09.01.13

Flughafen BER

Kanzlerin Merkel "beunruhigt" über BER-Debakel

Nach der Verschiebung des Termins gibt es Vorbehalte gegen Platzeck als Aufsichtsratschef. SPD hielt Wowereit von Rücktritt ab.

Foto: dpa

Geisterhaft leer ist das Gelände vor dem neuen Terminal des Hauptadtflughafens BER
Geisterhaft leer ist das Gelände vor dem neuen Terminal des Hauptadtflughafens BER

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist unzufrieden mit den Vorgängen am neuen Berliner Flughafen. Merkel sei "natürlich beunruhigt über die Meldungen, die uns nun in regelmäßigen Abständen von der Baustelle erreichen", sagte ihr Sprecher Steffen Seibert am Mittwoch.

Zu den Spekulationen um die Spitze des Aufsichtsrats wollte er nicht Stellung nehmen. "In der Aufsichtsratssitzung wird das Verkehrsministerium die einheitliche Meinung der Bundesregierung federführend vertreten", kündigte Seibert an.

Unterdessen gibt es offenbar im Bundesfinanzministerium Vorbehalte gegen den Brandenburger Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD) als neuen Aufsichtsratschef der Berliner Flughafengesellschaft. Stattdessen solle ein unabhängiger Experte aus der Wirtschaft Chef des Gremiums werden. Entsprechende Informationen der Wochenzeitung "Die Zeit" wurden am Mittwoch in Ministeriumskreisen bestätigt.

Ein Sprecher des Finanzministeriums bezeichnete den Bericht dagegen als "Spekulation". Noch am Montag hatten die drei Gesellschafter erklärt, dass der Aufsichtsratsvorsitz nach dem Rückzug von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) "künftig von Brandenburger Seite wahrgenommen" werden solle.

Die Berufung ist jedenfalls noch nicht beschlossene Sache. "Es gibt selbstverständlich noch Gespräche zu führen", sagte ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums. Sein Haus strebe an, dass sich die Gesellschafter – der Bund sowie die Länder Berlin und Brandenburg – vor der nächsten Aufsichtsratssitzung am 16. Januar auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen werden, sagte der Sprecher. "Es macht Sinn, dass die drei Gesellschafter sich einig sind." Bei der Sitzung soll der neue Chef gewählt werden.

Der Sprecher des Verkehrsministeriums bezeichnete den Wechsel von Wowereit zu Platzeck nun als eine "Variante", über welche die Gesellschafter am Montag gesprochen hätten. "Ein Beschluss muss der Aufsichtsrat fassen", der kommende Woche tage, betonte der Sprecher.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hatte dagegen keine Vorbehalte gegen die Rochade im Aufsichtsratsvorsitz verlauten lassen. Der Wechsel von Wowereit zu Platzeck war am Montag nach einem Treffen der Gesellschafter bekanntgegeben worden, an dem neben den beiden Länderchefs Verkehrs-Staatssekretär Rainer Bomba teilgenommen hatte. Ramsauer hatte Wowereits Rückzug anschließend mit Respekt zur Kenntnis genommen und Platzeck viel Glück gewünscht.

Auch Regierungssprecher Seibert wollte zu den Spekulationen nicht Stellung nehmen. "In der Aufsichtsratssitzung wird das Verkehrsministerium die einheitliche Meinung der Bundesregierung federführend vertreten", kündigte Seibert an.

>>>Das große Special zum BER-Debakel mit interaktiver Timeline

Im Aufsichtsrat sitzt für den Bund neben Staatssekretär Bomba der Staatssekretär im Finanzministerium, Werner Gatzer. Der Bund ist mit 26 Prozent der Anteile der kleinste Gesellschafter. Brandenburg und Berlin halten jeweils 37 Prozent.

Berlins SPD stellt sich geschlossen hinter Klaus Wowereit

In Berlin stärkte die SPD erneut dem angeschlagenen Regierenden Bürgermeister demonstrantiv den Rücken. Der Landesverband habe die klare Entscheidung getroffen, dass Wowereit als Regierungschef weitermachen solle, sagte Landeschef Jan Stöß am Mittwoch im RBB-Inforadio. Über vermeintliche Rücktrittsangebote Wowereits sagte er: "Dass es konkret darum ging, zurückzutreten, ist eine Übertreibung."

Der Nachrichtenagentur dpa sagte Stöß dagegen, dass Wowereit sich am Wochenende wegen der vierten Verschiebung des Flughafen-Eröffnungstermins zum Rückritt bereiterklärt hatte. "In dieser Situation haben sowohl SPD-Chef Sigmar Gabriel als auch ich ihn gebeten, zu bleiben", sagte Stöß. Er finde es richtig, dass Wowereit gesagt habe, man müsse Verantwortung für den Flughafen und für die Stadt übernehmen.

SPD-Chef Stöß betonte am Mittwoch, die Partei stehe solidarisch zu Wowereit. Bei der Abstimmung über das Misstrauensvotum der Opposition am Sonnabend im Abgeordnetenhaus rechne er mit einer breiten Unterstützung für den Regierenden Bürgermeister: "Ich gehe davon aus, dass Klaus Wowereit mindestens die Stimmen der Koalitionsfraktionen vollständig kriegen wird."

Nach Einschätzung des Politikwissenschaftlers Gero Neugebauer hat der Regierende Bürgermeister zwar an Macht, nicht aber an Rückhalt in seiner Partei verloren. Es heiße noch nicht: "Den wollen wir jetzt so schnell wie möglich loswerden", sagte der Professor der Freien Universität Berlin im Deutschlandfunk.

Verdienst von 1,8 Millionen für Schwarz auch nach Ablösung

Wie die "Bild"-Zeitung unterdessen berichtete, hat Flughafenchef Schwarz im Fall einer Ablösung durch den Aufsichtsrat noch bis 2016 Anspruch auf volle Bezüge. Im Fall eines Widerrufs der Bestellung zum Geschäftsführer durch Beschluss des Aufsichtsrats ende sein Arbeitsverhältnis erst nach Ablauf der Vertragszeit, schreibt das Blatt und beruft sich auf den Arbeitsvertrag des Flughafengeschäftsführers. Nach Angaben des Flughafens läuft der Vertrag von Schwarz noch bis Mai 2016.

Schwarz habe 2011 laut Geschäftsbericht 318.000 Euro Grundgehalt, 22.000 Euro für Sonderleistungen (Dienstwagen A8, Kranken- und Rentenversicherung) sowie 178.000 Euro für seine Altersvorsorge verdient, heißt es weiter. Bis Mai 2016 würde er demnach rund 1,8 Millionen Euro beziehen.

Fluggesellschaften fürchten Millionenverluste

Die Verzögerungen könnten die Fluggesellschaften nach eigener Einschätzung Hunderte Millionen Euro kosten. Bis der Airport im Südosten Berlins betriebsbereit sei, könne der Schaden "leicht ein dreistelliger Millionenbetrag sein", sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), Klaus-Peter Siegloch, am Mittwoch im Deutschlandfunk.

Wie die Unternehmen darauf juristisch reagierten, sei noch nicht endgültig entschieden, die Fluggesellschaften gingen aber eher von einer Schadenersatzpflicht aus, sagte Siegloch weiter. Air Berlin habe dazu bereits eine Feststellungsklage eingereicht. Insgesamt sei der Neubau inzwischen ein "Trauerspiel", sagte Siegloch, "bei dem einem langsam auch die Worte fehlen".

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams
U.S. President Barack Obama and First Lady Michelle wave as they board Air Force One to depart from Berlin
Aktualisiert vor 27 MinutenMinutenprotokoll
Obama in Berlin – Bye Bye, Mr. President

US-Präsident Barack Obama, Ehefrau Michelle und die Töchter Sasha und Malia haben in Berlin ein eng getaktetes Programm absolviert. Der Tag der Obamas im Minutenprotokoll. mehr...

Dritter Gang  Königsberger Klopse, Rote Bete und Stampfkartoffel
19:26Abendessen
Obamas Berliner Menü - die Rezepte zum Nachkochen

Eigentlich hat Zwei-Sterne-Koch Tim Raue ein Faible für Asien – für den Empfang des US-Präsidenten und die Kanzlerin kocht er aber bodenständig. Ein Gericht ist trotzdem sehr aufwendig geraten. mehr...

Obama in Berlin
21:06Obama in Berlin
Michelle Obama und ihr Gespür für Mode - eine Stilkritik

Besonders Michelle Obama zieht mit ihrem Outfit die Blicke auf sich. Ihre Töchter Sasha und Malia stehen ihr da in nichts nach. Wir zeigen, wie stylish der Berlin-Ausflug der Präsidentenfamilie ist. mehr...


„Das Internet ist für uns alle Neuland“, sagte Kanzlerin Merkel in einer Pressekonferenz mit US-Präsident Obama
20:30Häme bei Twitter
"Die kleine Angela möchte aus #neuland abgeholt werden"

Mit einer Bemerkung über das Internet zog Kanzlerin Merkel im Netz viel Spott auf sich. In Sekundenschnelle wurde "#Neuland" zum meistdiskutierten Begriff auf Twitter in Deutschland. mehr...

Leser-Kommentare 4 Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
Top-Thema

Aus dem Bett ihrer Suite im „Ritz-Carlton“ kann das Präsidentenpaar auf den Potsdamer Platz schauen
Obamas Hotel in Berlin

Hier übernachtet die First Familiy

Video Nachrichten mehr
Berlin-Besuch Obamas Rede in voller Länge
Berlin-Besuch Absperrungen und Hitze am Brandenburger Tor
Deutschland-Besuch Familie Obama zu Gast in Berlin
Berlin-Besuch Obama von Bundespräsident Gauck empfangen
 
title
Abi 2012

Hier finden Sie eine Übersicht der Abiturienten.mehr

1085783744.jpg
Ausbildung 2013

Ratschläge zur erfolgreichen Gestaltung und zur Berufswahlmehr

Bildschirmfoto 2013-05-07 um 15.39.57.png
Outletcenter

Diese Outletcenter bieten gute Ware zu günstigen Preisen... mehr

Top Bildershows mehr
US-Präsident

Barack Obama und sein Tag in Berlin

Eigenes Programm

First Lady Michelle Obama in Berlin

First Lady

Das ist die Stilikone Michelle Obama

Staatsbesuch

Von Kennedy bis Bush – US-Präsidenten in Berlin

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote