Sprechstunde
Kann eine falsche Ernährung zu Durchfall führen?
Birgit F. aus Lichtenberg fragt: Mein zweieinhalbjähriger Sohn hat ständig Durchfall in Form von breiigem Stuhl. Mache ich etwas falsch bei der Ernährung?
Ein Windel tragendes Kleinkind hat etwa drei Mal pro Tag bis drei Mal pro Woche Stuhlgang. Von Durchfall spricht man erst dann, wenn das Kind deutlich häufiger Stuhlgang hat oder aber der Stuhl sehr viel flüssiger ist als sonst.
Die häufigste Ursache für einen akuten Durchfall ist in der Regel eine Infektion. Diese ist meist viral, beginnt akut und verursacht häufig neben einem Durchfall auch Brechreiz und Übelkeit. Bakterielle Durchfallerkrankungen verlaufen häufig noch schwerer, führen meist zu Fieber und gelegentlich auch zu Blutverlust über den Darm. Eine akute Magen-Darm-Infektion, eine Gastroenteritis, ist eine der häufigsten Ursachen eines Kinderarztbesuches. Solange die Kinder noch mindestens so viel Flüssigkeit zu sich nehmen wie sie über den Stuhl verlieren, besteht keine Gefahr. Doch in dem Augenblick, in dem ein Kind nicht mehr trinken möchte, die Schleimhäute des Kindes trocken werden oder auch der Bauch faltige Haut bekommt, sollte dringend ein Kinderarzt aufgesucht werden. Je kleiner ein Kind ist, umso schneller kann es austrocknen: dann kann ein Durchfall lebensgefährlich werden. So versterben auf der Welt täglich viele Kinder an akuter Austrocknung durch Durchfall, weil sie keinen Zugang zu lebensrettender Flüssigkeit haben. Bei Unsicherheit, bei anhaltendem Fieber, bei Durchfall, der länger als zwei Wochen dauert, oder auch bei einer Wesensveränderung Ihres Kindes sollten Sie großzügig Ihren Kinderarzt aufsuchen.
Bei akuten Durchfallerkrankungen ist es am wichtigsten, eine adäquate Flüssigkeitszufuhr mit etwa 100 bis 150ml/kg in 24 Stunden zu gewährleisten. Zum einen kann in der Apotheke gekaufte Elektrolytlösung verwendet werden, zum anderen aber auch Tee, den Sie mit etwas Salz und Traubenzucker (auf 1 l Tee sieben Teelöffel Traubenzucker und einen Teelöffel Salz) anreichern. Mögliche Diäten werden nicht mehr verordnet. Studien haben bewiesen, dass durch das Einhalten von strengen Diäten die Durchfallerkrankung oft länger dauert, als wenn die Kinder essen dürfen, was sie möchten. Bestimmte Medikamente können eine akute Durchfallerkrankung abkürzen, diese sollten dann aber von einem Arzt verordnet werden.
Die zweite große Gruppe von Durchfallerkrankungen sind Nahrungsmittelunverträglichkeiten, wobei am häufigsten die Laktose-Intoleranz ist. Hierbei ist der Darm unfähig Milchzucker zu spalten und es kommt zu Blähungen, Durchfall und Bauchschmerzen. Auch Nahrungsmittelallergien gegen Milch, Nüsse, Eiweiß oder Fisch kommen vor.
Somit ist die wichtigste Frage an Sie: Geht es Ihrem Sohn mit seinem breiigen Stuhl gut? Hat Ihr Sohn immer breiigen Stuhlgang? Windelkinder haben häufig noch keinen festen Stuhlgang und entwickeln diesen erst, wenn sie ein Töpfchen oder eine Toilette benutzen. Wenn Ihr Sohn gut gedeiht, fröhlich ist, spielt und keine vermehrten Bauchschmerzen hat, dann ist die wahrscheinlichste Diagnose des breiigen Stuhlgangs die sogenannte "Durchfallerkrankung des Kleinkindes", im Fachjargon "Toddlers diarrhoe" genannt.
Beatrix Schmidt ist Chefärztin für Kinder- und Jugendmedizin
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