Abonnenten-Login Serviceangebote der Berliner Morgenpost Specials der Berliner Morgenpost
16.04.11

Großeltern

Wenn Erziehungsfragen für Konflikte sorgen

In Kursen der Caritas diskutieren Eltern und Großeltern ihre Ansichten - und üben Respekt

So unersetzlich die Mithilfe der Großeltern in vielen Familien ist: Nicht selten sorgt sie auch für Konfliktstoff zwischen den Generationen. Ob es um Tischmanieren geht, die Zubettgeh-Zeiten oder Süßigkeiten - oft gibt es darüber unterschiedliche Meinungen und Unstimmigkeiten, welche Regeln gelten sollen. Eltern fühlen sich bevormundet, Großeltern verunsichert oder nicht gewertschätzt. Der Streit ist vorprogrammiert. Um solchen Konflikten vorzubeugen und ein Forum für den Austausch zu schaffen, hat die Caritas ihre Erziehungsberatungskurse für alle Generationen geöffnet. Sie lädt unter dem Titel "Mehrgenerationenkurs Kess erziehen" neben Müttern und Vätern explizit auch Großmütter und Großväter ein, die Kinder zwischen zwei und zehn Jahren betreuen. Anfang Mai startet der vierte Kurs dieser Art - je zur Hälfte reserviert für Mamas und Papas beziehungsweise Omas und Opas.

In dem Kurs geht es zunächst darum, dass sich Erziehungsziele im Lauf der Zeit verändern, weil sie mit der gesellschaftlichen Entwicklung im Zusammenhang stehen. "Wenn man das verstehen und respektieren lernt, gibt es schon einen großen Fortschritt im Verhältnis zwischen den Generationen", sagt Sabine Schäfer, die den Kurs konzipiert hat.

In den weiteren Einheiten werden aktuelle Erziehungsinhalte besprochen und neue Erkenntnisse aus der Forschung vermittelt. Die Themen lauten zum Beispiel: Wie kann ich Kinder besser verstehen? Wie setze ich Grenzen und übe Konsequenz? Wie ermutige ich Kinder? Die Schlusseinheit widmet sich dem Thema Kooperation - zwischen Eltern und Kindern, Großeltern und Kindern sowie Eltern und Großeltern. "Jede Generation schaut für sich: Wo stehen wir? Was brauchen wir? Was bieten wir? Und dann entwickeln wir gemeinsam Konfliktlösungsstrategien", erklärt Sabine Schäfer. Gearbeitet wird in den Kursen mit theoretischen Einheiten, Rollenspielen sowie mit Gruppenübungen.

"Es hat mir sehr geholfen, mich mit anderen Frauen auszutauschen", sagt Christa Christ-Graven, die kürzlich an einem der Kurse teilgenommen hat. Die 69-Jährige betreut regelmäßig ihre drei Enkel zwischen zweieinhalb und viereinhalb Jahren. Dabei ergeben sich immer mal wieder Probleme und Missverständnisse zwischen ihr, ihren Söhnen und ihren Schwiegertöchtern. "Ich komme aus einer Kriegsgeneration und kann es nicht haben, wenn mit Essen gespielt wird", nennt sie ein Beispiel. "Aber meine Kinder sehen das lockerer, so wie sie überhaupt viel weniger streng sind, als ich es im Umgang mit meinen Enkeln bin."

Im Kurs übte Christa Christ-Graven, die Haltung der heutigen Eltern besser zu verstehen. Was sie als Verwöhnen empfindet, ist für die Eltern womöglich genau der richtige Weg, weil sie andere Schwerpunkte setzen - oder ihr Verhalten entspringt einer Unsicherheit, Grenzen zu setzen. "Aber auch das muss ich akzeptieren", hat Christa Christ-Graven gelernt: "Ich kann meine Erfahrungen nicht einfach weitergeben, sondern jeder muss seine eigenen machen." Die engagierte Großmutter berichtet, dass sie nach dem Kurs "Erleichterung" gespürt habe - aber auch den Wunsch, den Dialog fortzusetzen.

Damit steht Christa Christ-Graven nicht allein. Oft organisierten die Teilnehmerinnen Nachtreffen, berichtet Sabine Schäfer. "Es gibt heutzutage eine große Erziehungsunsicherheit, weil es so viele Möglichkeiten gibt", sagt sie. "Umso wichtiger ist es, sich auszutauschen - und den unterschiedlichen Ansichten mit Wertschätzung zu begegnen."

Der nächste Mehrgenerationenkurs Kess Erziehen findet ab 11. Mai statt. Er besteht aus sechs Einheiten (jeweils mittwochs, 9.30 bis 12.30 Uhr). Ort: Caritasverband, Erziehungs- und Familienberatungsstelle, Große Hamburger Straße 18, Mitte. Es gibt noch freie Plätze. Die Teilnahme ist kostenlos, das Kursmaterial kostet 7,50 Euro. Weitere Infos und Anmeldung: Tel. 66 63 34 70.

Leser-Kommentare
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
Muttertag
Glück hoch drei

Das Leben als Drilling ist einzigartig. Für die Eltern –…

Video Nachrichten mehr
Assad-Regime Opferzahl nach Angriffen in Syrien steigt
Mitte Polizei sucht mit Bildern nach Angreifer vom Alex
Ausflugswetter Viel Sonne versüßt Deutschen das Pfingstfest
Käufersuche Eine Woche Galgenfrist für Schlecker
 
PromoTeaser_img.jpg
Urlaub an der See

Aktuelle Reisetipps für Ihren nächsten Deutschlandurlaub.mehr

Sommerkoll-klein.png
Sommer Trends

Lindner - Das sind die Sommer Trends 2012!mehr

bio10_onsite-teaser.jpg
Netzwerker

Für eine moderne Energieversorgung in Berlinmehr

 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Blücherplatz

Karneval der Kulturen mit Straßenfest eröffnet

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

DFB-Bundesgericht

Hertha kämpft gegen Sturz in die Zweite Liga

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote