22.05.12

Flughafen-Desaster

Wurden Pannen am BER vertuscht?

Probleme am BER sollten offenbar im kleinen Kreis gehalten werden. Das legt ein E-Mail-Verkehr nahe, der Morgenpost Online vorliegt.

Foto: DAPD
Der BER kommt später und wird teurer - Probleme wurden offenbar geschönt
Der BER kommt später und wird teurer - Probleme wurden offenbar geschönt

Die Probleme beim Bau des Hauptstadtflughafens BER sollten offenbar geschönt werden. Dies legen Dokumente nahe, die Morgenpost Online vorliegen. Warnungen wollte man offenbar im kleinen Kreis halten. Konkret geht es um einen Vorgang in der Staatskanzlei Brandenburg.

Nach Informationen von Morgenpost Online musste zumindest einem Mitarbeiter von Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) spätestens Anfang März bewusst gewesen sein, dass die Probleme auf der Baustelle in Schönefeld insbesondere beim Brandschutz so umfassend waren, dass die Eröffnung des Flughafens Anfang Juni ernsthaft in Gefahr war. So war der für Luftfahrtangelegenheiten zuständige Beschäftigte der Staatskanzlei Potsdam am 29. Februar auf einer Krisensitzung zum Stand der Abnahmen des Fluggastterminals anwesend, wie ein Bericht belegt, der dieser Zeitung vorliegt. Doch anstatt die dort protokollierten Missstände zum Anlass zu nehmen, den Eröffnungstermin noch rechtzeitig abzusagen, entschied man sich offenbar dafür, die Probleme lieber zu beschönigen. Das geht aus einem vertraulichen E-Mail-Verkehr zwischen dem Dezernenten für öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Kreisverwaltung Dahme-Spreewald und dem Flughafenkoordinator der Staatskanzlei vom 8. März hervor.

In diesem Schriftverkehr geht es um die brisante Frage, "inwieweit die gesamten bautechnischen Probleme" in den "Zuarbeiten für die IMAG" – eine Arbeitsgruppe der am Bau des Flughafen beteiligten Ministerien – "dort thematisiert werden sollen". Der Dezernent schlägt dazu vor: "Pers. würde ich diese ganze Problematik dort nicht verschriftlicht wissen wollen, da ich nicht davon ausgehe, dass alle Beteiligten diese Themen richtig werten können … Können Sie dies teilen?" Die Antwort aus der Staatskanzlei kommt umgehend und fällt deutlich aus. "Ja, ich bin grundsätzlich einverstanden und schlage vor, dass Sie in der Vorlage die Problemlagen in Überschriften benennen und in der IMAG mündlich weitergehend berichtet wird." Wie heikel dieses Vorgehen ist, scheint dem Flughafenkoordinator bewusst. So schreibt er: "In der Tat bleibt das aber ein schmaler Grad; was wir nicht gebrauchen können sind Gerüchte, der Flughafen wird bis zum 03.06. nicht fertig. Deswegen ist es richtig, die konkrete Arbeit in der separaten Runde zu belassen."

Der stellvertretende CDU-Fraktionschef im Brandenburger Landtag, Dieter Dombrowski, spricht von einem möglichen "Vertuschungsversuch". Das Landesparlament und damit auch die Öffentlichkeit hätten weitaus früher über die gravierenden Probleme beim Bau des Flughafens informiert werden müssen, sagte Dombrowski der Morgenpost.

Anzeichen für Kostenexplosion

Platzeck beteuerte am Montag bei einer Sondersitzung im Landtag erneut, "dass der Aufsichtsrat bis zuletzt an den Eröffnungstermin geglaubt hat". Die Geschäftsführung der Flughafengesellschaft habe den 3. Juni trotz der seit Dezember 2011 bekannten Probleme bei der vollautomatischen Brandschutzanlage bis zum 7. Mai nicht infrage gestellt.

Indessen mehren sich die Anzeichen für eine Kostenexplosion am Hauptstadtflughafen. Allein das Abfertigungsgebäude kostet nach aktueller Prognose 1,22 Milliarden Euro, wie Platzeck im Landtag sagte. Hinzu kämen 50 Millionen Euro für Um- und Anbauten. Damit wäre das Abfertigungsgebäude doppelt so teuer wie ursprünglich geplant. Als Gründe nannte Platzeck zusätzliche Ausgaben etwa für doppelstöckige Fluggastbrücken. Hinzu kämen Kosten für neue Sicherheitstechnik wegen der EU-Freigabe für Wasserflaschen im Handgepäck. Platzeck wollte aber nicht bestätigen, dass der Neubau des Flughafens statt der ursprünglich erwarteten 2,5 Milliarden Euro nun knapp drei Milliarden Euro kostet. "Niemand weiß heute – 13 Tage nach der Entscheidung über die Verschiebung –, ob der Finanzierungsrahmen ausreicht", sagte Platzeck. Nachträge der Baufirmen seien möglich, hinzu kämen Kosten der Verschiebung. Luftfahrtexperten gehen von mindestens 500 Millionen Euro aus.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) will, dass sich die Gesellschafter die Last teilen. Berlin und Brandenburg halten je 37 Prozent an der Betreibergesellschaft, der Bund hat 26 Prozent. "Und wenn es Nachschusspflichten gibt, werden diese in diesen Quoten aufgeteilt", sagte Ramsauer.

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Barack und Michelle Obama in Berlin
Aktualisiert vor 5 MinutenLiveblog
Obama in Berlin – der Tag des US-Präsidenten in Berlin

US-Präsident Barack Obama, Ehefrau Michelle und die Töchter Sasha und Malia sind in Berlin. Ihre Nacht im Hotel Ritz-Carlton dürfte bald vorbei sein. Dann beginnt ein Tag voller Termine. Der Liveblog. mehr...


Nicht nur für die Einheimischen ist der Besuch von Barack Obama etwas Besonderes. Auch die Touristen empfinden ihn als eine Extra-Attraktion
05:18US-Präsident
Gelassene Touristen treffen auf aufgeregte Demonstranten

Eine Stadt in Erwartung: Wo können Berliner den Präsidenten sehen? Wird er im Fitnessstudio des Hotels eine Trainingseinheit einlegen? Und bekommen die Polizisten auch keinen Hitzschlag? mehr...


Sekunden vor der Landung: Auf diesen Moment haben die Fans der „Air Force One“ gewartet
18.06.13Obama in Berlin
Blick auf die "Air Force One" macht Planespotter glücklich

Sie warten und warten – auf den einen Moment. Planespotter haben sich am Flughafen Tegel versammelt, um Barack Obama landen zu sehen. Die "Air Force One" ist für viele das schönste Flugzeug der Welt. mehr...

BMO_ObamaLimo.jpg
18.06.13Interaktive Grafik
Die Staatskarosse des US-Präsidenten ist ein rollendes "Biest"

Bei der Sicherheit des US-Präsidenten wird nichts dem Zufall unterlassen. Seine Dienstlimousine ist wie ein fahrender Hochsicherheitstrakt. Daher hat es auch den Spitznamen "The Beast" - das Biest. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
Top-Thema

Aus dem Bett ihrer Suite im „Ritz-Carlton“ kann das Präsidentenpaar auf den Potsdamer Platz schauen
Obamas Hotel in Berlin

Hier übernachtet die First Familiy

Video Nachrichten mehr
US-Präsident So bereitet sich Berlin auf den Obama-Besuch vor
Berlin-Besuch Obamas Rede an der Siegessäule
Staatsbesuch In Berlin gilt höchste Sicherheitsstufe für Obama
USA Obama verteidigt Abhöraktionen der Geheimdienste
 
title
Abi 2012

Hier finden Sie eine Übersicht der Abiturienten.mehr

1085783744.jpg
Ausbildung 2013

Ratschläge zur erfolgreichen Gestaltung und zur Berufswahlmehr

Bildschirmfoto 2013-05-07 um 15.39.57.png
Outletcenter

Diese Outletcenter bieten gute Ware zu günstigen Preisen... mehr

Top Bildershows mehr
Staatsbesuch

Von Kennedy bis Bush – US-Präsidenten in Berlin

Absperrungen

US-Präsident Barack Obama in Berlin

US-Präsident

Straßensperrungen zum Besuch von Obama in Berlin

"Ritz-Carlton"

Hier übernachtet Barack Obama in Berlin

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote