20.10.12

Hauptstadtflughafen

BER-Chef Schwarz wusste schon im März von Terminproblemen

Flughafenchef Rainer Schwarz soll den BER-Aufsichtsrat lückenhaft und falsch über die Schwierigkeiten am Berliner Airport informiert haben.

Foto: dapd

Sonderermittler im Bundesverkehrsministerium empfehlen dem BER-Aufsichtsrat, zu klären, ob BER-Chef Schwarz und der frühere Pplaner Manfred Körtgen haftbar zu machen sind
Sonderermittler im Bundesverkehrsministerium empfehlen dem BER-Aufsichtsrat, zu klären, ob BER-Chef Schwarz und der frühere Pplaner Manfred Körtgen haftbar zu machen sind

Berlins Flughafenchef Rainer Schwarz gerät im Debakel um den Bau des neuen Hauptstadtflughafens BER weiter unter Druck. Er soll den BER-Aufsichtsrat lückenhaft oder falsch über die Terminprobleme bei der Fertigstellung des Airports informiert haben. Diese Vorwürfe haben Sonderermittler im Bundesverkehrsministerium bei einer Sitzung Mitte Oktober erhoben, wie aus einem Sitzungsprotokoll hervorgeht. Die Ermittler empfehlen dem Aufsichtsrat, zu klären, ob Schwarz und der frühere Chefplaner Manfred Körtgen haftbar zu machen seien.

Schwarz sei bereits im vergangenen März durch die Unternehmensberatung McKinsey informiert worden, dass es Probleme beim Probebetrieb des geplanten Flughafens gebe. Der damals noch angepeilte Starttermin am 3. Juni sei nicht mehr realistisch gewesen, hieß es. Erst im Mai hatte Schwarz den Aufsichtsrat darüber informiert, dass dieser Termin nicht zu halten sei – wegen Problemen mit der Brandschutzanlage.

Brandenburg verzichtet wegen BER-Debakel auf Image-Analyse

Die erneut verschobene Eröffnung des Flughafens hat derweil die rot-rote Landesregierung in Brandenburg dazu veranlasst, auf eine Image-Analyse für das Land zunächst zu verzichten. Es sei davon auszugehen, dass das Bild des Landes von der Debatte über die verschobene Eröffnung beeinflusst ist, sagte der Chef der Staatskanzlei, Albrecht Gerber, in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage.

"Mögliche Erkenntnisse für langfristige Kommunikationsstrategien könnten dadurch verfälscht werden", erklärte er. Die Regierung habe daher von ursprünglichen Überlegungen für eine Analyse Abstand genommen.

Nach Angaben des Fragestellers Raimund Tomczak (FDP) sind im Haushalt von 2012 bis 2014 jeweils 120 000 Euro für die Analysen vorgesehen. Sie sollten demnach zeigen, welche Sicht potenzielle Investoren, Touristen und Fachkräfte auf das Land Brandenburg haben.

Der Eröffnungstermin für den neuen Flughafen wurde mittlerweile ein viertes Mal auf den 27. Oktober 2013 verschoben. Neben Passagieren sind laut Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) 216 Mieter und Dienstleister betroffen, die Verträge mit der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH (FBB) haben. Diverse Unternehmen hätten bereits Schadenersatzansprüche an die Gesellschaft gerichtet, sagte Christoffers in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage. Darunter seien auch Unternehmen, die gar keine Geschäftsbeziehungen mit der FBB unterhalten.

Anmerkung: In einer früheren Version des Artikels hieß es in der Überschrift, Flughafenchef Rainer Schwarz habe "im März 2011" von den Problemen am Flughafen BER gewusst. Es geht allerdings um den März 2012. Der Artikel wurde korrigiert.

Quelle: dpa/bee
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Der BER in Zahlen
  • Fläche

    Seit Herbst 2006 wird der Flughafen Schönefeld zum Airport BER „Willy Brandt“ ausgebaut. Der neue Hauptstadtflughafen wird eine Fläche von 1470 Hektar haben – das sind 2000 Fußballfelder. Bis zu 6500 Menschen sollen in einer Spitzenstunde auf dem Flughafen starten oder landen. Jährlich wird mit bis zu 27 Millionen Passagieren gerechnet. Die Region Berlin-Brandenburg ist Deutschlands zweitgrößter Ballungsraum: Zehn Millionen Menschen wohnen im Einzugsgebiet. Etwa 40.000 Menschen sollen am Hauptstadtflughafen arbeiten.

  • Touristenmagnet

    85 Abstellpositionen für Flugzeuge wird der Airport haben. Insgesamt sollen 172 Ziele in 50 Ländern direkt von Berlin aus erreichbar sein. Die Hauptstadt soll auch als Touristenmagnet vom neuen Airport profitieren. Im vergangenen Jahr kamen fast zehn Millionen Gäste nach in die deutsche Hauptstadt, es wurden mehr als 22 Millionen Übernachtungen gezählt. Zudem ist Berlin mit mehr als 100.000 Veranstaltungen im Jahr die wichtigste Tagungs- und Kongressstadt in Deutschland.

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