17.08.12

Airport-Debakel

Flughafen BER kostet eine halbe Milliarde Euro zusätzlich

Nicht nur die Hängepartie um die Eröffnung des Berliner Flughafens geht weiter, auch die Kosten steigen - um eine halbe Milliarde Euro.

Foto: DPA
Flughafen Berlin Brandenburg
Matthias Platzeck (l., SPD) und Klaus Wowereit (SPD) auf der Pressekonferenz nach der Aufsichtsratssitzung der Flughafengesellschaft vom Flugplatz Berlin Brandenburg. Die Kosten des BER erhöhen sich um fast eine halbe Milliarde Euro

Die finanzielle Lage der Berliner Flughafengesellschaft ist noch dramatischer als bisher bekannt. Die Kosten für das Gesamtprojekt des neuen Hauptstadtairports wurden nach Informationen von Morgenpost Online im Finanzausschuss des Aufsichtsrates bereits mit 4,737 Milliarden Euro angegeben. Das sind fast eine halbe Milliarde mehr als die 4,277 Milliarden, die nach der verschobenen Eröffnung und diversen Kostensteigerungen öffentlich gemacht wurden.

Der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft unter Vorsitz von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) tagte am Donnerstag in der bereits fertig gestellten Feuerwache neben der Terminal-Baustelle. Eines der wenigen Ergebnisse: Flughafenchef Rainer Schwarz, über dessen Rauswurf spekuliert worden war, bleibt im Amt.

Bei der Sitzung ging es um den Eröffnungstermin, die Finanzierung des Projektes sowie um die Frage des Schallschutzes für 14.000 am stärksten vom Fluglärm betroffenen Anwohner. Am Ende gab es jedoch wenig Greifbares. Die Entscheidung über den Starttermin wurde auf September verschoben. Ein detailliertes Finanzierungskonzept konnte noch nicht beschlossen werden.

Die Vertreter der Anteilseigner Bund, Berlin und Brandenburg hatten vor, über eine von den Gesellschaften per Patronatserklärung abgesicherte "Brückenfinanzierung" von 430 Millionen Euro zu entscheiden. Die "Brücke" wird deshalb benötigt, weil die EU-Kommission einer ernsthaften Aufstockung des Eigenkapitals zustimmen müsste, weil es sich dabei um eine wettbewerbsrechtlich relevante Beihilfe handelte. Um 1,117 Milliarden Euro aus Steuergeldern wollten die Gesellschafter das Kapital der Gesellschaft aufstocken, um die bereits eingeräumten Überschreitungen des Kostenrahmens abzudecken.

Eine rettende Finanzspritze

Soweit der Plan. Doch kurzfristig änderte sich die Ausgangssituation für die Beratung: Die Wirtschaftsprüfer von PwC gehen inzwischen nämlich von noch höheren Kosten aus. Sollte der Flughafen erst im Herbst 2013 eröffnen, könnten statt 430 Millionen Brückenfinanzierung 600 Millionen Euro notwendig sein. Das geht aus internen Mails von PWC hervor, die der Morgenpost Online vorliegen.

Nach der Sitzung hieß es dann auch lediglich, es werde eine Finanzspritze geben. "Es wird ein Mix sein aus Eigenkapital, aus Überbrückungskrediten und Gesellschafterdarlehen", sagte Verkehrstaatssekretär Rainer Bomba (CDU). Wowereit kündigte an, den Berliner Anteil im September mit einem Nachtragshaushalt dem Abgeordnetenhaus vorlegen zu wollen.

Auch die abermalige Verschiebung des Eröffnungstermins wurde offiziell nicht bestätigt. Der neue Technikchef Horst Amann braucht noch Zeit, um die Frage zu klären, wann gestartet werden kann. Denn nach wie vor funktioniert die Barndschutzanlage nicht richtig. Aber auch andere Abläufe sind wackelig.

Die Wirtschaftsprüfer gehen aber auch davon aus, dass Amanns intensive Analyse weitere Verzögerungen und bislang noch nicht berücksichtigte zusätzliche Kosten zu Tage fördern wird.

Indessen gab es beim Streitthema Schallschutz Bewegung. Die Flughafengesellschaft hat ihren Widerstand gegen einen schärferen Lärmschutz aufgegeben. Der Schallschutz soll nach den Vorgaben des brandenburgischen Infrastrukturministeriums umgesetzt werden. Die jüngste Rechtsprechung des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg solle umgesetzt werden, heißt es.

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Der BER in Zahlen
  • Fläche

    Seit Herbst 2006 wird der Flughafen Schönefeld zum Airport BER „Willy Brandt“ ausgebaut. Der neue Hauptstadtflughafen wird eine Fläche von 1470 Hektar haben – das sind 2000 Fußballfelder. Bis zu 6500 Menschen sollen in einer Spitzenstunde auf dem Flughafen starten oder landen. Jährlich wird mit bis zu 27 Millionen Passagieren gerechnet. Die Region Berlin-Brandenburg ist Deutschlands zweitgrößter Ballungsraum: Zehn Millionen Menschen wohnen im Einzugsgebiet. Etwa 40.000 Menschen sollen am Hauptstadtflughafen arbeiten.

  • Touristenmagnet

    85 Abstellpositionen für Flugzeuge wird der Airport haben. Insgesamt sollen 172 Ziele in 50 Ländern direkt von Berlin aus erreichbar sein. Die Hauptstadt soll auch als Touristenmagnet vom neuen Airport profitieren. Im vergangenen Jahr kamen fast zehn Millionen Gäste nach in die deutsche Hauptstadt, es wurden mehr als 22 Millionen Übernachtungen gezählt. Zudem ist Berlin mit mehr als 100.000 Veranstaltungen im Jahr die wichtigste Tagungs- und Kongressstadt in Deutschland.

Die Aufsichtsräte des Berliner Flughafens
  • Zusammensetzung

    Der Aufsichtsrat der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH umfasst derzeit 15 Mitglieder. Er setzt sich aus den Vertretern des Landes Berlin, des Landes Brandenburg und der Bundesrepublik Deutschland sowie den Arbeitnehmervertretern zusammen.

  • Vertreter des Landes Berlin

    Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, Staatssekretärin Margaretha Sudhof (Finanzen), Innensenator Frank Henkel, Unternehmer Michael Zehden (A-Z Hotelmanagement und Beratungs GmbH & Co. KG)

  • Vertreter Brandenburgs

    Ministerpräsident Matthias Platzeck, Wirtschaftsminister Ralf Christoffers, Finanzminister Helmuth Markov, Bankvorstand Günther Troppmann (Deutsche Kreditbank AG)

  • Vertreter des Bundes

    Staatssekretär Rainer Bomba (Bauministerium) und Staatssekretär Werner Gatzer (Finanzministerium)

  • Arbeitnehmervertreter

    Gewerkschaftssekretär Holger Rößler (Ver.di), Peter Lindner (Betriebsrat BFG), Claudia Heinrich (Betriebsrat FBS), Franziska Hammermeister (BFG), Sven Munsonius (Betriebsrat BFG)

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