluggesellschaft hier nicht landen. Nach der Wende beschäftigte die Lufthansa gerade mal 50 Mitarbeiter in der neuen deutschen Hauptstadt. Heute sind es 3500. "Das zeigt wie groß die Wachstumsdynamik in Berlin tatsächlich ist", sagt Franz.

Der BER sei natürlich ein entscheidender Grund gewesen, hier noch stärker zu investieren. Die Airline hat ihr Streckenangebot vervierfacht, ein weltweites Callcenter gegründet und ein Flugsimulatorzentrum für Piloten aufgebaut. Die Terminabsage hat Deutschlands größte Airline überrascht. So steht die neue Wartungshalle seit vergangenem Frühjahr leer und ungenutzt in Schönefeld.

Auf der neueingerichteten Hotline für notleidende Geschäftsleute auf dem neuen Hauptstadtflughafen BER sind bislang noch keine Anfragen eingegangen. Das teilte Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) am Donnerstag in der Fragestunde des Abgeordnetenhauses mit. Der Berliner Senat hatte die Hotline eingerichtet, nachdem die Eröffnung des Airports erneut verschoben worden war. Sie soll betroffenen Unternehmen Unterstützung vermitteln.

Nach Angaben der Senatorin sind in den letzten Monaten bereits eine Vielzahl von Einzelfallregelungen mit Unternehmen getroffen worden, die unter der Verschiebung der Eröffnung des Airports zu leiden haben. In zwei Fällen gehe es derzeit um Überbrückungshilfen von der Investitionsbank. Zudem würden acht weitere am Airport engagierte Unternehmen von der Bürgschaftsbank begleitet.

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