15.08.12

Airport-Debakel

Bund will weitere Zahlungen für BER verweigern

FDP-Fraktionschef Brüderle hat der Übernahme zusätzlicher Kosten für den Berliner Großflughafen durch den Bund eine Absage erteilt.

Foto: DPA
Flughafen Berlin Brandenburg
Der Flughafen-Aufsichtsrat wird sich mit den Problemen beim Berliner Großflughafen befassen

Unmittelbar vor der Aufsichtsratssitzung der Flughafengesellschaft zeichnet sich unter den Gesellschaftern Streit über die künftige Finanzierung des Hauptstadt-Airports ab. "Es kann nicht sein, dass Berlin diese Chaos-Kosten auf den Bund abschiebt", sagt der FDP-Fraktionsvorsitzende Rainer Brüderle zu Morgenpost Online. "Herr Wowereit macht die Stadt immer mehr zum internationalen Gespött. Als gebürtiger Berliner schäme ich mich", so der frühere Bundeswirtschaftsminister weiter. Der FDP-Obmann im Haushaltsausschuss des Bundestags, Jürgen Koppelin, bekräftigte: "Bei den jetzt anstehenden Haushaltsberatungen für den Bundeshaushalt 2013 kann es bei diesen chaotischen Zuständen und Zuständigkeiten keine zusätzlichen finanziellen Zugeständnisse des Bundes für den neuen Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg in Schönefeld geben." Schließlich müssten diese Mittel dann an anderen Stellen im Etat gestrichen werden. Dabei aber werde die FDP nicht mitmachen, so Koppelin.

In Schönefeld treffen sich am Donnerstag die Mitglieder des Aufsichtsrats mit Flughafenchef Rainer Schwarz und dem neuen technischen Geschäftsführer Horst Amann. Planmäßig soll die Sitzung bis 16 Uhr dauern. Doch angesichts der langen Tagesordnung könnte es gut sein, dass die Teilnehmer noch länger zusammensitzen. Ganz oben auf der Liste der zu besprechenden Punkte stehen Inbetriebnahme, Eröffnungstermin, Schallschutz und Finanzierung.

Brüssel redet bei Finanzierung mit

Allerdings ist jetzt schon so gut wie sicher, dass ein verlässlicher Starttermin frühestens bei der darauffolgenden Sitzung am 14. September genannt werden wird. Dadurch verzögert sich laut Informationen von Morgenpost Online aber auch die Klärung der weiteren Finanzierung. Denn bei der Wettbewerbsbehörde in Brüssel kann erst dann der Antrag für ein Beihilfeverfahren gestellt werden, wenn die genauen Kosten bekannt sind. Und um die zu beziffern, muss erst feststehen, wie lang der Bau noch dauern wird.

Das sorgt bei den Betroffenen zunehmend für Unmut. Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn warnte davor, die Eröffnung zu weit hinauszuschieben: "Wir wünschen uns, dass wir im Sommer nächsten Jahres im BER sind."

Zur Vorbereitung des Aufsichtsrats tagte am Mittwoch in Schönefeld der Projektausschuss um Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), Brandenburgs Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Die Linke) und Staatssekretär Rainer Bomba (CDU) aus dem Bundesverkehrsministerium.

Im Vorfeld der Sitzung wurde bekannt, dass die Gesellschafter einen sogenannten Brückenkredit in Höhe von 430 Millionen Euro abschließen wollen. Damit soll der Baufortschritt finanziert werden, bis Brüssel eine Entscheidung getroffen hat. Damit die Banken das Geld geben, garantieren die Gesellschafter durch eine Patronatserklärung, dass der Flughafen seine Verbindlichkeiten erfüllen wird.

Sondersitzung des Landtags

In den vergangenen Wochen hat es schon mehrere Gespräche zwischen Mitarbeitern des Bundesverkehrsministeriums und der EU-Kommission gegeben. Angeblich sollen sie das Signal erhalten haben, dass Brüssel einer weiteren Einlage der Gesellschafter nicht entgegensteht. Die Behörde muss solch einen Eingriff genehmigen, da dies einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Flughäfen bedeuten könnte. Für die Zukunft des BER ist das eine entscheidende Voraussetzung. Ohne die Unterstützung und Garantie der staatlichen Gesellschafter hätte er derzeit keine Chance, Kredite zu bekommen.

Wegen des BER-Debakels hat die CDU in Brandenburg eine Sondersitzung des Landtags beantragt. Am Dienstag werden die Abgeordneten dort über das Chaos auf der Baustelle beraten. In der Sitzung müsse Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) erklären, "wie der Flughafen zum Sicherheitsrisiko, zur finanziellen Mehrbelastung und zum planerischen Fehlprojekt werden konnte", sagte der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Dieter Dombrowski.

Die Regierungsfraktionen von SPD und Linker reagierten empört. Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Mike Bischoff, sprach von einem "Stück aus dem Tollhaus". "Diese Sondersitzung ist überflüssig wie ein Kropf." So stehe das Thema unter anderem bereits auf der Tagesordnung des Hauptausschusses am Mittwoch. Bischoffs Amtskollege von der Linken, Christian Görke, nannte das Vorgehen der Christdemokraten "puren Aktionismus".

Beratung zu Ausschuss

Dombrowski, der auch Generalsekretär der Brandenburger CDU ist, forderte Ministerpräsident Platzeck und Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit auf, von ihren Posten im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft zurückzutreten. Sie hätten unter Beweis gestellt, dass sie nicht bereit und in der Lage seien, die Aufgaben zu erfüllen. In Berlin will die Opposition mit der Koalition nochmals über den geplanten Untersuchungsausschuss zum BER-Desaster beraten. Laut Andreas Otto, Bauexperte der Grünen, habe man noch für diese Woche ein weiteres Treffen vorgeschlagen. Bei einem ersten Gespräch vergangene Woche war keine Einigung zustande gekommen.

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Die Aufsichtsräte des Berliner Flughafens
  • Zusammensetzung

    Der Aufsichtsrat der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH umfasst derzeit 15 Mitglieder. Er setzt sich aus den Vertretern des Landes Berlin, des Landes Brandenburg und der Bundesrepublik Deutschland sowie den Arbeitnehmervertretern zusammen.

  • Vertreter des Landes Berlin

    Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, Staatssekretärin Margaretha Sudhof (Finanzen), Innensenator Frank Henkel, Unternehmer Michael Zehden (A-Z Hotelmanagement und Beratungs GmbH & Co. KG)

  • Vertreter Brandenburgs

    Ministerpräsident Matthias Platzeck, Wirtschaftsminister Ralf Christoffers, Finanzminister Helmuth Markov, Bankvorstand Günther Troppmann (Deutsche Kreditbank AG)

  • Vertreter des Bundes

    Staatssekretär Rainer Bomba (Bauministerium) und Staatssekretär Werner Gatzer (Finanzministerium)

  • Arbeitnehmervertreter

    Gewerkschaftssekretär Holger Rößler (Ver.di), Peter Lindner (Betriebsrat BFG), Claudia Heinrich (Betriebsrat FBS), Franziska Hammermeister (BFG), Sven Munsonius (Betriebsrat BFG)

Der BER in Zahlen
  • Fläche

    Seit Herbst 2006 wird der Flughafen Schönefeld zum Airport BER „Willy Brandt“ ausgebaut. Der neue Hauptstadtflughafen wird eine Fläche von 1470 Hektar haben – das sind 2000 Fußballfelder. Bis zu 6500 Menschen sollen in einer Spitzenstunde auf dem Flughafen starten oder landen. Jährlich wird mit bis zu 27 Millionen Passagieren gerechnet. Die Region Berlin-Brandenburg ist Deutschlands zweitgrößter Ballungsraum: Zehn Millionen Menschen wohnen im Einzugsgebiet. Etwa 40.000 Menschen sollen am Hauptstadtflughafen arbeiten.

  • Touristenmagnet

    85 Abstellpositionen für Flugzeuge wird der Airport haben. Insgesamt sollen 172 Ziele in 50 Ländern direkt von Berlin aus erreichbar sein. Die Hauptstadt soll auch als Touristenmagnet vom neuen Airport profitieren. Im vergangenen Jahr kamen fast zehn Millionen Gäste nach in die deutsche Hauptstadt, es wurden mehr als 22 Millionen Übernachtungen gezählt. Zudem ist Berlin mit mehr als 100.000 Veranstaltungen im Jahr die wichtigste Tagungs- und Kongressstadt in Deutschland.

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