16.01.13

BER-Debakel

BER-Technikchef rechnet mit Flughafeneröffnung im Jahr 2015

Diese Einschätzung gab Amann dem ZDF. Der umstrittene Flughafenchef Rainer Schwarz musste am Mittwoch wie erwartet seinen Hut nehmen.

Foto: dpa

Rainer Schwarz (56), Sprecher der Flughafen-Geschäftsführung, ist seit Monaten unter Beschuss. Er soll den Aufsichtsrat zu spät und unvollständig über die Riesenprobleme mit der Gebäudetechnik informiert haben. Nun muss er gehen.

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Wegen der Krise um den künftigen Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg muss der Chef der Betreibergesellschaft, Rainer Schwarz, gehen. Das beschloss der Aufsichtsrat, wie der neue Vorsitzende des Kontrollgremiums, Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD), am Mittwoch am Rande einer Sondersitzung in Schönefeld mitteilte.

"Herr Schwarz hat sein Dienstzimmer geräumt und den Betrieb verlassen", sagte Platzeck. Schwarz wird maßgeblich für die mehrfach geplatzte Verschiebung des Eröffnungstermins verantwortlich gemacht. Vor allem der Bund als Mitgesellschafter hatte massiv auf eine Ablösung gedrängt.

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Ein Nachfolger werde jetzt gesucht. Platzeck ließ offen, wie lange die Suche nach einem neuen Geschäftsführer dauern werde. Er wies darauf hin, dass die drei Gesellschafter Berlin, Brandenburg und der Bund nicht jeden bezahlen könnten, der für den Job infrage komme.

Offenbar Technischer Leiter des Münchner Flughafens im Gespräch

Platzeck sagte, dass die Geschäftsführung in erster Linie für das Gelingen zuständig sei. So soll neben dem technischen Leiter Amann ein Experte für Finanzen berufen werden. "Die Schlüsselfunktion hat die Besetzung der Geschäftsführung", betonte er. In Kreisen der Gesellschafter hieß es, Favorit von Bund und Ländern für die Besetzung des Chefpostens sei der derzeitige technische Leiter des Münchner Flughafen, Thomas Weyer. Weyer hatte bereits bis Ende 2008 am Berliner Flughafen mitgearbeitet.

Namen wollte Platzeck jedoch auch auf Nachfrage nicht nennen, deutete aber an, dass die Suche angesichts der massiven Probleme auf der Baustelle länger dauern könne. "Natürlich hängt es auch davon ab, wer will", sagte Platzeck. Weyer gilt auch als möglicher Nachfolger auf dem Chefposten des florierenden Münchner Flughafens.

Als vordringliche Aufgabe nannte der SPD-Politiker zudem, auf der Baustelle wieder Vertrauen zwischen Planern, Genehmigungsbehörden und Baufirmen zu schaffen. Eine komplette Neuplanung mit Neubau solle vermieden werden, einige Bauabschnitte könnten möglicherweise noch genehmigungsfähig sein. Für die Region sei ein Erfolg des Großflughafens entscheidend: "Das bleibt für das gesamte Land Brandenburgs das Schlüsselprojekt per se", sagte Platzeck. Verbunden sei damit sein Schicksal als brandenburgischer Ministerpräsident. "Das liegt so klar auf der Hand wie irgendetwas", sagte Platzeck.

Eröffnung wohl nicht vor dem Jahr 2015

Auch neue Aussichten auf einen Eröffnungstermin konnte Platzeck nicht geben. Es werde noch "einige Monate" dauern, ehe ein neuer Starttermin für den Hauptstadtflughafen BER genannt werden kann, sagte Brandenburgs Ministerpräsident.

Platzeck war zuvor zum neuen Aufsichtsratsschef gewählt worden. Er übernahm in dieser Funktion die Nachfolge von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD).

Dagegen rechnet Technikchef Horst Amann damit, dass der Hauptstadtflughafen erst 2015 fertig wird. Die Einschätzung habe er dem ZDF gegeben, teilte der Sender am Mittwoch mit. In einem Interview für die Dokumentation "ZDFzoom: Verschoben, Verplant, Verbaut – Das Flughafen-Fiasko von Berlin" (Ausstrahlung 22.45 Uhr) habe Amann betont, in den kommenden Monaten müsse zunächst der aktuelle Bauzustand ausführlich untersucht werden. Erst danach könnten die Arbeiten wieder aufgenommen werden. Ein Termin im Herbst 2014 sei unter diesen Umständen nur noch unter optimalen Bedingungen einzuhalten. "Ich gehe eher von 2015 aus", erklärte Amann den Angaben zufolge.

Wowereit und Platzeck stürzen in Umfragen ab

Das Großflughafen-Debakel lässt auch die Umfragewerte für Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit und Brandenburgs Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (beide SPD) in den Keller rauschen. Beide Aufsichtsräte der Flughafengesellschaft stürzten in einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage von Infratest dimap im Auftrag des RBB ab.

Demnach sind nur noch 24 Prozent der Berliner mit der Arbeit von Wowereit zufrieden, 71 Prozent sind unzufrieden. 47 Prozent der Berliner fordern den Rücktritt Wowereits als Regierungschef, 49 Prozent sprachen sich dagegen aus.

Platzeck erreicht den Angaben zufolge so niedrige Zufriedenheitswerte wie nie zuvor. Mit seiner politischen Arbeit ist nur noch die Hälfte der Brandenburger zufrieden, 40 Prozent sind der Umfrage zufolge unzufrieden.

Die Mehrheit der Befragten traut Platzeck auch nicht zu, dass er nach der Ablösung Wowereits als Chef des Flughafen-Aufsichtsrates das Ruder herumreißen kann. Nur 38 Prozent glauben, dass er die Probleme am Flughafen in Schönefeld in den Griff bekommt.

Die Meinungsforscher befragten zu Beginn der Woche je 750 Berliner und Brandenburger.

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Quelle: BM
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