11.11.12

Großflughafen

Brandschutz gefährdet erneut Starttermin für den BER

Der Flughafen BER hat offenbar noch größere Schwierigkeiten mit dem Brandschutz als gedacht. Der neue Starttermin steht auf der Kippe.

Von Viktoria Solms
Foto: dapd

Angeschlagen: Flughafenchef Rainer Schwarz steht unter Druck
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Der Brandschutzplaner hhpberlin sorgt mit einem Schreiben an Technikchef Horst Amann für neue Zweifel am Starttermin des Flughafens BER. In dem Brief gestehen die Brandschutzexperten "Abweichungen zwischen Brandschutzkonzept, Baugenehmigung und baulicher Realisierung des Flughafens ein", so Horst Amann. Damit verändert die Firm a plötzlich ihre eigenen zuvor gemachten Angaben, mit denen der technische Geschäftsführer den Zeitplan bis zur geplanten BER-Eröffnung aufgestellt hat. "Die Auswertung der Stellungnahme von hhpberlin in den zurückliegenden Tagen hat ergeben, dass noch nicht für alle offenen Punkte tragfähige Lösungen vorliegen", sagt Amann. Sein Team und er arbeiteten derzeit "intensiv mit Planern und Experten daran, Lösungen für die noch offenen Punkte zu finden." In den folgenden Tagen soll es dazu weitere Beratungen geben. Sie sollen "Klarheit bringen."

Die Flughafengesellschaft muss herausfinden, wieso der Brandschutzgutachter hhpberlin nun zu dieser Einschätzung kommt und ob dies den Starttermin des BER gefährdet. Gravierende Mängel beim Brandschutz haben im Mai zur Absage der für Juni geplanten Eröffnung geführt. Sollten sich die zu Grunde liegenden Daten verschieben, muss die Flughafengesellschaft möglicherweise neu kalkulieren und mehr Zeit einplanen. Amann selbst hatte daher hhpberlin aufgefordert, die bisherigen Lösungsansätze für die bekannten Probleme beim Brandschutz für den BER schriftlich darzulegen. Über das Schreiben vom 30. Oktober informierte Amann auch die Gesellschafter. Eine endgültige Bewertung dazu steht noch aus.

Probleme nicht behoben

Nach wie vor dreht es sich am BER um die nun bereits bekannten Probleme. Warnungen vor einer Terminverschiebung hatte es schon mehrmals gegeben (Morgenpost Online berichtete). Vor allem in der Gepäckausgabehalle sind größere Umbaumaßnahmen erforderlich, da die Vorgaben des Bauordnungsamtes nicht überall eingehalten wurden. Zudem macht die Steuerung der Brandschutzanlage weiterhin Schwierigkeiten. Signale aus verschiedenen Teilen des Flughafengebäudes werden immer noch nicht zuverlässig an die Schaltzentrale weiter geleitet. Besonders kritisch ist hierbei die Entrauchung. Die Brandschutzanlage muss dafür sorgen, dass für mindestens 15 Minuten eine 2,15 Meter hohe Schicht rauchfrei bleibt, damit die Menschen aus dem Gebäude fliehen können.

Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Deutschen Bundestag, Anton Hofreiter (Grüne), zeigte sich von der Nachricht nicht überrascht. "Das sind die bereits bekannten Probleme am BER", sagte Hofreiter. Er bleibt bei seiner Einschätzung, dass man Oktober 2013 erst dann verbindlich als Starttermin benennen könne, "wenn auf der Baustelle wieder mit voller Kraft gearbeitet wird." Bis dahin bleibe der Termin unsicher. Derzeit befinden sich rund 250 Arbeiter auf der BER-Baustelle. In den kommenden Wochen sollen es langsam mehr werden.

80.000 Unterschriften gesammelt

In Potsdam kämpfen Fluglärmgegner unterdessen für das Volksbegehren für ein strengeres Nachtflugverbot. Bis 3. Dezember müssen 80.000 Unterschriften gesammelt sein. Bislang sind laut Auskunft der Initiatoren etwas mehr als die Hälfte zusammen gekommen. Die Bürgerinitiative "Schützt Potsdam" startet daher eine Kampagne und wirbt insbesondere in der Landeshauptstadt Potsdam um Stimmen. Am ersten Wochenende der Aktion hätten laut Markus Peichl, dem Vorsitzenden der Initiative, rund 100 Bürger unterschrieben. Weitere 450 hätten die Briefwahl-Unterlagen angefordert. So viel sei sonst innerhalb von zwei Wochen zusammen gekommen, so Peichl. Die Gruppe kämpft dafür, dass es zwischen 22 und sechs Uhr ruhig am Himmel bleibt. Derzeit ist für den BER eine strenge Ruhezeit zwischen null und fünf Uhr vorgesehen. Hat das Volksbegehren Erfolg, wird sich der Landtag Brandenburg erneut mit dem Thema beschäftigen.

Fachliche Unterstützung bekommen die Initiatoren durch eine Studie des Logistikexperten Richard Vahrenkamp. Der emeritierte Professor hat Unternehmen in Berlin und Brandenburg befragt und festgestellt, dass die verarbeitende Industrie nur "einen geringen Bedarf an Luftfrachtversand artikuliert hat", so Vahrenkamp. Von 20 Top-Unternehmen habe sich eines von einem strengen Nachtflugverbot eingeschränkt gefühlt. Vahrenkamp kommt daher zu dem Schluss, dass der tägliche Warenversand hiervon "im Regelfall nicht beeinträchtigt" werden würde.

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