17.11.12

Flughafen-Panne

Brandschutz für den BER kostet 300 Millionen Euro

Die Brandschutzanlagen im neuen Flughafen in Schönefeld funktionieren zwar nicht, sind aber jetzt schon so teuer wie anderswo ganze Terminals.

Von Joachim Fahrun und Gudrun Mallwitz
Foto: © JÖRG KRAUTHÖFER
Ja
Blick in das Innenleben des neuen Flughafens BER

Die Brandschutzanlage innerhalb des Terminals am künftigen Flughafen BER in Schönefeld hat bereits Kosten von 200 bis 300 Millionen Euro verursacht, ohne dass sie funktioniert. Die Zahl nannte Flughafen-Chef Rainer Schwarz am Freitag bei einer Podiumsdiskussion in Schönefeld. "Dafür baut man in anderen Ländern ganze Terminals", fügte Schwarz hinzu. Die komplexe Anlage habe immer weitere "Mutationen" erfahren.

Das Bauordnungsamt des Landkreises prüft derzeit dem zuständigen Landrat Stephan Loge (SPD) zufolge, ob die Genehmigungen überhaupt im Nachhinein erteilt werden können. An mehreren Stellen des Flughafens wurden die bisherigen Baugenehmigungen missachtet. Für die endgültige Genehmigung muss die Brandschutzanlage allerdings mehr als 50 einzelne Proben bestehen. Loges Fazit: "Hier haben sowohl die Planung als auch die Kontrolle der Bauausführung und die Bauleitung versagt."

Aus Sicht des renommierten Flughafenexperten Dieter Faulenbach da Costa belegen die unpräzisen Aussagen des Berliner Flughafen-Chefs zum Brandschutz am BER die Mängel in der Gesellschaft: "Wenn es stimmt, was Herr Schwarz gesagt hat, hat er offensichtlich keinen Überblick über die Baukosten", sagte Faulenbach. So etwas müsse ein Geschäftsführer präziser sagen können in der fortgeschrittenen Phase des Projektes. "Das zeigt, dass man offensichtlich keinen blassen Schimmer hat von den tatsächlichen Kosten", so der Experte aus Frankfurt am Main. Aus seiner Erfahrung aus zahlreichen Flughafenprojekten würde er 200 bis 300 Millionen Euro für den Brandschutz eindeutig für überzogen halten. Üblich seien für Klima- und Brandschutzanlage etwa zwölf Prozent der gesamten Baukosten für das Terminal-Gebäude. Das wären bei den nun auf mehr als eine Milliarde Euro gestiegenen Kosten für den Terminalbau 100 bis 120 Millionen Euro.

Die Mitglieder des Untersuchungsausschusses des Berliner Abgeordnetenhauses haben nach ihrer dritten Sitzung die Informationspolitik der Flughafengesellschaft kritisiert. Der Flughafen habe bisher erst zehn Aktenordner geliefert, sagte der Vorsitzende Martin Delius (Piraten). Außerdem habe er den Volksvertretern verweigert, die Sprinkleranlage und die Gepäckanlage noch einmal zu besichtigen. Vor zwei Wochen sei ihnen bei einem Besuch nichts über die inzwischen bekannt gewordenen Schwierigkeiten berichtet worden, sagten die Vertreter aller Parteien übereinstimmend. Jutta Matuschek (Linke) sprach von "Verweigerungshaltung" des Flughafens.

Chaos bei der Führung der Planungsunterlagen haben sie bei ihrem Besuch in Archiv und Dokumentation nicht feststellen können. Sie zeigten sich von der "Prüfdichte" zwischen Baustelle und Bauordnungsamt beeindruckt: "Der Zeitverzug muss dort schon lange registriert worden sein", sagte Harald Moritz (Grüne).

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