07.01.2013, 07:18

Termin-Debakel Der Großflughafen BER öffnet frühestens 2014


Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) wollte zuletzt auch keine Garantie dafür abgeben, dass der BER am 27. Oktober 2013 eröffnet wird

Foto: TOBIAS SCHWARZ / REUTERS

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) wollte zuletzt auch keine Garantie dafür abgeben, dass der BER am 27. Oktober 2013 eröffnet wird Foto: TOBIAS SCHWARZ / REUTERS

Von Joachim Fahrun und Gudrun Mallwitz

Der BER geht nicht Ende Oktober 2013 an den Start. Dass dieser Termin nicht zu halten ist, verkündete aber nicht die Flughafengesellschaft.

Die Eröffnung des Hauptstadtflughafens BER wird schon wieder verschoben: Wie die Berliner Morgenpost aus Regierungskreisen erfuhr, muss auch der für 27. Oktober 2013 geplante Eröffnungstermin abgesagt werden. Dies soll am heutigen Montag bekannt gegeben werden. Zudem ist ein Spitzentreffen mit Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit und Brandenburgs Ministerpräsidenten Matthias Platzeck anberaumt.

Seit Weihnachten hätten weitere Untersuchungen ergeben, dass die Probleme beim Brandschutz nicht in den Griff zu bekommen sind, heißt es in Regierungskreisen. Die "Bild"-Zeitung berichtet jedoch, dass die Gesellschafter die neue Lage bereits seit 18. Dezember 2012 kennen.

"Die Flughafengesellschaft FBB informierte am 18.12.2012 die Gesellschafter und die anwesenden Firmenvertreter (...) über die Terminabsage", zitiert das Blatt aus einem Vermerk einer Baufirma, die am Flughafenbau beteiligt ist. Bei der vertraulichen Besprechung habe der BER-Technik-Chef Horst Amann eine Eröffnung 2013 ausgeschlossen und stattdessen einen Termin frühestens 2014 in Aussicht gestellt. Hauptproblem sei, dass beim Brandschutz abweichend von der Baugenehmigung gebaut worden sei.

Von der Flughafengesellschaft gab es dafür am Sonntagabend keine Bestätigung.

Spitzen der SPD sind ebenso irritiert wie der Koalitionspartner

Politiker in Berlin und Brandenburg reagierten überrascht. Die CDU in Berlin wie auch die Linke in Brandenburg scheint zunächst nicht über die Zuspitzung der Lage informiert gewesen zu sein. Die Spitzen der SPD sind ebenso irritiert wie der Koalitionspartner. "Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit könnte ja mal zum Hörer greifen und seine Partei informieren", zeigte sich am Sonntagabend ein SPD-Mann höchst verärgert. Er habe diverse Telefonate zwischen den Spitzen von Fraktion und Partei gegeben.

Dabei habe Wowereit nichts von einer erneuten Terminverschiebung erwähnt. Auch in einem Interview mit der Berliner Morgenpost am 23. Dezember 2012 hatte Wowereit noch an dem Eröffnungstermin 27. Oktober 2013 festgehalten – ebenso wie an Flughafenchef Rainer Schwarz. Die neue Entwicklung erstaunt nun viele im politischen Berlin und lässt Spekulationen über Neuwahlen laut werden. Wowereit soll nach Informationen der "Bild"-Zeitung Ende November 2012 der Berliner SPD seinen Rücktritt angeboten haben, falls der Flughafen-Start 2013 platzt.

Die Berliner Grünen werfen Wowereit "völliges Versagen" vor. "Wowereit ist zu einer Belastung für die Stadt geworden. Wir erwarten, dass er zurücktritt", sagte Fraktionschefin Ramona Pop. "Wir werden diese Woche eine Sondersitzung des Abgeordnetenhauses beantragen und einen Misstrauensantrag gegen Klaus Wowereit einbringen", kündigte sie an. "Wowereit scheint die ganze Stadt belogen zu haben", sagte Pop mit Hinweis darauf, dass er offenbar seit dem 18. Dezember 2012 wisse, dass der Termin im kommenden Oktober nicht zu halten sei.

In seiner Neujahrsansprache hatte Wowereit noch gesagt: "Aber Verantwortung bedeutet, die Dinge anzupacken. Das gilt besonders für den Flughafen. Deshalb bündeln wir alle Kräfte, um den Eröffnungstermin im Oktober 2013 einzuhalten."

Nicht nur der Brandschutz verhindert offenbar Eröffnung 2013

Der CDU-Fraktionschef im Brandenburger Landtag, Dieter Dombrowski, sagte der Berliner Morgenpost: "Die erneute Absage ist eine vorhersehbare Katastrophe und ein letzter Beweis für die Inkompetenz und Verantwortungslosigkeit der Spitzen der Aufsichtsräte und der Geschäftsführung."

Laut "Bild-Zeitung" hat die Bauaufsichtsbehörde des Landkreises Dahme-Spreewald am 28. Dezember 2012 einen mahnenden Brief an den Brandschutzplaner des Flughafens geschrieben. Darin heiße es: "Die Genehmigung zu erreichen, wird Zeit und Kraft verlangen." Der zuständige Beamte schreibt auch, er werde sich nicht "verbiegen, um den Murks zur Genehmigung zu führen".

Nicht nur der Brandschutz im Terminal verhindert offenbar eine Eröffnung 2013. Unzählige Fehlplanungen und Mängel haben Gutachter im 280.000 Quadratmeter großen Terminal inzwischen festgestellt. Zuletzt wurde bekannt, dass es schon bald nach der Eröffnung Engpässe beim Check-in und an den Gepäckbändern geben würde, zudem die Kühlung der Computer-Anlage und der Brandschutz am Airport-Bahnhof nicht funktionieren.

Ein Bericht des Bundesverkehrsministeriums listet ebenfalls Baumängel auf: Rolltreppen seien zu kurz, mehrere tausend Quadratmeter auf der Baustelle befänden sich noch immer im Rohbauzustand. Laut "Bild"-Zeitung funktioniere das Flughafen-Netzwerk (LAN) bis heute nicht störungsfrei. Das System steuert Boarding, Check-In, sogar die Beleuchtung der Landebahnen.

Ende Dezember 2012 hatte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) mehrmals angezweifelt, dass der BER am 27. Oktober 2013 eröffnet werden kann: "Der Miteigentümer Bund sieht Anzeichen dafür, dass der Eröffnungstermin möglicherweise nicht gehalten werden kann." Zu den Kosten, die bisher von rund zwei auf 4,3 Milliarden Euro stiegen, gab er zu bedenken: "Es gibt auch Risiken bei den Kosten. Darum muss sich das Management der Flughafen-Gesellschaft kümmern."

Bleiben Sie informiert:
Die Berliner Morgenpost in sozialen Netzwerken.
Folgen Sie uns auf Twitter