13.11.2012, 20:22

Hauptstadtflughafen Technikchef Amann hält am BER-Start im Oktober 2013 fest

Foto: Patrick Pleul / dpa

Von Christina Brüning und Viktoria Solms

Die BER-Chefriege trifft sich zur Krisensitzung im Roten Rathaus. Das Ergebnis: Der Eröffnungstermin des Flughafens ist gerettet - vorerst.

Nach und nach fahren die schwarzen Limousinen am Dienstagnachmittag gegen 16 Uhr auf den Hinterhof des Roten Rathauses. Krisensitzung beim Regierenden Bürgermeister.

Klaus Wowereit (SPD) hat Horst Amann einbestellt, der Technikchef des Hauptstadtflughafens soll über die neuerlichen Brandschutz-Probleme auf der Baustelle des BER referieren. Amann hat nur einen dünnen grünen Ordner dabei, das Treffen soll auch nur eine Stunde dauern. Auch Brandenburgs Regierungschef Matthias Platzeck (SPD) kommt, dazu die Staatssekretäre Werner Gatzer (CDU) und Rainer Bomba (CDU) aus dem Bundesfinanz- und dem Bundesverkehrsministerium.

Dem Vernehmen nach ist niemand sonst dabei, als sich die Gesellschafter des Flughafens unterhalten, keine Referenten, keine Pressesprecher. Es wird 17.40 Uhr, bis Platzeck hemdsärmelig im Fond seines Dienst-BMW sitzend die Senatskanzlei wieder verlässt. Wortlos lächelnd.

"Eröffnungstermin kein Selbstläufer"

Der Eröffnungstermin ist vorerst gerettet, jedoch mit Einschränkungen. Das zumindest teilt die Flughafengesellschaft kurz darauf mit. "Der Eröffnungstermin am 27. Oktober 2013 steht, er ist aber kein Selbstläufer", so Technikchef Amann.

Hauptproblem ist die Brandschutzanlage, die schon zur kurzfristigen Absage des für Juni geplanten Starttermins geführt hatte. Amann stellte bei seiner Bestandsaufnahme in den vergangenen Monaten fest, dass die Vorschriften des Bauordnungsamts teilweise missachtet worden sind. Daher muss in einigen Bereichen wie etwa der Gepäckanlage umgebaut werden.

"An den Stellen, an denen die bauliche Realisierung des Flughafens von der Baugenehmigung auch künftig abweicht, müssen wir der Behörde die Funktionsweise der Brandschutzanlage durch Heißgasrauchversuche nachweisen", sagt Amann. "Dies wird bis Februar 2013 dauern."

Brandschutz muss angepasst werden

Konkret soll die Anlage an vier Stellen so angepasst werden, dass die Entrauchung nicht geschossübergreifend, sondern geschossweise erfolgt. Ausnahme ist der Hauptteil des Terminals. Hier muss der Flughafen in speziellen Tests nachweisen, dass die Anlage den Rauch zuverlässig nach draußen befördert.

Dagegen muss die Sprinkleranlage nicht wie befürchtet verändert werden. Auch hier will die Flughafengesellschaft zeigen, dass sie trotz der Abweichungen von der Genehmigung funktioniert.

Kritik wegen Informationspolitik

Sowohl Geschäftsführung als auch Aufsichtsrat des Flughafens sind wegen ihrer Informationspolitik massiv in die Kritik geraten. In Berlin und Brandenburg fühlen sich die Parlamentarier schlecht informiert. In Brandenburg will die Fraktion der Grünen daher nicht mehr an den sogenannten Kaminrunden mit Vertretern der Staatskanzlei zum Thema Flughafen teilnehmen. Dabei sei trotz der Brisanz nichts über das Kurzgutachten zum Brandschutz berichtet worden, sagte Fraktionschef Axel Vogel. Diese Kamingespräche hatte die Staatskanzlei im Juni initiiert, um die Oppositionsfraktionen über die Ergebnisse der Aufsichtsratssitzungen zu informieren.

Laut Vogel sei der Inhalt der Gespräche aber nicht über das hinausgegangen, was bei den Pressekonferenzen nach den Aufsichtsratssitzungen ohnehin mitgeteilt wurde. FDP-Fraktionschef Andreas Büttner ist über die "absolut unzureichende" Informationspolitik "schwer verärgert". Dennoch will seine Fraktion weiter an den Gesprächen teilnehmen. Er fordert Ministerpräsident Platzeck auf, "seine gemachten Zusagen endlich einzuhalten und in der Runde alle Fakten auf den Tisch zu legen".

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