Flughafendebakel
BER-Ersatz Tegel übersteht ersten Montag reibungslos
Das befürchtete Chaos am Flughafen Tegel ist ausgeblieben. Nach den Airlines kündigen nun auch Reisebüros Regressforderungen an.
Energisch winkend sprintet Erkan Özmen los, quer über die sechseckige Platzanlage im Inneren des Flughafenterminals in Tegel. "Das Taxi darf da nicht einfach halten und Gäste aufnehmen, wozu haben wir denn extra die Taxihaltestellen", schimpft der Mann, dessen Warnweste ihn als Mitarbeiter des "Taxi-Service-Tegel" ausweist. Doch wild haltende Taxifahrer sind an diesem Montagmorgen fast schon das einzige Ärgernis, um das sich Özmen und seine sieben Kollegen kümmern müssen. Dass die Taxen an der Einfahrt zum Flughafen an den Schranken vorbeifahren, um so die 50-Cent-Vorfahrtgebühr zu sparen, quittiert Özmen mit einem Achselzucken. Die Firma, die diese Aufgabe übernommen hatte, wurde gekündigt, die neue wird erst ab Juli einspringen. Hier herrscht der ganz normale Wahnsinn", kommentiert Özmen die unübersichtliche Verkehrssituation im Inneren des Terminals A, "nicht schlimmer als an anderen Montagen auch".
Auch die Flughafen-Betreiber teilen die Einschätzung der Taxi-Aufsicht. Der alte Landeplatz hat nach Auskunft des Flughafen-Sprechers den stärkeren Verkehr zum Wochenbeginn gut verkraftet. "Es ist eng, aber es läuft", so Leif Erichsen am Montag. Auf dem Plan standen rund 530 Flüge. Das waren etwa 100 mehr als am Sonntag, als Tegel zum ersten Mal die Last zusätzlicher Starts und Landungen tragen musste, die für den Hauptstadtflughafen geplant waren. Verglichen mit dem Montag vor zwei Wochen waren es exakt 20 Flüge mehr, die der alte Airport zu verkraften hatte. "Dennoch mussten weder am Sonntag noch am Montag Flugzeuge eine Sondergenehmigung beantragen, um nach 23 Uhr zu starten oder zu landen", informierte der Flughafen-Sprecher.
Lediglich eine Maschine von Air Berlin durfte am Sonntag um 23.45 Uhr landen – allerdings nach den Verspätungsregelungen für sogenannte Home-Carrier, die auch schon vor dem 3. Juni in Tegel galten. Dass Montag am Flughafen alles relativ reibungslos lief, hatten die Flughafen-Betreiber auch der Umsicht ihrer Fluggäste zu verdanken. Viele kamen aufgrund des befürchteten Chaos extra früh zum Airport. So auch Elisabeth Binder aus Zehlendorf, die ihre Cousine zum Flieger nach New York begleitete. Obwohl dieser erst um 9.35 Uhr abheben sollte, stieg die Zehlendorferin bereits um kurz nach 7 Uhr aus dem Taxi. "Wir sind auf Anraten der Airline extra früh gekommen, aber das war eigentlich überflüssig, wir hatten enorm viel Zeit zum Kaffeetrinken", so die 68-Jährige.
Schäden in Millionenhöhe
Während es für die vielen Geschäftsreisenden Montagfrüh kaum Grund zum Klagen gab – lediglich ein Flieger aus Antalya hatte Verspätung – bringt die Verschiebung des Eröffnungstermins des neuen Flughafens Berlin-Brandenburg International (BER) nicht nur den Fluggesellschaften, sondern auch den Reisebüros und Reiseveranstaltern vor allem enorme Mehrarbeit und zusätzliche Kosten. Der Deutsche Reise Verband (DRV) schätzt deren "unmittelbaren finanziellen Schaden auf mehrere Millionen Euro", so Otto Schweisgut, DRV-Vizepräsident und Vorsitzender des DRV-Ausschusses Flug. Millionen bereits getätigter Flugbuchungen müssten erneut in den Reservierungssystemen – und zwar manuell – bearbeitet werden. Dadurch fielen zusätzliche Arbeitsstunden an. "Das verursacht Zusatzkosten, die bei den Unternehmen hängenbleiben", so der DRV-Vizepräsident. "Wir werden die Zusatzkosten ermitteln und behalten uns vor, unsere Schadenersatzforderungen zu gegebener Zeit gegenüber der Flughafenbetreibergesellschaft geltend zu machen", kündigt Schweisgut an. "Es kann nicht sein, dass wir auf den finanziellen Schäden sitzenbleiben."
Je nach Fluggesellschaft und Buchungssystem müssen viele Flugtickets von Reisebüro und Reiseveranstalter vollständig manuell aktualisiert werden. Eine Vielzahl von Flugbuchungen und Flugtickets für geplante Flugreisen ab 3. Juni von BER werden zwar von den Fluggesellschaften automatisch aktualisiert. Sie müssen aber von den Reisebüros gegenüber der Fluggesellschaft rückbestätigt werden. Zusätzlich müssen diese ihre Kunden über die Änderungen informieren.
Unterdessen ist eine Woche nach dem Start der Berliner Initiative auch in Brandenburg mit der Unterschriftensammlung für ein Nachtflugverbot am künftigen Hauptstadtflughafen in Schönefeld begonnen worden.
Zwei Volksbegehren, ein Thema
Nach Angaben des Vereins "Mehr Demokratie" gibt es damit erstmals zwei Volksbegehren in verschiedenen Bundesländern zum gleichen Thema. Seit Montag werden auch in Brandenburg Unterschriften für ein generelles Nachtflugverbot zwischen 22 und 6 Uhr gesammelt. Für ein erfolgreiches Volksbegehren müssen bis zum 3. Dezember 80.000 gültige Unterschriften gesammelt werden.
Ziel der Volksbegehren in beiden Ländern ist ein Volksentscheid über ein Nachtflugverbot. Für Brandenburg wäre es der erste Volksentscheid. Einer der ersten, der seine Unterschrift leistete, war am Montagmorgen Teltows Bürgermeister Thomas Schmidt (SPD). Die Gemeinde gehört zu den am stärksten belasteten Orten in Brandenburg.
Alle Informationen zum neuen Haupstadtflughafen BER im Special von Morgenpost Online - und in unserem neuen Flughafen-Blog Hin und weg


















