Geplatzte Eröffnung
Flughafen-Desaster kostet 400 Menschen den Job
Nach einer Umfrage der Arbeitsagentur werden wegen des BER-Termins vor allem Mitarbeiter aus kleinen und mittleren Unternehmen entlassen.
Wie sehr die verschobene Eröffnung des Flughafens BER in das Leben der einzelnen Bürger eingreift, zeigt das Beispiel eines Mitarbeiters der Travelex Bank. Der Mann will seinen Namen nicht nennen, da er sich nun auf Arbeitssuche machen muss. Da kommt es nicht gut an, wenn er sich gleichzeitig in den Medien über seinen ehemaligen Arbeitgeber beschwert.
Wobei diese Firma nicht sehr lange sein Arbeitgeber war. Seit Anfang Mai war der Mann bei Travelex angestellt. Die Bank ist an mehreren europäischen Flughäfen vertreten. Die Kunden kommen dort vor allem hin, wenn sie eben gelandet sind und gleich noch am Flughafen ihr Geld wechseln wollen. Doch wegen der verschobenen Eröffnung des Flughafens BER bleibt auch die geplante Filiale geschlossen. Die Zukunft der neu eingestellten Mitarbeiter ist daher ungewiss.
Größe des Unternehmens ausschlaggebend
Es mag ein schwacher Trost sein, dass sie damit nicht alleine dastehen. Die Arbeitsagentur Potsdam geht nach einer ersten Schätzung davon aus, dass 400 Leute wegen der geplatzten Eröffnung nun auf Arbeitssuche sind. Mitarbeiter der Agentur haben 60 Firmen dazu befragt. Diese haben insgesamt 900 Leute wegen der Flughafeneröffnung eingestellt und wollen sich von etwas weniger als der Hälfte trennen. "Die meisten von ihnen sind in Hotels, Gastronomie und dem Einzelhandel tätig", sagte Clarissa Schmidt von der Arbeitsagentur Potsdam.
Dabei gibt es einen deutlichen Unterscheid, der sich an der Größe des Unternehmens orientiert. Das Risiko einer Entlassung ist größer bei den kleinen und mittleren Betrieben. "Die großen Unternehmen können die neuen Mitarbeiter vorübergehend versetzen und anderweitig beschäftigen", sagt Schmidt. "Solche Möglichkeiten gibt es bei einem kleinen Unternehmen kaum. Sie sind von der verschobenen Eröffnung viel härter betroffen."
Hoffnungsschimmer für Arbeitsuchende
Auch dem Mitarbeiter der Bank Travelex bot man eine Stelle an einem anderen Standort an. Allerdings hätte er dafür Berlin verlassen und nach London oder Paris gehen müssen. Dort würde er weniger verdienen als in Deutschland und hätte schlechtere Sozialleistungen. Daher könnte er seine Familie nicht mitnehmen und dort ernähren. Die Firma würde ihm den Flug zahlen, aber keine weiteren Kosten übernehmen. Nicht einmal ein Rückkehrrecht an den BER bekäme er, wenn der Flughafen in Berlin im kommenden Jahr eröffnet. "Wir hoffen, dass wir ein paar Mitarbeiter an anderen Standorten in Europa einsetzen können", sagt Carl van Hauwe, zuständiger Manager für den Bereich Nordeuropa bei Travelex. "Wir werden die Stellen für mehr als die Hälfte der Mitarbeiter in Berlin für das kommende Jahr frei halten, wenn wir wieder mit dem Training und der Startphase beginnen." Aber wer diese Stellen bekommt, ist noch nicht sicher. Da der betroffene Mann in Berlin eine Familie hat und das Gehalt im Ausland nicht für alle reichen würde, kommt das Angebot für ihn nicht in Frage. Alternativ könnte er natürlich auch unbezahlten Urlaub nehmen. Aber dann müsste ihn die Arbeitsagentur in der Zeit finanziell unterstützen. Ob das funktioniert, weiß der Familienvater noch nicht. Für ihn ist das eine schwierige Situation. Da er noch in der Probezeit war, hat er rechtlich gegen das Unternehmen keine Chance.
Einen Hoffnungsschimmer gibt es immerhin. Denn die Arbeitsagentur will am Flughafen im Informationszentrum, der Airportworld, präsent bleiben. Außerdem rufen jetzt schon Firmen an, die eigentlich gar nichts mit dem Flughafen zu tun haben", sagt Schmidt. "Sie fragen gezielt nach Mitarbeitern, die entlassen wurden, da sie oft genau deren Qualifikation suchen."
Alle Informationen rund um den neuen Hauptstadtflughafen BER im Special von Morgenpost Online



















