Internetportal Bilingi
Sprachlehrer und Babysitter in einem
Meredith (23) spricht Englisch als Muttersprache. Hanna (29) kann sich auf Deutsch, Englisch und Hebräisch verständigen. Natalia (24) ist Russin, parliert aber auch Tschechisch, und die Französin Aude (23) hat über ihre Heimatsprache hinaus auch Englisch und Deutsch im Repertoire.
Sie alle trifft man im Internet unter www.bilingi.de. Das bedeutet: Die jungen Damen sind nicht nur polyglott, sondern auch kinderlieb - und genau in diesem Bereich auf Jobsuche.
Bilingi ist ein Web-Portal, auf dem Frauen und Männer ihre Dienste als Kinderbetreuer, Tagesmutter oder -vater, Nachhilfelehrer oder Haushaltshilfe anbieten. Eltern, die Unterstützung suchen, können sich ebenfalls dort registrieren und Kontakt mit den Personen aufnehmen, deren Profil ihnen gefällt. Das Besondere: Bilingi hat sich auf mehrsprachige Kinderbetreuung spezialisiert. Ob also eine griechische Familie eine griechische Kinderfrau sucht, um die Muttersprache fern der Heimat zu pflegen, oder einen deutschen Babysitter, damit die Sprösslinge sich schnell in Deutschland heimisch fühlen: Bei Bilingi gibt es die Chance, beides zu finden. Deutsche Familien können ihren Kindern durch eine fremdsprachige Betreuung die Welt nahebringen.
Erfinderin von Bilingi ist Peggy Block aus Teltow. Zwei Jahre ist es her, dass die junge Mutter - damals noch in Berlin wohnend - mit ihrem Web-Portal an den Start ging. Die Registrierungszahlen sind stetig gestiegen. Derzeit nutzen etwa 4000 Babysitter bundesweit Bilingi und genauso viele Eltern. Rund 20 Anfragen gibt es täglich. Sowohl für die Eltern als auch für die Betreuer ist die Kontaktaufnahme gratis. Alle Details der Zusammenarbeit zwischen Familien und Babysittern werden von den Parteien individuell vereinbart.
Ende vergangenen Jahres gewann Peggy Block mit ihrer Idee den erstmals ausgelobten Brandenburger Familienpreis des brandenburgischen Ministeriums für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie. Die Begründung der Jury: Das Projekt zeichne sich "durch Zweisprachigkeit aus und hilft sowohl Familien mit Migrationshintergrund als auch deutschen Familien, die Erwerbstätigkeit und die Kinderbetreuung miteinander vereinbaren zu können."
"Es ist toll, dass meine Arbeit auf diese Weise honoriert worden ist", sagt Peggy Block. Auch über das Preisgeld von 1000 Euro hat sie sich gefreut. Vier Stunden investiert Peggy Block schließlich täglich in die Pflege der Web-Seite - neben ihrem Halbtagsjob als Verwaltungsfachangestellte und ihrem Engagement als Mutter der zweieinhalbjährigen Lara. "Meine Freunde fragen mich immer, was ich da eigentlich mache: Die Seite sei doch ein Selbstläufer." Doch irrten sie da: "Wenn die Eltern nach der Eingabe ihrer Postleitzahl kein Angebot finden, springen sie gleich wieder ab." Daher ist Peggy Block ständig bemüht, über Anzeigen, Aushänge, Telefonate neue Betreuer zu suchen, meist Studenten und Erzieherinnen, die etwas dazuverdienen wollen.
Dieser Einsatz kostet Zeit - und Geld. Deshalb ist Peggy Block auf der Suche nach Unterstützung: für Programmierung, Design und Vermarktung der Seite. Auch eine Kooperation mit einem anderen Web-Portal kann sich Peggy Block vorstellen. Nicht zuletzt denkt sie darüber nach, ihr Angebot kostenpflichtig zu gestalten. "15 Euro für unbegrenzt viele Kontaktaufnahmen im Monat - das müssten die Eltern doch akzeptieren", überlegt sie. Zwar hat sie auf ihre Anfrage nach Unterstützung auf ihrer Website noch keine Antwort erhalten. Aber immerhin über Bilingi eine englischsprachige Babysitterin für Lara gefunden. Die kommt einmal in der Woche, um mit der Zweieinhalbjährigen auf Englisch zu plaudern - und die umtriebige Erfinderin zu entlasten.
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