Hauptstadtflughafen

Businessflieger warnen vor Passagier-Engpässen am BER

Foto: Flughafen Berlin Brandenburg GmbH

Weil der neue Großflughafen schon zu Beginn überlastet ist, soll der alte Airport Schönefeld offen bleiben und für Entlastung sorgen.

Um künftige Passagier-Engpässe am neuen Großflughafen BER zu vermeiden, sollten Billigflieger wie Easyjet weiter vom Terminal des alten Flughafens in Schönefeld abgefertigt werden. Das schlägt die Vereinigung der Geschäftsflieger, die German Business Aviation Association (GBAA), vor, die unter dem Dach des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) in Mitte ansässig ist. Für die Flüge von Air Berlin und Lufthansa bliebe dann im neuen BER-Terminalgebäude vorerst ausreichend Platz, sollten sich die Passagierzahlen weiter so entwickeln wie in den vergangenen Jahren.

Außerdem schlägt die Vereinigung vor, dass die Bundeswehr wie bisher die nördliche Landebahn in Tegel nutzt, wo auch die Businessflieger als "Gäste" unterkommen könnten. Dazu müsste der Airport als Militärflughafen umgewidmet werden. Bislang ist lediglich geplant, Tegel als Hubschrauberlandeplatz für die Bundeswehr zu erhalten, bis das geplante Regierungsterminal am BER fertig ist. 2014 soll mit dem Bau begonnen werden, 2016 soll es fertig sein. "Dafür liegt eine befristete Außenstart- und Außenlandegenehmigung vor", sagte ein Bundeswehrsprecher am Sonnabend.

Den Hintergrund für den Vorschlag der Geschäftsflieger bilden die steigenden Passagierzahlen. Mit einer offiziell angegebenen Kapazität von 27 Millionen Passagieren jährlich wird der BER von Anfang an aus allen Nähten platzen. Wahrscheinlich schon 2013 wird diese Marke überschritten werden. Immerhin flogen im vergangenen Jahr schon 24 Millionen Menschen von und nach Berlin. Bis Mai 2012 lag die Zahl erneut um 500.000 über den Ergebnissen des Vorjahreszeitraums. Und die vielen neuen Ziele, die Lufthansa und Air Berlin seit Juni anfliegen, werden das Wachstum eher noch weiter steigern.

Luftverkehrsfachleute und vor allem Businessflieger machen sich akute Sorgen, dass der BER dem Bedarf nicht gewachsen sein könnte. "Es ist ein zu kleiner Flughafen gebaut worden", sagte Manfred Kurz, Berliner Repräsentant des schwäbischen Schraubenproduzenten Reinhold Würth, der eine eigene kleine Flotte von Privatjets betreibt. Auch unter den Kollegen aus den großen Dax-Konzernen, deren Topmanager meist mit eigenen Fliegern unterwegs sind, sei die Stimmung "nahe an der Resignation" darüber, wie die Hauptstadt sich die Zukunft verbaue.

"Eine konkrete Planung, wie es mit dem Ausbau weitergehen soll, gibt es nicht", sagte GBAA-Geschäftsführer Hans-Henning Romberg, in den 90ern Chef der Berliner Flughafengesellschaft. Wenn nun die Billigflieger im alten Terminal bleiben könnten, käme das Easyjet & Co durchaus entgegen. Für sie sei Komfort nicht so wichtig, sie könnten dort weiterhin niedrigere Gebühren bezahlen.

Fünf bis sieben Millionen Passagiere jährlich müssten nicht durch den einen Eingang hinter den nach Rombergs Einschätzung ohnehin knapp bemessenen 116 Check-In-Schaltern geschleust werden. Ihre Koffer müssten nicht auf der ebenfalls bald am Limit operierenden Gepäckanlage im Terminalkeller kreisen, sondern könnten auf den bestehenden Bändern im alten Schönefeld-Airport transportiert werden.

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