24.07.12

Flughafen

BER-Brandschutztest - Grund zur vorsichtigen Hoffnung

"Nach erstem Augenschein" war die Überprüfung der Brandschutzanlage des neuen Hauptstadtflughafens BER erfolgreich.

Foto: pure rendering GmbH

Am 3. Juni 2012 sollte der Flughafen Berlin Brandenburg International in Schönefeld eröffnet werden. Vier Wochen vor dem großen Tag wurde die Eröffnung verschoben. Zum zweiten Mal. Denn ursprünglich sollte der BER am 30. Oktober 2011 an den Start gehen.

41 Bilder

Es war natürlich nur ein Zufall. Dennoch passte es nur zu gut in das Bild des Berliner Flughafendebakels, dass der Flughafen München am Dienstag stolz seinen 500-millionsten Passagier begrüßte. Während sich die Münchner feierten, mussten die Verantwortlichen am Flughafen BER ihre Brandschutzanlage testen. Vor allem ihretwegen war der Eröffnungstermin Anfang Juni aus technischen Gründen gescheitert. Das Ergebnis dürfte in zwei bis drei Wochen feststehen und damit gerade noch rechtzeitig zur Aufsichtsratssitzung am 16. August. Spätestens dann soll klar sein, ob der BER am 17. März 2013 öffnen kann.

Die ersten Informationen, die von der Baustelle des BER nach Abschluss des Tests nach außen drangen, gaben zumindest Grund zur vorsichtigen Hoffnung. Zwischen 10 und 16 Uhr wurden dort vier sogenannte Heißgasrauchtests durchgeführt. Dabei wurden auf verschiedenen Terminalebenen kontrollierte Brände entzündet. "Nach erstem Augenschein verliefen die Tests erfolgreich", gab der Flughafen direkt im Anschluss bekannt. "Trotz simulierter Stromausfälle gab es keinen Rauchübertritt in andere Geschosse, und der Rauch konnte sicher abgeführt werden." Die Messergebnisse würden nun in den kommenden Wochen detailliert analysiert und ausgewertet.

Damit sind allerdings längst nicht alle Zweifel beseitigt. "Die Öffentlichkeit wurde bei den gravierenden Problemen um den Brandschutz viel zu lange hingehalten", sagt Dieter Dombrowski, der Brandenburger CDU-Vizefraktionschef im Landtag. Zudem habe der Flughafen mit der Duldung von Ministerpräsident Platzeck einen Lärmschutz verbaut, der nicht dem gültigen Planfeststellungsbeschluss entspricht. "Aus diesen Gründen sind wir bei plötzlichen Hurra-Meldungen des Flughafens skeptisch", so Dombrowski. Der FDP-Fraktionschef im Landtag, Andreas Büttner, sagte: "Wir nehmen das Ergebnis des Stresstests erfreut zur Kenntnis." Jetzt müsse das Votum von Flughafenplaner Amann abgewartet werden, ob der geplante neue Eröffnungstermin zu halten sei. Dennoch bleibt auch bei ihm Skepsis. "Aufatmen können wir erst nach der Endabnahme der Brandschutzanlage", so Büttner.

Verbindlicher Starttermin

Bei dem Heißgasrauchtest wurden im nördlichen Hauptpier Brandfälle simuliert. Die Anlage sollte den entstehenden Rauch aus dem Gebäude saugen, damit die Menschen im Ernstfall genügend Zeit haben, um aus dem brennenden Gebäude zu fliehen. Damit ist allerdings nicht entschieden, ob der derzeitige Starttermin gehalten werden kann oder nicht. Das stellt alle Beteiligten, die auf ein festes Datum warten, auf eine Geduldsprobe. "Wir erwarten, dass die Flughafengesellschaft am 16. August einen belastbaren Eröffnungstermin nennt", sagt Lufthansa-Sprecher Wolfgang Weber. "Dabei ist es selbstverständlich, dass erst alle Betriebsabläufe stabil sein müssen."

Aus dem Grund ist das Interesse an dem Resultat des Tests auch besonders groß. Gravierende Mängel beim Brandschutz hatten zu der jüngsten Verschiebung des Starttermins geführt. Ramona Pop, die Fraktionschefin der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, fordert eine Offenlegung. "Die Ergebnisse müssen transparent gemacht werden und vollständig auf den Tisch." Flughafengesellschaft und der Aufsichtsrat seien in der Pflicht, die Resultate ehrlich zu bewerten. "Weiteres Schönreden und Verheimlichen darf es nicht geben", so Pop.

Unterdessen werden die Kosten für den Schallschutz neu berechnet. Ursprünglich waren nur rund 157 Millionen Euro eingeplant, nun werden zusätzlich knapp 600 Millionen Euro benötigt. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg (OVG) hat jüngst den "systematisch verfehlten Schallschutz" gerügt. Die Flughafengesellschaft will dagegen klagen. Allerdings hat sie nur begrenzte Aussichten auf Erfolg. Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) kündigte mittlerweile an, Brandenburg wolle bei der nächsten Sitzung am 16. August im Aufsichtsrat darauf dringen, dass die Gesellschaft zumindest ihren sogenannten Klarstellungsantrag zurückzieht. Denn der würde ein komplett neues Planfeststellungsverfahren zum Lärmschutz notwendig machen, wie Brandenburgs Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger (SPD) jüngst ankündigte.

"Lärmrente" immer wahrscheinlicher

Eine "Lärmrente" für Anwohner wird nun immer wahrscheinlicher. Sie ist zuerst in München gezahlt worden, denn der neue Flughafen dort hatte sich damals in einem Vergleich verpflichtet, ungeschützten Bürgern monatlich einen Prozentsatz der Schallschutzbausumme auszubezahlen. Die oppositionelle CDU im Landtag Brandenburg hat im Dezember 2011 einen Antrag zur Zahlung einer Lärmrente gestellt. Die Lärmrente soll als Entschädigung für die betroffenen Anwohner gelten, die unverschuldet keinen oder minderen Schallschutz erhalten. "Wenn der Ministerpräsident Landesvater für alle Brandenburger sein will, muss er die Lärmrente nun durchsetzen", sagte der CDU-Verkehrsexperte Rainer Genilke. "Die Interessen der Brandenburger passen anscheinend nicht in die Kuschelpolitik von Platzeck als Vizeaufsichtsratschef der Flughafengesellschaft."

Der Vorteil einer Lärmrente, so heißt es in der rot-roten Landesregierung mittlerweile, wäre die Planungssicherheit. Sobald die Schallschutzmaßnahmen 30 Prozent des Verkehrswertes der Grundstücke und Häuser kosten, muss der Eigentümer entschädigt werden. Der verlangte Schallschutz sei bei einem Großteil der Häuser im Umfeld des Flughafens – rund 14.000 Haushalte sind insgesamt betroffen – technisch nicht umsetzbar, wie Flughafensprecher Kunkel sagte.

Das Infrastrukturministerium hat die FBB neben dem Bescheid auch dazu verpflichtet, künftig alle vier Wochen über den Stand der Umsetzung des Schallschutzes zu berichten. Der erste Bericht sei am 30. Juli vorzulegen. Er soll die zu erwartende Lärmbelastung für die Bürger von Gemeinden wie Blankenfelde-Mahlow, Teile von Schönefeld, Schulzendorf und Bohnsdorf in Berlin darlegen.

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams
Karneval der Kulturen der Welt
19.05.13Umzug
Karneval der Kulturen – So bunt ist Berlin

Bei strahlendem Sonnenschein feierten Hunderttausende in Berlin-Kreuzberg den Karneval der Kulturen. Höhepunkt war der farbenprächtige Umzug. Verfolgen Sie in Text, Fotos und Videos, was passierte. mehr...

title
19.05.13Wiederaufstieg
Herthas blau-weißer Feiertag

Hertha BSC beendet die Saison mit einem 1:1-Unentschieden im Berlin-Brandenburg-Derby gegen Energie Cottbus. Mit 76 Zählern stellt das Team von Trainer Jos Luhukay einen neuen Punkterekord auf. mehr...

Sonne in Berlin
19.05.13Terminvorschau
Das bringt der Tag in Berlin am Montag

Berlin hat jeden Tag Neues zu bieten. Politische Termine, Demonstrationen, Prozesse, Theater, Konzerte. Hier finden Sie eine Auswahl der Berliner Morgenpost für Montag, den 20. Mai. mehr...

VfL Bochum - 1. FC Union Berlin
19.05.13Zweite Liga
Union gelingt mit Auswärtssieg versöhnlicher Saisonabschluss

Mit Tabellenrang sieben und dem ersten Auswärtserfolg nach acht sieglosen Spielen auf fremden Plätzen beendet der 1. FC Union die Zweitliga-Saison. mehr...

Leser-Kommentare 1 Kommentar
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Multimedia
Berlin

BER - so wird der neue Hauptstadt-Airport

Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Der Futiklub Absolutely Ferguson
Zeit für Neues Beckham beendet seine aktive Fußballkarriere
Parlament Bundestag debattiert über Atommüllendlager
Cannes Emma Watson spielt Kriminelle in Coppolas Film
 
title
Abi 2012

Hier finden Sie eine Übersicht der Abiturienten.mehr

1085783744.jpg
Ausbildung 2013

Ratschläge zur erfolgreichen Gestaltung und zur Berufswahlmehr

Bildschirmfoto 2013-05-07 um 15.39.57.png
Outletcenter

Diese Outletcenter bieten gute Ware zu günstigen Preisen... mehr

Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Straßenfest

Karneval der Kulturen 2013

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote