16.08.12

Kommentar

Drama um die explodierenden Kosten beim Flughafen BER

Wegen der auf März 2013 verschobenen Eröffnung und Mehrkosten für Lärmschutzmaßnahmen drohte dem Airport zum Jahresende das Geld auszugehen.

Foto: DAPD
Aufsichtsrat der Berliner Flughafengesellschaft tagt
Mit einer einmaligen Verschiebung des Eröffnungstermins hätten die Bürger leben können, doch die benötigten Milliarden sähen sie lieber an anderer Stelle investiert

Keine Lösung in Sicht: Am Donnerstag tagte der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft und beriet über die Brandschutzprobleme, den Lärmschutz, den Eröffnungstermin und die BER-Finanzierung. Danach erfuhr man wenig – vor allem wenig zu den explodierenden Kosten. Wir erinnern uns: Ursprünglich waren für den Airport 2,4 Milliarden Euro veranschlagt, dann wurde – wie es bei solchen Großprojekten leider häufig so ist – alles teurer. Allein das Terminal hat statt 600 Millionen Euro nun schon 1,2 Milliarden Euro verschlungen. Inzwischen, so die offizielle Version der Flughafengesellschaft und der Eigentümer Bund, Berlin, Brandenburg, liegen die Gesamtkosten bei knapp 4,2 Milliarden Euro. Doch das ist offensichtlich nicht die ganze Wahrheit: Wie aus internen Unterlagen hervorgeht, sind es schon 4,7 Milliarden Euro. Was für eine Wahnsinnssumme.

Aufsichtsratschef Klaus Wowereit (SPD), der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Matthias Platzeck (SPD) und auch der Vertreter des Bundesverkehrsministeriums, Staatssekretär Rainer Bomba, versuchen die Bevölkerung zu beschwichtigen, indem sie am Donnerstag einen "Brückenkredit" in Höhe von 430 Millionen Euro ankündigten. Das soll die Flughafengesellschaft vor der Insolvenz retten, das soll ihr zu neuen Krediten verhelfen und die EU-Kommission dazu bewegen, neue staatliche Beihilfen zu gewähren. Doch das Geld wird nicht reichen, höchstens bis zum angepeilten Eröffnungstermin 17. März 2013. Von dem wiederum jeder weiß, dass der gar nicht mehr zu halten ist, dass es wahrscheinlich Herbst 2013 wird, bis vom BER ein Flugzeug abheben kann.

Kritik an Wowereit und Platzeck

Dem Aufsichtsrat ist es auch am Donnerstag nicht gelungen, den Menschen in der Region zu vermitteln, dass man alles in Griff hat, dass die Probleme nun Schritt für Schritt gelöst werden. Im Gegenteil. Nicht nur der neue Chefplaner – bei dem man das gut verstehen kann –, auch Wowereit & Co. machen den Eindruck, als müssten sie sich noch immer einen Überblick verschaffen. Über die Bau- und Technikprobleme, über die Kosten und möglichen Schadensersatzforderungen, über den nächsten, dann vierten Eröffnungstermin. Die, die sich mit diesem Großprojekt ein Denkmal setzen wollten, wirken immer ratloser.

Das spüren auch die Menschen in der Region, die inzwischen deutlich Kritik an Wowereit, dem Aufsichtsratsvorsitzenden, aber auch an Platzeck äußern. Dabei hat die große Mehrheit der Berliner und Brandenburger gar nichts gegen den neuen Großflughafen BER. Sie hätten sich sicherlich auch damit abgefunden, Blamage hin oder her, dass der Eröffnungstermin einmal verschoben werden musste. Die Menschen haben vor allem etwas dagegen, wenn für solch ein Großprojekt wegen eines katastrophalen Managements und immenser Planungsfehler immer mehr Millionen, Milliarden gar ausgegeben werden müssen. Geld, das man so dringend für Kitas, für Schulen oder auch für die Straßensanierung braucht. Die Kosten, die sind das eigentliche Drama.

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Der BER in Zahlen
  • Fläche

    Seit Herbst 2006 wird der Flughafen Schönefeld zum Airport BER „Willy Brandt“ ausgebaut. Der neue Hauptstadtflughafen wird eine Fläche von 1470 Hektar haben – das sind 2000 Fußballfelder. Bis zu 6500 Menschen sollen in einer Spitzenstunde auf dem Flughafen starten oder landen. Jährlich wird mit bis zu 27 Millionen Passagieren gerechnet. Die Region Berlin-Brandenburg ist Deutschlands zweitgrößter Ballungsraum: Zehn Millionen Menschen wohnen im Einzugsgebiet. Etwa 40.000 Menschen sollen am Hauptstadtflughafen arbeiten.

  • Touristenmagnet

    85 Abstellpositionen für Flugzeuge wird der Airport haben. Insgesamt sollen 172 Ziele in 50 Ländern direkt von Berlin aus erreichbar sein. Die Hauptstadt soll auch als Touristenmagnet vom neuen Airport profitieren. Im vergangenen Jahr kamen fast zehn Millionen Gäste nach in die deutsche Hauptstadt, es wurden mehr als 22 Millionen Übernachtungen gezählt. Zudem ist Berlin mit mehr als 100.000 Veranstaltungen im Jahr die wichtigste Tagungs- und Kongressstadt in Deutschland.

Die Aufsichtsräte des Berliner Flughafens
  • Zusammensetzung

    Der Aufsichtsrat der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH umfasst derzeit 15 Mitglieder. Er setzt sich aus den Vertretern des Landes Berlin, des Landes Brandenburg und der Bundesrepublik Deutschland sowie den Arbeitnehmervertretern zusammen.

  • Vertreter des Landes Berlin

    Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, Staatssekretärin Margaretha Sudhof (Finanzen), Innensenator Frank Henkel, Unternehmer Michael Zehden (A-Z Hotelmanagement und Beratungs GmbH & Co. KG)

  • Vertreter Brandenburgs

    Ministerpräsident Matthias Platzeck, Wirtschaftsminister Ralf Christoffers, Finanzminister Helmuth Markov, Bankvorstand Günther Troppmann (Deutsche Kreditbank AG)

  • Vertreter des Bundes

    Staatssekretär Rainer Bomba (Bauministerium) und Staatssekretär Werner Gatzer (Finanzministerium)

  • Arbeitnehmervertreter

    Gewerkschaftssekretär Holger Rößler (Ver.di), Peter Lindner (Betriebsrat BFG), Claudia Heinrich (Betriebsrat FBS), Franziska Hammermeister (BFG), Sven Munsonius (Betriebsrat BFG)

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