Zahl der Senioren unter den Gästen der Tafeln wächst
Kaum drei oder vier Jahre ist es her, dass nur ein einziger Gast mit einem Laufwagen zum Essen kam. "Der hatte Multiple Sklerose. Wir haben ihm dann immer gesagt: 'Peter, stell den Rollator in irgendeine Ecke' - und das Problem war gelöst", sagt Udo Engelhardt.
Wenn es heute in der Tafel im südbadischen Singen Mittagessen gibt, bietet sich ein anderes Bild: Oft sind es zehn oder mehr Laufwagen, die den Raum zu versperren drohen. Inzwischen wurde Platz geschaffen. An der Wand hängt ein Zettel mit der Aufschrift "Rollatorenparkplatz".
"Über ein Drittel der Leute, die zu uns kommen, sind nicht mehr im erwerbsfähigen Alter", sagt Engelhardt, der die Einrichtung leitet. Die Tafel-Helfer, die kostenlose Nahrungsmittel an Bedürftige weitergeben, erleben das, wovor viele Experten seit Jahren warnen: Die Altersarmut wächst, und sie wird weiter steigen, wenn die Politik nicht gegensteuert.
Im vergangenen Jahr waren laut Statistischem Bundesamt von jeweils 1000 Einwohnern ab 65 Jahren 28 Frauen und 20 Männer auf die Grundsicherung im Alter angewiesen. In den vergangenen fünf Jahren ist der Durchschnitt damit von 21,6 auf 24,6 Menschen pro 1000 Einwohner gestiegen. Experten sagen für die Zukunft eine steigende Quote voraus.
Der Seniorenanteil unter den Tafel-Gästen steigt deutschlandweit, nach Angaben des Bundesverbands Deutsche Tafel von zwölf Prozent im Jahr 2007 auf aktuell etwa 17 Prozent. "Wir erwarten auch in den kommenden Jahren eine Zunahme älterer Gäste", sagt Sprecherin Anke Assig. Daran werde auch der "Regierungsdialog Rente" nichts ändern: "Man wird damit nur einen kleinen Teil der Rentner erreichen können."
Angesetzt werden müsse an den vielen geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen im Osten sowie in anderen strukturschwachen Regionen des Landes, sagt Assig: "Es geht um Millionen von Menschen, die zukünftig eine Rente unterhalb des Existenzminimums erhalten werden."
Auch Engelhardt von der Singener Tafel rechnet mit mehr Senioren unter den Gästen. Er kritisiert, dass Staat und Gesellschaft nicht bereit seien, mehr Geld für arme alte Menschen auszugeben: "Es wird einfach akzeptiert, dass ein immer größerer Teil der alten Menschen auf Grundsicherung angewiesen ist."
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