Taschenlampenkonzert
"Musik, die uns gefällt"
Am Sonntag, 11. September, ist das Taschenlampenkonzert in der Waldbühne. Morgenpost-Leser durften die Band Rumpelstil interviewen
Das war ein ganz besonderer Tag für zwei Berliner Familien. Für die Tempelhofer Familie König, bestehend aus Vater Michael Thiel-König (46), Mutter Heike König (40), den Kindern Levin (11) und Jurek (8) sowie den Großeltern Hartmut König (70) und Christel Wörmann (68) und für die Familie Ewers aus Karow - Vater Marc Ewers (43), Mutter Anja Ewers (36) und Sohn Henrik (7). Diese beiden Familien durften für die Berliner Morgenpost in die Reporterrolle schlüpfen und interviewten die Mitglieder von "Rumpelstil", der bekannten Berliner Familien-Band, die am Sonnabend beim Taschenlampenkonzert wieder für Stimmung in der Waldbühne sorgen wird.
Henrik Ewers: Wer hat die Band gegründet?
Rumpelstil: Das war Jörn Brumme. Wir kamen zusammen, um Musik zu machen, die Familien anspricht. Das ist nun schon ungefähr zwanzig Jahre her.
Henrik Ewers: Können Sie inzwischen davon leben?
Rumpelstil: Bis auf Jörn Brumme, der Chemie studiert hat, haben wir alle Musik studiert. Und Blanche, die ja aus Holland stammt, steht am längsten von uns allen auf der Bühne. Wir sind glücklich, zu einer kleinen Anzahl von Musikern in Deutschland zu gehören, die beruflich das machen können, was ihnen gefällt. Und wir können davon leben, das ist wirklich toll.
Henrik Ewers: Wie sind Sie denn zusammengekommen?
Rumpelstil: Unsere Band gibt es seit ungefähr zehn Jahren in dieser Konstellation. Früher, während unseres Studiums, hatten wir mal eine Jazzband. Vor mehr als zehn Jahren suchten wir dann eine neue Sängerin. Durch Zufall gelangten wir zu Blanche Elliz. Zuerst hat sie uns die kalte Schulter gezeigt, aber dann konnten wir sie für uns gewinnen.
Rumpelstil (Blanche Elliz): Ich wusste erst gar nicht, was mich erwartet. Ich dachte an typische Kindermusik und war erst gar nicht begeistert von dem Gedanken. Aber dann war ich angenehm überrascht von dem Musikstil.
Henrik Ewers: Schreiben Sie denn Ihre Texte selbst?
Rumpelstil: Wir machen alles selbst. Das ist das Credo der Band, das war es auch von Anfang an. Wir hatten in den letzten zwanzig Jahren höchstens eine Coverproduktion.
Henrik Ewers: Wie würden Sie heute Ihren Stil beschreiben?
Rumpelstil: Tja, das ist eine schwierige Frage. Wir sind sehr froh, dass wir nicht so auf unseren Stil achten müssen, wie andere Bands. Wir haben die Freiheit, alles Mögliche machen zu dürfen. Das ist gut, denn wir haben vier unterschiedliche Geschmäcker und versuchen, jedem ein bisschen gerecht zu werden. Jeder kann sich verwirklichen, jeder komponiert.
Henrik Ewers: Was entsteht zuerst, die Musik oder der Text?
Rumpelstil: Das ist ganz unterschiedlich. Manchmal entsteht beides sogar gleichzeitig. Der Haupttexter ist Jörn Brumme, er kann das einfach besonders gut. Seine Texte sind für Kinder, ohne kindlich zu sein, und erreichen auch Erwachsene. Unsere treuesten und engagiertesten Fans sind Erwachsene.
Henrik Ewers: Wie fallen Ihnen die Texte zu Ihren Songs ein?
Rumpelstil (Jörn Brumme): Ich habe gelernt, mich morgens hinzusetzen und nachzudenken, bevor ich Mails checke oder irgendetwas anderes mache. Manchmal fallen mir in einer Woche zehn Texte ein, davon sind acht super. Und dann kann zwei Monate lang Flaute sein. Texte kommen durchs Hirn und durchs Herz.
Henrik Ewers: Manche sind doch auch mit Ihren Texten erwachsen geworden?
Rumpelstil (Jörn Brumme): Oft verlassen uns die Kinder in der Phase zwischen elf und 13 Jahren und kommen dann mit 16 wieder, haben wir festgestellt. Gestern sprach ich mit einer jungen Frau, die mir erzählte, sie hätte früher Rumpelstil gehört, als sie noch klein war. Und jetzt wieder. Das ist wirklich schön.
Rumpelstil (Peter Schenderlein): Meine großen Kinder haben im Moment nicht so viel Interesse. Meine kleine Tochter Frieda ist drei und will gerade nichts anderes hören.
Henrik Ewers: Sind Kinder als Publikum anders als Erwachsene?
Rumpelstil: Wir kennen viele Künstler, die können nicht vor Kindern spielen. Man muss das Publikum ganz anders ansprechen. Man muss mit sich selbst im Reinen sein, darf keine Maske aufhaben. Für uns hat es viel mit Freude zu tun. Aber wenn wir einen Text vertonen, dann denken wir nicht darüber nach, dass wir ihn für Kinder machen. Wir machen Musik, die uns gefällt und denken nicht, die muss jetzt besonders einfach sein, weil sie für Kinder ist. Das Klischee sagt häufig, Kindermusik muss sich auf eine bestimmte Weise anhören. Wir passen einfach nicht dazu.
Henrik Ewers: Gibt es von Ihnen noch andere Shows als das Taschenlampenkonzert?
Rumpelstil: Ja, zum Beispiel unsere Mathe-Show, in der wir auch das Einmaleins spielen. Insgesamt spielen wir ungefähr 20 Konzerte im Jahr.
Henrik Ewers: Ist für Sie die Waldbühne etwas besonderes?
Rumpelstil: Ja, dort passen so viele Zuschauer hinein und trotzdem ist da eine gewisse Intimität. Und die Atmosphäre mit den vielen Bäumen, die einzigartige Akustik, die Bauweise und die Geschichte dieser Bühne - das berührt jeden. In einem solchen Amphitheater nehmen sich die Zuschauer auch gegenseitig wahr, das ist perfekt für ein Taschenlampenkonzert. Wenn die Lampen das erste Mal angehen, geht ein Raunen durch das Publikum. Da bekommt man eine Gänsehaut.
Henrik Ewers: Sind Sie aufgeregt vor Auftritten?
Rumpelstil: Als wir das Angebot bekamen, ob wir nicht in der Waldbühne spielen wollen, hatten wir zunächst Angst vor einer Riesenblamage. Aber wir dachten auch: Einmal dort spielen, das wäre schon Wahnsinn. Seitdem sind wir immer so eine Woche vorher in einer Art flatterndem Ausnahmezustand.
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